Bewegende Einblicke in die deutsch-deutsche Geschichte

Von: agsb
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Beeindruckend: Hartmut Richter (r.) berichtete bewegend aus der deutsch-deutschen Geschichte und von seiner Flucht aus der ehemaligen DDR nach Westberlin. Foto: agsb

Waldfeucht-Haaren. Wenn Hartmut Richter aus Berlin zu Besuch kommt, dann wird deutsch-deutsche Geschichte lebendig. So auch im Haus Lutgen in Haaren und in einigen Schulen im Kreis Heinsberg, wo er auf Einladung des VdK-Ortsverbandes Selfkant referierte. Er war zum elften Mal in der Region und vermittelte als Zeitzeuge eine Geschichte, die fast den dritten Weltkrieg hervorgerufen hätte.

Morgens war Richter zu Gast in der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg. Dabei verfolgten rund 180 Schüler zunächst einen Dokumentationsfilm und erlebten dann eine Geschichtsstunde mit Richter, die nachdenklich machte. Später, im Haus Lutgen war auch der VdK-Ortsverband Waldenrath dabei. Die Mitglieder lernten den Zeitzeugen bei einem Berlin-Besuch in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen kennen.

Bereits beim Abspulen des Filmbeitrages wurde die ältere Generation nachdenklich, die Bilder – unter anderem vom Mauerbau – machten ihre Erinnerung lebendig. Viele hatten als Jugendliche Anfang der 60er Jahre erlebt, wie die DDR-Bürger weggesperrt wurden. „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, lauteten einst die Worte des DDR-Staats- und Parteichefs Walter Ulbricht. Von 1948 bis 1971 war Ulbricht der bedeutendste Politiker der DDR. Bereits vor dem Mauerbau, der am 13. August 1961 begann, hatte der spätere Parteichef Erich Honecker die Pläne dafür geschmiedet, 1971 übernahm Honecker die DDR-Führung bis zur Wende.

Sprung in die Freiheit

Hartmut Richter war während des Mauerbaues in Westberlin bei Familienangehörigen, er hatte Schulferien. „Ich habe von Westberlin aus gesehen, wie Menschen aus den Fenstern in ihre Freiheit sprangen“, erinnerte er sich. Richter wurde danach mit einem Rot-Kreuz-Fahrzeug nach Ostberlin gefahren, dort hatte er seine Schulfreunde, und er wollte zu seiner Mutter zurück. Mit den Jahren kamen aber immer mehr Zweifel, ob er in der DDR reinen Gewissens leben könne. So reifte die Idee, aus dem Osten in die Freiheit nach Westberlin zu flüchten.

Der erste Fluchtversuch sei dilettantisch gewesen, sagte er: Im Zug in Richtung Tschechoslowakei wurde er gefasst und verwarnt.

Den zweiten Fluchtversuch im Jahr 1966 durch den Teltowkanal schilderte Richter sehr emotional: Mehr als drei Stunden sei er im eiskalten Wasser gewesen. „Ich hatte eine schützende Hand über mir“, sagte Richter, der im Westen in den Armen der Grenzschützer ohnmächtig wurde.

Über die Transitstrecke schleuste Richter dann selbst 30 Menschen in den Westen. Er brachte sie im Kofferraum rüber. Beim 31. Versuch wurde er erwischt, ausgerechnet als er seine Schwester samt Verlobtem ausschleusen wollte. Richter wurde als Vaterlandsverräter zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Nach fünf Jahren kaufte die Bundesregierung ihn für 100.000 D-Mark frei. „Die DDR-Regierung brauchte Geld, da waren die politischen Gefangenen Gold wert“, sagte Richter. Insgesamt wurden rund 30.000 Häftlinge freigekauft. Und dann waren da noch die Maueropfer. Sie machen bis heute betroffen: Es starben laut Angaben von Richter 172 Menschen durch Schüsse der Wachsoldaten.

Bewegend schilderte Richter weitere Facetten seines Lebens in der DDR. Seine Schwester blieb nach der Haft übrigens drüben und gründete in der DDR eine Familie.

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