Bergbau-Museum: Glitzernde Kostbarkeiten im Grubenlicht

Von: Mirja Ibsen
Letzte Aktualisierung:
12424062.jpg
Die Loren stehen in Hückelhoven längst still, aber die Faszination für die Schätze der Erde ist geblieben. Foto: mib
12390612.jpg
Die Mineralien- und Bergbaufreunde zeigen sie in ihrem Museum an der Ludovicistraße. Foto: mib

Hückelhoven. Fenster braucht dieses Museum keine. Licht ist auch nicht das Element der Exponate. Stammen sie doch von einem Ort, an dem es immer finster ist: Dem Inneren der Erde. Dem Dunkel entkommen, wird ihnen allein der Schein einer Lampe zur Bühne. Und weil Birnchen auch mal ausfallen, gibt es immer etwas zu tun.

Das ist einer der guten Gründe, warum sich die Mineralien- und Bergbaufreunde jeden Donnerstagvormittag in dem Museum an der Ludovicistraße 1 treffen. Ein anderer ist der Kaffee, den es hier immer frisch gibt, und der Plausch über alte Zeiten. Die Männer und Frauen, die an einem langen Tisch in der ehemaligen Hausmeisterwohnung zusammensitzen, hatten früher alle etwas mit dem Bergbau zu tun, genauer, sie sind auf Sophia-Jacoba „gefahren“. So nennen das die Bergleute, weil man in den Schacht „einfährt“.

Das Jahr 1997, in dem die Zeche in Hückelhoven geschlossen wurde, ist gleichzeitig das Geburtsjahr des Vereins der Hückelhovener Mineralien- und Bergbaufreunde. Dass sie auch ein Museum mit ihren Schätzen eröffnen würden, das hatten sie eigentlich gar nicht geplant. Sie wollten gemeinsam ihrer Sammelleidenschaft frönen. Doch dann wurden sie immer reicher an Steinen und aus ihrer geplanten „Begegnungsstätte für Interessierte“ wurde „ruckzuck ein Museum“, erzählt Franz Janke, zweiter Vorsitzender des Vereins.

25 Jahre ist der 59-Jährige auf Sophia-Jacoba gefahren und hat dem Berg das kostbare schwarze Gold aus den steinernen Knochen gehauen. Seine Leidenschaft für Steine pflegt er allerdings schon viel länger, mindestens 35 Jahre, sagt er. Urlaub macht er am liebsten dort, wo auch ein Steinbruch in der Nähe ist, wie zum Beispiel in Wolfach-Kirnbach im Schwarzwald.

Dorthin reisen die Mineralienfreunde in diesem Jahr im September, um in der Mineralienhalde der Grube „Clara“ nach neuen Schätzen zu buddeln. Mit Lupen mit zehn und zwanzigfacher Vergrößerung erforscht er dann das Geröll Zentimeter um Zentimeter. Den Steinen ist von außen kaum anzusehen, dass sie einen Kristall im Inneren bergen. Sie sind unscheinbar, schrumpelig wie alte Kartoffelknollen. Das steigert den Finderstolz.

Achtzig Prozent der Steine, die jetzt in den raumhohen Vitrinen im Schein von unzähligen kleinen Lämpchen glitzern und glänzen, haben die Mitglieder selbst gesammelt: Drusen und Geoden mit Achaten und Bergkristallen, Rosenquarze, Rauchquarze, Sandrosen ... Mehr als 1500 Besucher haben die glitzernden Kostbarkeiten in diesem Jahr schon betrachtet. Janke rechnet mit einem Besucherrekord, denn das Familienfest im Juli ist bei der Rechnung noch gar nicht mit dabei.

Neun Monate haben die 13 Gründer des Vereins damals gebraucht, um die 150 Quadratmeter der Wohnung in das passende Kästchen für ihre schmucken Steine und Mineralien zu verwandeln. „,Das schaffen die nie‘, haben die Leute gesagt, aber dann haben wir mal gezeigt, wie Bergleute so etwas machen“, erzählt Janke. „Ohne die Stadt Hückelhoven und die Geschäftswelt, wäre das nicht möglich gewesen“, erinnert sich Vorsitzender Matthias Schmitz. In der Beziehung ist er ein Elefant – er vergisst es ihnen nicht.

So wie er will, dass die Menschen nicht vergessen, wie früher im Bergbau gearbeitet wurde. Denn an die Schätze der Erde kommt der Mensch in der Regel ja nur, wenn er in die Tiefe geht.

Das Grubenfahrrad funktioniert noch und auch die Schachtglocken und das Notfallsignal. „Ohren zuhalten, jetzt wird es laut.“ Danke für die Warnung. „Das gefällt den Kindern besonders gut, sagt Matthias Schmitz mit der Hand am Griff der Glocke. Soll er noch mal? Er lächelt. In ihm weckt der Ton Erinnerungen. Ebenso wie die Helme, die in verschiedenen Farben an der Decke hängen. Er hat damals einen weißen getragen. Das Zeichen dafür, dass er ein Steiger war.

Alle Bergbau-Exponate in den drei Räumen des Museums stammen aus der Zeche Sophia-Jacoba. Dem Besucherbergwerk Schacht 3 macht der Verein allerdings keine Konkurrenz. „Das können wir gar nicht“, sagt Janke. Die Mineralien- und Bergbaufreunde haben rund 120 Mitglieder, der Verein Schacht 3 zählt mehr als 1200. „Wir ergänzen uns“, sagt Schmitz. Sie sind eben alte Kumpel, die halten zusammen. „Unser Schwerpunkt liegt auch mehr bei den Steinen.“ Und die möchten jedes Jahr mehr Menschen sehen.

Der Eintritt und die Führungen kosten nichts, aber der Verein freut sich über eine Spende in die silberne Dose, die auf dem Tisch direkt am Eingang steht, und ein paar nette Worte ins Gästebuch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert