Beim Filmfestival Vorurteile abbauen

Von: Helmut Wichlatz
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Eindrucksvoll: Die jungen Immigranten bei der Diskussion mit dem Publikum. Foto: Helmut Wichlatz

Hückelhoven. Das Thema „Flucht“ stand auch bei den 44. belgisch-niederländisch-deutschen Hückelhovener Filmtagen auf der Agenda. „Krieg, Terror und Unterdrückung am eigenen Leib zu erfahren, können sich die wenigsten von uns vorstellen“, erklärte die Organisatorin Gisela Münzenberg-Wiers.

„Die Filme sollen helfen, uns die Beweggründe und Geschichten von Flüchtlingen näher zu bringen.“ So hofften die Festival-Macher, zum Abbau von Vorurteilen und Ängsten gegenüber Flüchtlingen beizutragen.

Das dienstälteste Jugendfilmfestival Europas bot Jugendlichen aus den drei angrenzenden Ländern Belgien, Niederlande und Deutschland ein Wochenende lang Gelegenheit zum Austausch über junge Filme aus den Ländern. Diese wurden in der Muttersprache und mit Untertiteln präsentiert. Den Startschuss für die Filmtage gab traditionell ein Kinderfilm. Diesmal stand die deutsche Produktion „Quatsch und die Nasenbärbande“ auf dem Programm. Auch wenn man nicht zu dem Festival angemeldet war, konnte man die dort gezeigten Filme kostenlos anschauen. Denn Gäste sind immer herzlich willkommen, wie Münzenberg-Wiers immer wieder betont.

Der belgische Film „Illegal“ von Olivier Masset-Depasse aus dem Jahr 2010 behandelt das Schicksal einer illegalen Immigrantin aus Russland, die in Belgien gegen ihre Abschiebung kämpft. In beeindruckenden Bildern wird die rasant inszenierte Geschichte erzählt, die das Publikum zum Nachdenken brachte.

Beim Kurzfilm „Fremde Heimat“, der am Sonntagvormittag zu sehen war, waren vor allem Jugendliche aus dem Kreis Heinsberg involviert. Der 36-minütige Film entstand 2010 unter der Regie von Deniz Sözbir und ist das Resultat eines Schülerprojekts des Geilenkirchener Berufskollegs. Er beschreibt am Beispiel des 23-jährigen Metin (Burak Yigit), der von Deutschland aus in die Türkei abgeschoben wird, die Probleme eines Lebens zwischen den Kulturen.

Zum Konzept der Filmtage gehört auch, dass sich Filmemacher und Schauspieler den Fragen des Publikums stellen. Ein besonderes Projekt hatten die Filmemacher Miriam Pucitta und Michael Chauvistré im Gepäck, als sie am Samstag antraten. Gemeinsam mit unbegleiteten jungen Flüchtlingen, die nach ihrer Flucht in Aachen eine neue Heimat gefunden haben, drehten sie drei Kurzfilme.

Die Filme „Eine Banane für Mathe“ und „Fremde Heimat“ präsentierten sie dem Publikum. Darin kommen die Jugendlichen selbst zu Wort und berichten über die Erlebnisse ihrer Flucht, aber auch über die Annäherung an die neue Heimat. In einer Diskussionsrunde stellten sie sich den Fragen der Zuschauer. Dabei erzählten sie auch von ihrem persönlichen Schicksal.

Der 18-jährige Ibrahim aus Guinea war fünf Jahre lang unterwegs, bis er endlich in Aachen ankam. Neben ihm saß Tanzid aus Bangladesch, der nur wenige Tage brauchte, um die Strecke zu schaffen. So unterschiedlich ihre Wege auch waren, hatten sie doch ein gemeinsames Ziel: In Deutschland ein neues Leben beginnen und dazugehören.

„Ich arbeite und zahle Steuern“, erklärte der 19-jährige Youssef, der eine Ausbildungsstelle gefunden hat. Die Stimmung und die Ängste im Lande bekämen sie auch zu spüren, erklärten sie. Das sei auch eine Motivation gewesen, bei dem Filmprojekt mitzuwirken. „Wir wollen die Menschen vertraut machen mit denen, die gekommen sind“, erklärte Julio aus Kamerun.

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