Beim Heimatverein ist es fünf vor Zwölf

Von: Rainer Herwartz
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Helmut Coenen ist Vorsitzender des Heimatvereins Heinsberger Lande. Foto: Herwartz
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Der Verein hat unter anderem dafür gesorgt, dass nach dem Bau der neuen Kirchturmspitze an St. Gangolf die alte neben der Kirche aufgestellt wird. Foto: Herwartz
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Auch am Erhalt von Lourdesgrotte und... Foto: Herwartz
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... Madonna war der Verein beteiligt. Foto: Herwartz

Heinsberg. Eher unscheinbar steht das Album ein wenig versteckt rechts in der Ecke seines Bücherregals. Doch was sich darin verbirgt, sind wahre Schätzchen der Heinsberger Geschichte: uralte Postkarten, die vor allem die bauliche Entwicklung der Stadt seit dem Jahr 1894 zeigen.

Da wird selbst derjenige von einer nostalgischen Stimmung erfasst, der gar kein waschechter Heinsberger ist, aber schon seit vielen Jahren hier seinen Lebensmittelpunkt hat. Helmut Coenen, seit mittlerweile 25 Jahren Vorsitzender des Heimatvereins der Heinsberger Lande, hängt mit Herzblut an seiner Stadt und ihrer Geschichte. Für den 76-Jährigen ist es daher beinahe undenkbar, dass die Tage des Vereins womöglich gezählt sind. Und das, obwohl er immer noch rund 500 Mitglieder hat. Schon gegen Ende dieses Jahres könnte auch das Ende des 92 Jahre alten Heimatvereins gekommen sein.

Im November 1925 gegründet

Im November des Jahres 1925 war der Verein mit dem damaligen Landrat als erstem Vorsitzenden ins Leben gerufen worden. „Ziele und Zwecke des Vereins sind die Heimatpflege, die Heimatkunde, die Erhaltung heimatlichen Kulturgutes und das Wandern zu fördern“ heißt es noch heute zu Beginn der Homepage, mit der sich der Verein mittlerweile zeitgemäß präsentiert. Im Laufe der Jahre war der Heimatverein stets verbunden mit dem früheren Heimatmuseum, dem heutigen Begas Haus. Am 9. Februar 1933 war Josef Spehl in einer Generalversammlung zum ersten Vorsitzenden gewählt worden. Er war zugleich Mitbegründer des Heimatvereins und erster Leiter des Heimatmuseums in Heinsberg.

Über diesem hat Helmut Coe-nen übrigens 38 Jahre lang gewohnt, bevor er vor sieben Jahren wegen des Umbaus des historischen Gemäuers in eine neue Wohnung an der Valkenburger Straße ziehen musste. „Ich war 34 Jahre auch Kassierer des Museumsvereins“, beschreibt er seine Verbundenheit mit dem Museum.

40 Jahre sei es nun schon her, dass er in den Heimatverein eingetreten sei. „Damals war der Verein ruhend, weil er keinen Vorsitzenden hatte“, erinnert sich der ehemalige Postler. „Ich habe mich immer für Geschichte interessiert, hauptsächlich natürlich für die Heinsberger.“ Das sei schon als Pfadfinder so gewesen.

Immer wieder setzte sich der Verein im Laufe der Jahre für den Erhalt Heinsberger Kulturgüter ein. Bei der Kapelle in Laffeld wurde zum Beispiel die Restaurierung der Figurengruppe die Heilige Dreifaltigkeit vom Verein beschlossen und der Auftrag an den Künstler Heinz Nießen übertragen. Der Bodenbelag wurde ehrenamtlich erneuert. An der Lourdesgrotte auf dem Kirchberg ließ der Verein das Gitter restaurieren und beteiligte sich an der Restaurierung der Figuren. Ähnliches geschah beim Gitter an der Madonnenstatue des Heinsberger Bildhauers Heinrich Koulen gegenüber der Propstei. Auch an den Kosten der Restaurierung der Madonnenstatue beteiligte sich der Heimatverein.

„Unser Verein stiftete zudem etliche Ruhebänke. Diese wurden an mehreren Stellen im Stadtgebiet aufgestellt und zehn an Kindergärten überreicht“, erzählt Coenen. An den noch vorhandenen Grabsteinen des Jüdischen Friedhofes übernahm der Heimatverein die Reinigung der Grabsteine und die Ausbesserung der Inschriften. Erst vor kurzem übernahm der Heimatverein die Kosten der Renovierung der Maria-Magdalena-Statue. Sie stammt aus dem im Krieg zerstörten Marien-Altar an Sankt Gangolf, wo sie wieder im Seitenschiff ihren Platz finde, sagt Coenen.

Neben derlei Engagement zum Wohle der Stadt Heinsberg und ihrer Geschichte hat der Heimatverein sich längst einen Namen gemacht als Organisator von Wanderungen und kultur-historisch spannenden Reisen weit über die Region hinaus. Allein sieben Mal sei er mit stets etwa 50 Mitgliedern in Prag gewesen, dreimal in Budapest und dreimal in Wien, erklärt Coenen. Hinzu kämen unzählige Drei-Tage- und Wochenreisen quer durch Deutschland. Jedes Jahr fänden diese statt und seien bei den Mitgliedern heiß begehrt.

Vollgepackt mit Informationen

„Ich erstelle das Programm und organisiere dann die Fahrt mit einem Busunternehmer zusammen.“ Die letzte Fahrt ging nach Mecklenburg-Vorpommern. Eine durchaus anspruchsvolle Fahrt sei dies gewesen, vollgepackt mit historischen Informationen.

Das all dies dem Vorstandsteam viele Stunden des Engagements abverlangt, wundert da nicht. Nicht nur für den Kassenwart und die Wanderwarte sei das Ende der Fahnenstange erreicht.

Zur letzten Jahreshauptversammlung vor wenigen Tagen seien rund 70 Mitglieder gekommen, sagt Coenen. „Die Bereitschaft mitzuarbeiten, ist aber gleich Null. Ratschläge bekommt man ja immer, aber wenn es darum geht, selbst etwas in die Hand zu nehmen, ist niemand mehr da. Zumindest die Anmeldungen für die Fahrten müsste mal jemand ande-res übernehmen. Wenn sich niemand meldet, machen wir im Spätherbst eine außerordentliche Jahresversammlung, bei der der Vorstand zurücktreten wird. Ich befürchte, dass das faktisch das Aus des Vereins bedeutet.“

Die Zeit läuft ab. Für den Heimatverein der Heinsberger Lande steht die Uhr auf fünf vor Zwölf.

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