Bei Familie Popolski ist am Ende doch alles eh‘ nur Polka

Von: Helmut Wichlatz
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Hückelhoven. Die Aula des Gymnasium verwandelte sich in die Polka-Hochburg am Niederrhein. Denn auf dem Programm standen die Götter dieser sträflich unterschätzten Musikgattung: „Der Familie Popolski“ mit ihrem neuen Programm, das natürlich „Get the Polka started“ heißt. Schon das erste Stück, mit dem die zehnköpfige Kunstfamilie das Publikum begeisterte, klang wie der Höhepunkt am Ende eines rauschenden Konzerts.

Von da an ging es Schlag auf Schlag, wobei Familienoberhaupt Pavel Popolski (Achim Hagemann) das Publikum in das sehr eigene und wahnwitzige Polka-Universum der besonderen Art entführte. Seine Kommentare und Ansagen in sehr speziellem Polski-Deutsch trugen einerseits dazu bei zu verstehen, was da auf der Bühne passierte, andererseits waren sie schon ein Programm für sich. So stellte er die Bläsersektion, bestehend aus Henjek und Stenjek Popolski, als „der Gepfeife“ vor, während „der Scheiße-Bass“ vom jüngsten Bruder Janusz gezupft wurde, dem noch Schwieriges bevorstand: die offizielle Polka-Prüfung. Ohne dieses TÜV-Zertifikat für Polka-Musiker darf man nämlich sonst nicht mitmachen bei dem Wahnsinn, den die Popolskis regelmäßig auf den Bühnen aufführen.

Auch sonst ließ Pavel keine Gelegenheit aus, um seine Familie einzeln oder kollektiv in die Pfanne zu hauen. Sehr zur Freude des Publikums, das schon nach wenigen Minuten zu wahren Polka-Fans konvertiert war.

Am Anfang stand aber zuerst einmal ein Ausflug in die Familiengeschichte. Denn Pjotrek Popolski, der von Beruf Kirchenkantor war, erfand vor rund 100 nach dem Konsum von reichlich Wodka die vier Akkorde, die heute rund 90 Prozent aller internationalen Hits zugrunde liegen. Und wie das Leben so spielt, wurde er um seinen Ruhm betrogen und endete in „schlieme Geheule und mit kaputtes Herz“. Doch nun sind ja seine Enkel angetreten, um die Familienehre reinzuwaschen und die Welt zum Polka-Sound zu bekehren.

Auf die Bühne projeziert

Das Konzert wurde von Bruder Bogdan mit „echtes polnisches Satellitenkamera von Sonynski“ aufgezeichnet und auf die Leinwand am Kopfende der Bühne projiziert, leider nur in schwarzweiß, woran aber zwei amerikanische Steckdosen in der Aula schuld waren, wie Pavel wortreich und grammatikfrei erklärte.

Die Popolskis beweisen, dass man von Michael Jackson bis AC/DC und Howard Carpendale alles als Polka widergeben kann. Auch „Der Lied von der Scheiße-Schlumpfe“ hat Vadder Abraham bei den Popolskis ebenso geklaut wie Tony Marschall sein „Ein bisschen Spaß muss sein“, das in Wirklichkeit das traurigste fröhliche Lied der Welt ist, wenn man es auf dem Akkordeon und einen Takt langsamer vorträgt. Der Behauptung folgte jeweils auf stehendem Fuße natürlich gleich das „Original“. Und das macht auch noch Spaß.

Fürs Auge gab es in „der chonste Polka-Festzelt von Chuckelchuven“ neben den Tanzeinlagen der männlichen Popolskis auch etwas zu sehen, nämlich Dorota Popolski, die fleischgewordene Versuchung in Rot. Ihre Polka-Version von Madonnas „Material Girl“ übertraf das Original ebenso wie ihr „I wanna dance with somebody“, das sich zum Glück doch weit genug von Whitney Houstons Original entfernte, um mal so richtig gut zu sein. Dem Publikum blieb kaum eine Verschnaufpause, denn irgendein Popolski führte immer einen waghalsigen Stunt oder bizarren Tanz auf, während alles im stampfenden Polka-Rhythmus versank. Das Publikum wurde stark gefordert, zum Beispiel bei dem Versuch, zu den schnellsten Polka-Klängen zu schunkeln, ohne sich dabei diverse Körperglieder auszurenken.

Und so ging das stundenlang weiter. Schöner und sinnfreier kann man einen Abend nicht verbringen. Wer jetzt glaubt, dass in diesem Text das Wort „Polka“ zu oft auftaucht, dem sei mit Pavels Worten „Was soll der Scheiße-Denken übahaupt“ geantwortet – am Ende ist doch eh alles nur Polka!

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