Bei den „Toten Augen von London“ stets das Amüsement im Blick

Von: hl
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Erkelenz. „Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu werden“, so hieß es in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts im Vorspann zu den Edgar-Wallace-Filmen – und dann floss Blut die Leinwand herunter. Man durfte gespannt sein, ob solch martialische Hinweise auch auf das Bühnenstück „Die toten Augen von London“ in der Stadthalle zutrafen.

Die Kultur GmbH hatte die Landesbühne Rheinland-Pfalz im Schlosstheater Neuwied eingeladen, die mit dieser Aufführung vielleicht auch ein wenig Abwechslung bringen sollte in das allgegenwärtige Gedudel um kommende Kinderlein und klingende Glöckchen in der Vorweihnachtszeit. Nach dem gleichnamigen Roman von Edgar Wallace hatten Florian Battermann und Jan Bodinus ein Kriminalstück verfasst, das sich doch von der ursprünglichen Vorlage in mancherlei Hinsicht unterschied.

Verworren und ungereimt

Zwar war das Handlungsgerüst unverändert: Im nebeligen London werden andauernd Leichen aus der Themse gezogen, worum es dabei geht beziehungsweise wer die Toten sind, wird erst allmählich klar, wobei Zwischendurch-Geschichten und Ausflüge in die Vergangenheit einmal die Spannung erhöhen, zum anderen bis zum Schluss auf die Lösung der vielen Rätsel, und wie sie zusammenhängen, warten lassen.

Dass es dabei manchmal etwas verworren und ungereimt zugeht, tut dem Amüsement im Ganzen kaum Abbruch. Denn das machte den Reiz des Stückes im Unterschied zur nur kriminalistischen Vorlage aus, dass nämlich der Humor nicht zu kurz kam und dass die eine oder andere Situation sogar ins Makabre abglitt, wenn es zum Beispiel bei einem Mord viel Beifall des amüsierten Publikums gab.

Dass die beiden Oberschurken, der zwielichtige Rechtsanwalt Judd (Karl-Heinz Dickmann) und der sich mit „heiligem Getue“ hervortuende Reverend Dearborn (Heiko Heinert), beide übrigens auch noch Brüder, zum Schluss dann doch noch entlarvt wurden und das Ganze ein Happy End nahm, sorgte für zusätzliches Vergnügen.

Für das Happy End waren zuständig der Inspektor Larry Holt (Martin Semmelrogge) und seine Assistentin Diana Ward (Anna Bergmann). Letztere, adrett und niedlich anzuschauen, half mit weiblicher Intuition bei der Aufklärung und entpuppte sich auch noch als Millionenerbin, hinter deren Geld die Schurken her waren.

Komödiantische Einlagen

Sicher war es auch Martin Semmelrogge, der durch seinen unkonventionellen Lebensstil bekannte Schauspieler, der für eine „volle Bude“ gesorgt hatte. Mit einer gewissen Nonchalance und Schnodderigkeit korrigierte er sein Image als Bösewicht und handelte sich als kluger Inspektor viel Sympathie ein. Und er sorgte auch für manche komödiantischen Einlagen.

Bemerkenswert war das Bühnenbild (Inszenierung und Ausstattung Jan Bodinus und Christian Baumgärtel): Ein Dutzend Mal wurde es umgebaut und entsprach dann auf einfallsreiche Weise den jeweiligen Orten der Handlung – bis zum Friedhof; wo es allerdings verständlicherweise weniger um Handlung ging als um einen Ausflug in die Vergangenheit.

Viel Beifall am Ende für ein spielfreudiges Ensemble. Und mehrere Male mussten alle an die Rampe.

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