Belege des Widerstands gegen Hitler im Bergfried

Von: anna
Letzte Aktualisierung:
9854399.jpg
Bildtafeln, aber auch eine Grubenlampe zur Erinnerung an das 60-jährige Bestehen der KAB Wassenberg, gehören zur Ausstellung im Bergfried, die an den Widerstand gegen das Hitlerregim erinnert. Foto: anna

Wassenberg. Passend zur Ausstellung des Heimatvereins über die Zerstörung Wassenbergs im Zweiten Weltkrieg im Bergfried lädt die KAB Wassenberg jetzt hier eine Etage höher zu einer Ausstellung über den Widerstand aus den Reihen der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) gegen das Hitlerregime ein.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier führte Sepp Becker, zugleich Vorsitzender des Heimatvereins, in die neue Ausstellung ein.

Die KAB in Wassenberg werde in diesem Jahr 60 Jahre alt, die mit ihr fusionierte Myhler KAB sei sogar bereits 92 Jahr alt, verwies Becker zunächst auf zwei nicht direkt ins Bild passende Ausstellungsstücke. Eine Grubenlampe befindet sich zur Erinnerung an die Wassenberger KAB in der Präsentation. Ein Weberschiffchen steht für die Geschichte der Myhler KAB. „Durch die fremdenfeindlichen Vorkommnisse in unserer Stadt erhält diese Ausstellung einen besonders aktuellen Bezug. Wehret den Anfängen!“, erklärte Becker, bevor er kurz auf die Geschichte der KAB einging.

Bereits in der Frühzeit der Industrialisierung seien christlich-soziale Vereine oder sogenannte katholische Josefsvereine entstanden. In Wegberg habe es einen solchen Verein bereits 1887 gegeben. Der Volksverein mit Sitz in Mönchengladbach sei für die außerschulische Bildung und die Unterstützung der katholischen Verbände zuständig gewesen. Er sei deutschlandweit von großer Bedeutung gewesen. „Die KAB verstand sich als Teil der Arbeiterbewegung. Sie war Selbsthilfeorganisation und betrieb die Weiterbildung der Arbeiter.“

Während der Weimarer Republik sei die KAB sehr erfolgreich gewesen. Mehr als 40 Vereine mit knapp 2400 Mitgliedern hätten im Kreisgebiet existiert. Nach der Machtübernahme Hitlers habe sie dann einer Regierung gegenübergestanden, „deren politische Richtung sie strikt abgelehnt und bekämpft hatte“. Nach dem Konkordat mit dem Vatikan, das für die katholischen Verbände eine religiös-innerkirchliche Rolle vorgesehen habe, habe sich auch in der KAB die Erkenntnis durchgesetzt, „eine stillere, oppositionelle Position“ einnehmen zu müssen. „Die neuen Machthaber aber ließen keine Ruhe, sie wollten die katholischen Verbände vernichten“, so Becker. „Es gehörte schon Mut dazu, sich zur KAB in der damaligen Zeit zu bekennen.“ Mit der Verbandsleitung der KAB, mit Politikern des Zentrums und mit christlichen Gewerkschaftern sei jedoch der „Kölner Kreis“ entstanden, in dem es in Kooperation mit anderen Widerstandsgruppen wie dem „Kreisauer Kreis“ um die Gestaltung von Deutschland nach Hitler gegangen sei.

Fünf Persönlichkeiten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung mit zwölf großen Bildtafeln: Hans Adl-hoch, Gottfried Könzgen, Präses Dr. Otto Müller, Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß. Im Rahmen der Einführung von Becker lasen KAB-Mitglieder ihre Biographien vor oder zitierten aus ihren Abschiedsbriefen vor ihrer Hinrichtung. Nikolaus Groß schrieb für die Westdeutsche Arbeiter-Zeitung, die Verbandszeitung der KAB. Sie wurde 1933 zeitweise verboten und musste dann umbenannt werden in „Ketteler Wacht“. Aber auch sie wurde 1938 „endgültig ausgeschaltet“, so Becker. Der Original-Jahrgangsband 1933 der Westdeutschen Arbeiter-Zeitung und der Band 1938 der „Ketteler Wacht“ sind ebenfalls Teil der Ausstellung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert