Hückelhoven-Millich - „Benni“ soll Kindern Angst vor den Ärzten und ihrer Krankheit nehmen

„Benni“ soll Kindern Angst vor den Ärzten und ihrer Krankheit nehmen

Von: kalauz
Letzte Aktualisierung:
8506944.jpg
Wolfgang Strömich war als Kind selbst von der Krankheit Morbus Perthes betroffen. Durch seine Initiative will er vor allen Dingen Öffentlichkeit herstellen, um so auf die Krankheit im Kindesalter aufmerksam zu machen. Foto: kalauz
8506486.jpg
Ein putziger, senfsamtbrauner Teddy, der eine rot-weiß karierte Schleife um den Hals trägt: Benni soll Kindern die Angst vor ihrer Krankheit nehmen. Foto: kalauz

Hückelhoven-Millich. Hallo, ich bin Benni. Der Benni ist ein putziger, senfsamtbrauner Teddy, der eine rot-weiß karierte Schleife um den Hals trägt. Natürlich ist der Benni ein Stofftier für Kinder, Teddys sind immer zuerst für Kinder da. Und Benni kommt zu Kindern, die krank sind. „Ich schreibe dir, weil ich gehört habe, dass du krank bist. Die Ärzte nennen deine Krankheit Morbus Perthes. Aber das weißt du sicher“.

Das steht auf der „Visitenkarte“, die Benni bei sich trägt, wenn er sich Kindern vorstellt. „Ja, wir haben den Benni sozusagen erfunden, um den Kindern, die an Morbus Perthes erkrankt sind, die Angst vor den Ärzten im weißen Kittel zu nehmen.“ Wolfgang Strömich sagt das.

Er weiß, wovon er spricht: Der heute 60-Jährige war in seiner Kindheit selbst an Morbus Perthes erkrankt. Eine Krankheit, die übrigens jeden 1250. Menschen im Kindesalter trifft. Der seit einem Jahr in Millich wohnende, in Haan bei Düsseldorf geborene Wolfgang Strömich hat es sich also zur Aufgabe gemacht, über diese Kinderkrankheit aufzuklären.

„Ich habe die DMPI, also die Deutsche Morbus Perthes Initiative, ins Leben gerufen, um die Krankheit bekannt zu machen“, sagt Strömich. Das scheint dringend nötig, denn wer kennt schon Morbus Perthes, wer weiß schon, was das ist: Morbus Perthes. Also: Was eigentlich ist das für eine Kinderkrankheit, die schon dem Namen nach ziemlich gefährlich klingt?

Ein griffiger Slogan

Wolfgang Strömich hat einen griffigen Slogan gefunden, einen Satz, der ziemlich alles bündelt, was diese Krankheit sichtbar macht: „Wenn Kinder hinken, stolpert das Leben.“ Denn wenn ein Kind in dem Alter, in dem die Wachstumshormone den Körper durchfluten, nicht mehr „rund“ geht, wenn es anfängt ein wenig zu hinken, dann liegt die Vermutung nahe, dass es an Morbus Perthes erkrankt ist.

„Der Hüftkopf wird dann nicht mehr so mit Blut versorgt, wie es eigentlich nötig ist, er wird nicht mit den für die wachsenden Knochen so wichtigen Nährstoffen und nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt“, erklärt Strömich. „Die Folge: Die anfallenden Endprodukte des regionalen Stoffwechsels sammeln sich zu hohen, schädlichen Mengen an und führen zu einem Absterben von einzelnen Knochenbereichen und des Knochenmarks.“ Sichtbares äußeres Zeichen dieses Prozesses ist das Hinken des Kindes.

Aber der menschliche Körper ist ja bekanntlich ein Wunderwerk: Wenn alles gutgeht, repariert er den Schaden von allein. Wolfgang Strömich erklärt das: „Der abgestorbene Knochen wird zunächst abgebaut und durch Bindegewebe ersetzt. Im späteren Verlauf bildet sich neuer, gesunder Knochen an den betroffenen Stellen. Im Idealfall kann mittels dieser körpereigenen Reparationsprozesse bei jungen Menschen eine vollständige Heilung erreicht werden.“ Klappt das nicht, hinkt das Kind. Dann muss dringend ein Arzt aufgesucht werden: Der Hüftkopf muss operativ gerichtet, die Statik des Körpers neu ausgerichtet werden.

„Das Problem ist, dass viele Kinderärzte die Krankheit gar nicht kennen“, sagt Strömich. Und genau da liegt für ihn der Ansatzpunkt für seine Initiative: „Wir machen regelmäßig Veranstaltungen mit Betroffenen und mit Fachleuten, mit Referaten und auch mit Unterhaltungselementen, um über die Krankheit und die durchaus erfolgreichen Heilungsmethoden zu informieren“, sagt er.

Der bundesweit tätige Selbsthilfeverband DPMI informiert über die Krankheit mit Broschüren sowie Gruppentreffen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit, um das Krankheitsbild bekannter zu machen. Es gibt darüber hinaus ein „Sorgentelefon für betroffene Eltern“ sowie im Internet eine Homepage mit einem Forum. Jährlich veranstaltet die DPMI ein Jahrestreffen, den örtlich wechselnden „Deutschen Morbus-Perthes-Tag“ in einer orthopädischen Klinik.

Das Tückische an Morbus Perthes ist, dass immer besonders bewegungsfreudige Kinder betroffen sind. Die werden durch die Krankheit stark eingeschränkt: Rund 30.000 Gehbewegungen macht ein gesundes Kind am Tag – ein an Morbus Perthes erkranktes Kind muss auf rund 1000 Gehbewegungen runtergetaktet werden. „Die Krankheit nimmt den Kindern viel von ihrer Kindheit“, sagt Strömich.

„Sie werden rasch sozial ausgegrenzt. Und sie werden schneller erwachsen.“ Wolfgang Strömich war als Kind selbst an Morbus Perthes erkrankt; er hatte Glück, dass ein Arzt bei ihm die Krankheit erkannte und die geeigneten Schritte zur Heilung einleitete. „Kinder, die die Krankheit haben, haben später starke Charaktere“, sagt er. Und spricht wahrscheinlich auch hier aus Erfahrung.

„Diese Krankheit ist sozusagen mein Hobby geworden“, sagt Strömich, der sein Geld im Übrigen als Fundraiser („Ich sammle Geld für Menschen und Institutionen, die Geld spenden wollen“) verdient – aber das nur nebenbei. „Meine ganze Freude liegt in dieser Sache. Und wenn ich sehe, wie die Kinder wieder gesund werden.“ Seit 16 Jahren nun schon setzt sich Strömich dafür ein, Eltern, aber auch Ärzte über die Kinderkrankheit zu informieren, Aufklärung voranzutreiben.

Kürzlich wurde er von einer großen Drogeriemarktkette für sein Engagement ausgezeichnet: Seine Initiative erhielt den mit 1000 Euro dotierten ersten Preis für den Kreis Heinsberg. Der Teddy ist inzwischen zu einem Jugendlichen herangewachsen: Wolfgang Strömich widmet sich seit mehr als 15 Jahren beharrlich der Aufgabe, das Leben am Stolpern zu hindern, wenn Kinder hinken. Und wenn der niedliche kleine Bär bei den Kindern im Krankenhaus auftaucht, sagt er noch immer: Hallo, ich bin Benni.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert