Heinsberg - Bei Motoren Ritterbecks drehen sich nicht nur Zahnräder

Bei Motoren Ritterbecks drehen sich nicht nur Zahnräder

Von: Rainer Herwartz
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Dieter Ritterbecks gewährt hier einen Blick in das Herz eines Borgward-Rennwagens, der zu Prüfstandsarbeiten in der Werkstatt steht. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Einen passenderen Ort für seine Werkstätten könnte Dieter Ritterbecks sich wohl kaum aussuchen. Die Rudolf-Diesel-Straße in Heinsberg, die an den genialen Ingenieur und Erfinder des Dieselmotors erinnert, scheint wie gemacht für ein Unternehmen, dessen Wirkungsfeld weit über das einer üblichen Kfz-Werkstatt hinausreicht.

Bei Motoren Ritterbecks drehen sich nicht nur Zahnräder oder Kurbelwellen, hier dreht sich alles um das Automobil – und mit Vorliebe um historische Exemplare. Mit dem vergleichsweise simplen Austausch industriell gefertigter Module im Falle eines Unfallschadens oder Defektes, wie dies bei modernen Fahrzeugen heutzutage Gang und Gäbe ist, hat dies rein gar nichts gemein. Denn in den Werkstätten von Dieter Ritterbecks sind jede Menge Intuition und Fantasie gefragt, weshalb die Firma ihre Mitarbeiter am liebsten selbst ausbildet. „Alte Fahrzeuge zu restaurieren ist eine Leidenschaft von mir“, gesteht der Meister.

„Die Firma Motoren Ritterbecks wurde im Jahr 1978 als traditioneller Handwerksbetrieb für Motoreninstandsetzung gegründet“, erzählt Ritterbecks, der auch Betriebswirt des Handwerks ist. „Vater hatte eine Chemielehre bei Glanzstoff angefangen, die er aber durch den Krieg unterbrechen musste. Sie konnte nachher nicht mehr fortgesetzt werden, weil die Chemiesparte nach dem Krieg zunächst einmal zu den durch die Alliierten verbotenen gehörte.“

Der Vater entschied sich für eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Die erste Firma „Franz Ritterbecks u. Sohn“ wurde schon in den 50er Jahren gegründet. Später dann rief der Sohn, also Dieter Ritterbecks‘ Vater, in den 70er Jahren ein Autohaus ins Leben, das in das heutige Unternehmen münden sollte. „Es gab einen fließenden Übergang zur Motoreninstandsetzung“, sagt der 51-jährige „Junior“.

Seit 27 Jahren befindet sich das Unternehmen in der Kreisstadt und seit 2011 gilt es offiziell als Fachbetrieb für Historische Fahrzeuge. Um dieses Prädikat zu erhalten, muss ein Kfz-Betrieb eine Menge an Erfahrungen bei der Instandsetzung historischer Fahrzeuge vorweisen, einen bestimmten, damit erwirtschafteten Umsatz belegen und vor allem eine Werkstattausstattung besitzen, die weit über das normale Maß hinaus geht.

Über 1000 Oldtimer und alte Motoren haben Ritterbecks und sein zwölfköpfiges Team im Technikbereich schon wieder auf die Straße gebracht. „Mit unserem großen Maschinenpark können wir alle handwerklichen Arbeiten wie zum Beispiel Drehen, Schleifen, Bohren, Honen, Wuchten, Fräsen und Härten selbst ausführen“, erläutert Ritterbecks. Dabei sei das oberste Ziel, nach Möglichkeit den Originalzustand eines Oldtimers wieder herzustellen.

„Es gibt Autos, die sind technisch hochinteressant wie zum Beispiel ein Porsche Speedster mit Fuhrmann-Motor oder der Horch, der gerade in unserer Werkstatt saniert wird.“ Der geradezu monströse Reihenachtzylinder mit Königswellenantrieb aus der Vorkriegszeit lässt so manchen Kenner mit der Zunge schnalzen. „Bei anderen Fahrzeugen dominiert das Design wie zum Beispiel beim BMW 502 V8 Cabrio, das im Volksmund Barockengel genannt wird.“

„Wir hatten unseren ersten Oldtimer vor rund 30 Jahren“, erinnert sich Ehefrau Elke, die die Liebe ihres Mannes zu alten Blechschätzchen teilt. „Als ich 18 Jahre alt war, hat mein Mann von seinem Großonkel aus Frankfurt einen Opel P2 von 1962 gekauft, für 1000 Mark.“ Nicht von ungefähr entschied er sich damals für ein Modell aus dem Jahr 1962. Es war sein Geburtsjahrgang. „Die Fahrzeuge, die einen wirklich interessieren und die einem am Herzen liegen, sind meist die, mit denen man aufgewachsen ist“, meint Dieter Ritterbecks.

Geduld ist gefragt

Obwohl so mancher Oldie, der von den kundigen Monteuren im Unternehmen wiederbelebt wurde, in früherer Zeit durchaus die Rennpisten unsicher machte, bedeutet Oldtimerliebe irgendwie auch Entschleunigung. Denn die Liebhaber alter Autos brauchen bisweilen durchaus eine Menge Geduld, bis ihr metallener Augenstern wieder im Glanz erstrahlt. „Wir bauen gerade an einem Delage-Motor, ein französischer Reihenachtzylinder aus der Vorkriegszeit“, sagt Elke Ritterbecks. „An dem arbeiten wir schon seit zwei Jahren. Und es wird auch noch einige Zeit dauern.“ Leider gebe es zu diesen Motoren heute weder Ersatzteile noch Literatur. Da sei jede Menge Intuition gefragt.

Die Kunden schreckt dies jedoch nicht ab. Sie kommen aus ganz Deutschland und auch aus den Nachbarländern, weil sie auf die Heinsberger Handwerkskunst vertrauen. „Die Kundenpalette reicht von der Werkstatt, die bestimmte Arbeiten selbst nicht ausführen kann, über den gut betuchten Oldtimereigner bis hin zu dem 20-Jährigen, der sich – wie wir damals – seinen ersten Oldtimer gekauft hat.“

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