Heinsberg-Unterbruch - Bei Angela Fette werden vermeintliche Plattheiten plötzlich zur Poesie

Bei Angela Fette werden vermeintliche Plattheiten plötzlich zur Poesie

Von: defi
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Heinsberg-Unterbruch. Angela Fette ist eine der Künstlerinnen, denen man auf den Leim gegangen ist, noch bevor das Urteil über ihre Kunst in trockenen Tüchern ist. Im Kunstverein Region Heinsberg zeigt die Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf im Kunstverein Region Heinsberg ihre Bilder, drei Schallplatten und einen Helm für Außerirdische.

Die Bilder kommen ganz unbefangen daher. Sehen ein wenig aus wie Kinderzeichnungen. Unten im Kunstverein hängt ein recht großes. Das Bild heißt Nachtschach. Zu sehen ist ein Schachbrettmuster in gelb gehalten. Die gelben Quadrate sind auf der einen Seite mit schwarzen Quadraten kombiniert und auf der anderen Bildhälfte mit grauen. Das sieht nicht wirklich spannend aus, ist wohl auch nicht so gemeint.

Ingrid Trantenroth-Scholz, Kuratorin des Kunstvereins, verwies in ihrer Einführungsrede zur Vernissage auf die Veränderungen, die das Gelb im Kontrast zu den schwarzen und grauen Nachbarfeldern erfahre, forderte auf, die Farben auf sich wirken zu lassen.

Ein weiteres Bild zeigt eine Frau, eine Farbige. Das dunkel gehaltene Bild wird von einer gelben Linie dominiert, die schlingt sich um den Hals der Frau, das andere Ende hält die Farbige selber in der Hand. Da gebe es Deutungsansätze, der schwarze Kontinent als Wiege der Menschheit, man möge doch selber mal nachdenken.

Wer dazu nun keine Lust hatte, ging gar nicht mal so fehl. Der Ausstellungstitel „Des Platitudes“ wäre im Fall von Angela Fette ein Hinweis, der die Denkweise der Künstlerin vielleicht schneller erschlossen hätte. Doch, wer kümmert sich schon um Ausstellungstitel.

Ähnlichkeit zu kindlicher Bastelei

Also irrt man weiter durch die Schau und entdeckt im oberen Stockwerk das Bild „Der Pubel“. Immerhin stolze 3500 Euro wären fällig, wollte man das Werk sein eigen nennen. „Der Pubel“ setze sich zusammen aus Putin und Rubel, hatte Trantenroth-Scholz der Künstlerin entlockt. Die eine Hälfte des Bildes zeigt ein Rubelzeichen (ein P mit Extrastrich unterm Bogen) und auf der anderen Bildhälfte des Diptychons ein Ohr.

Man schlendert weiter durch die Ausstellung ohne große Erwartungen und schaut auf ein paar Zeichnungen, die so nonchalant daherkommen, als wäre der Zeichner noch nicht allzu lange dem Kindergarten entschlüpft. Man vermutet die Himmelskuppel und sieht etwas wie einen Planeten im All.

An kindliche Bastelei erinnert auch der Alienskullhelmet. Pappe in schwarz und weiß und ein wenig Kleber, fertig ist die perfekte Ausstattung eines Reisenden aus fernen Galaxien.

In jeder Ausstellung gibt es einen Punkt, wo der Betrachter bei seiner Meinung bleibt oder umkippt. Bei Angela Fette kommt dieser Punkt am Ausgang. Dort liegen zwei Schallplatten, die eine sogar eine Doppel-LP. Zu lesen gibt es nichts auf dem Cover, außer auf dem Coverrücken: Weisser Westen.

Die Rückseite dieser LP schmückt ein Foto. Da ziehen Angela Fette und ihr Partner zwei Lautsprecherboxen übers Pflaster und schauen dabei in den Himmel, ob sie wohl jemand da oben hört. Da kippt dann plötzlich, das was man für Plattheiten hielt in Poesie. Das kommt selten vor, aber wenn es passiert, dann ist es schon ziemlich große Kunst.

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