Wegberg-Beeck - Beim Flachstag Tradition erlebbar gemacht

Beim Flachstag Tradition erlebbar gemacht

Von: Monika Baltes
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Links der kleine Flachs, rechts das zwei Wochen später ausgesäte Paradebeispiel. Da schauen (v.l.) Klara Schloemer, Heins Schloemer und Jürgen Kraemer (alle Heimatverein Wegberg-Beeck) ganz genau hin. Fotos (2): Monika Baltes Foto: Monika Baltes
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Flachsdiplom: Jonas hat es geschafft.
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Nadelbinden mit: ganz rechts Birgit Menzel. Foto: Baltes

Wegberg-Beeck. Es wäre ein Hungerjahr in Beeck geworden, dieses Jahr 2016, wenn die Beecker immer noch vom hiesigen Flachsanbau leben müssten. Denn die Ernte war schlecht. Zwei kleine, extra angelegte Felder im Garten des Flachsmuseums führen den Beweis. Der Flachs, der traditionsgemäß am 100. Tag des Jahres ausgesät wurde, ist mickrig und klein geblieben, die Ölfrucht von minderwertiger Qualität.

Dagegen sieht das Feld vom 114. Tag des Jahres aus wie dem Lehrbuch für Flachsanbau entsprungen. „Das Wetter“, seufzt Heinz Schloemer vom Heimatverein Wegberg-Beeck. Bei der ersten Aussaat war es zu lange trocken, der Samen keimte nicht richtig. Das zweite Feld war 14 Tage später eigentlich dazu angelegt worden, um interessierten Besuchern möglichst lange die himmelblaue Flachsblüte, das blaue Wunder, präsentieren zu können – und gedieh prächtig.

Diplom in der Tasche

Rechtzeitig zum Flachstag, zu dem das Beecker Flachsmuseum eingeladen hatte, überbrachten die beiden Felder eine Botschaft aus alter Zeit: Natur und Arbeit in einer dörflichen Gemeinde waren eng verwoben, schlechte Ernte – schlechtes Jahr. Auch am Flachstag wucherte das Museum mit dem Pfund, mit dem es immer wuchert: mit der erlebbaren Tradition, weg vom Schauen, hin zum Tun. Denn die liebevoll zusammengetragenen alten Arbeitsgeräte stehen hier nicht nur zum Bewundern. Sie werden benutzt, und drinnen im Gebäude schnurrt schon das erste Spinnrad.

Ein Besucher übt sich in der Kunst des Flachsspinnens. Auf die Spuren alter Handwerkskunst führt auch Birgit Menzel mit der „Daumenfesselmethode“. Was sich anhört wie ein mittelalterliches Foltersystem, ist Teil des Nadelbindens, eine fast in Vergessenheit geratene Technik zur Herstellung von Maschenware, die in nahezu allen Kulturen der Welt verbreitet war. Der älteste Fund einer Nadelbindearbeit stammt aus der Jungsteinzeit.

Die Mützen, Taschen, Behältnisse sehen auf den ersten Blick aus wie gestrickt oder gehäkelt, sind aber mit einer völlig anderen Technik entstanden, die Birgit Menzel gerne dem staunenden Publikum erklärt. Im Gegensatz zum Stricken und Häkeln wird nicht mit einem scheinbar endlosen Arbeitsfaden, sondern immer mit einem ein bis zwei Meter langen Faden gearbeitet, der mit einer Nadel durch rückwärtige Schlingen geführt wird.

Die ersten Kuchenfreunde haben im Museum eine zweite Tasse Kaffee geordert, als es zur ersten Verleihung des Flachsdiploms an diesem Tage kommt. Jonas greift zum Stift und schreibt stolz seinen Namen auf die Urkunde, für die er so hart gearbeitet hat. Brechen, schwingen, hecheln, weben – für die Auszeichnung hat er den Weg des Flachses von der Pflanze bis zum Webrahmen begleitet. Den Webrahmen hat der Fünfjährige eilig zur Seite geschoben, denn jetzt braucht er Platz, um seinen Namen fein säuberlich auf das Diplom zu schreiben. „Das mach ich selber!“, hat er die Hilfe seiner Mutter abgelehnt. Und dann hat er es endlich schriftlich: „Jonas hat mit Erfolg an der Flachsverarbeitung teilgenommen und die Bedingungen für das Flachsdiplom erfüllt.“

Auf einer hellgrünen Urkunde mit einer himmelblauen Flachsblüte.

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