Beim Schießen und beim Hexen ist das Glück gefragt

Von: anna
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Ein Spiel mit dem Titel „Männer“ ging beim Hexen in Effeld an Maja Bosshart, der ihre Pik-Dame Glück gebracht hatte. Lustig fand das auch Ingo Schmitz, zweiter Vorsitzender des SV Adler. Foto: Anna Petra Thomas
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Große Neujahrsbrezel, wie Yara Schippers eine präsentierte, gab es am Neujahrstag in Kempen für die „glücklichsten“ Schützen. Auch Helmut Sprengel versuchte sein Glück. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Vielfältig sind die Bräuche, mit denen die Menschen in der ganzen Welt das neue Jahr 2014 begrüßt haben. In der Region gehörten das Neujahrsschießen und das Neujahrshexen dazu.

Seit einem Vierteljahrhundert schon laden die Sportschützen Rur-Kempen am 1. Januar auf ihren Schießstand unter der Kempener Grundschule ein. Dort gilt es, mit dem Luftgewehr auf einer Entfernung von zehn Metern einen verschlossenen Briefumschlag zu treffen.

Darin befindet sich eine ebenso große Pappkarte, unterteilt in neun Felder. Jedes Feld trägt variabel eine Zahl zwischen 1 und 10. Hat der Schütze drei Treffer auf den Umschlag platziert, werden seine Punkte addiert. „Glücksschießen“ nennt das Erwin Schippers, der seit der Gründung im Jahr 1980 Vorsitzender des Vereins ist. Nicht Können ist also gefragt, sondern vielmehr das Glück, im Umschlag das Feld mit der höchsten Zahl am besten gleich dreimal zu treffen. Pro Durchgang messen sich 15 Teilnehmer. Für die Gewinner gibt es zum Beispiel einen Neujahrsbrezel oder eine Schinkenwurst.

Einer, der sein Glück versucht, ist Helmut Sprengel. Sein Hobby ist eigentlich eher das Bundesschützen-, Trommler-, Pfeifer- und Bläsercorps. Zweimal im Jahr kommt er aber auch auf den Schießstand, einmal im Oktober zum Turnier der Ortsvereine und eben am Neujahrstag. „Das ist hier ein Sammelpunkt“, schätzt er die Gelegenheit, gleich am ersten Tag des Jahres vielen Mitmenschen in seinem Dorf persönlich alles Gute für das neue Jahr wünschen zu können.

So ist denn auch die Altstadtstube des Landhauses Effeld schon am Vormittag gut gefüllt zum Neujahrshexen, einer schon lange gepflegten Tradition des Fußballclubs SV Adler Effeld. „40 Jahre bestimmt“, schätzen Heinz Schmitz und Hans-Josef Windeln, die beide Jahrzehnte im Vorstand aktiv waren und sich heute um die Kasse kümmern. Den Verkauf der Spielkarten fürs Hexen überlassen sie den neuen, jungen Leuten im Vorstand. 106 Karten hat ihr Spiel, mit je zwei gleichen Karten, einmal mit einem roten und einmal mit einem blauen Rücken.

Von den roten Karten werden fünf blind gezogen und unter fünf Preise gelegt. Die blauen werden anschließend für je einen Euro verkauft, nach­einander aufgerufen und eingesammelt, bis nur noch die fünf Karten für die fünf Preise übrigbleiben. Sechs Durchgänge gibt es beim „normalen“ Hexen. Die Preise reichen von der Bohrmaschine bis zum Glas eingelegter Rollmöpse. Die „Spezialität“ in Effeld: Wer einen Joker im Spiel als Niete hat, bekommt vom Wirt ein Bier.

Bei je zwei weiteren Durchgängen werden die Karten für den doppelten Preis verkauft oder in Paketen amerikanisch versteigert. Da gibt es dann auch noch größere Preise wie etwa einen ganzen Serranoschinken inklusive Bock und Messer. „Und früher gingen wir nach dem Hexen noch zum Fröschen“, erzählt Windeln schließlich von den Touren von Haus zu Haus, wobei jedes Mal mit Hochprozentigem auf das neue Jahr angestoßen wurde.

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