Heinsberg - Bedürfnis nach Anerkennung verbindet alle

Bedürfnis nach Anerkennung verbindet alle

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
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Im Gespräch mit unserem Redaktionsleiter Rainer Herwartz verkörperte Katja Kraus die überaus sympathische Seite der Macht.
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Für die Protagonisten ihres Buches hegt Katja Kraus beinahe fürsorgliche Gefühle. Sie wolle über sie erzählen, sie aber auf keinen Fall verraten, meinte sie.

Heinsberg. Ein Mensch, der Macht hat, ist meist sehr steil nach oben gestiegen. Geht seine Macht verloren, gibt es keinen Abstieg, sondern nur den rasanten Fall und den harten Aufprall wieder ganz unten. Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Katja Kraus hat genau das erlebt, nach acht Jahren im Vorstand des Hamburger SV.

„Ich mochte dieses Leben“, beginnt sie ihr Buch „Macht. Geschichten von Erfolg und Scheitern“, das sie gleich nach dem Ende ihrer Zeit beim HSV geschrieben hat.

Mit Rainer Herwartz, Leiter der Lokalredaktion von Heinsberger Zeitung und Heinsberger Nachrichten, sprach sie in der Reihe „Auf ein Wort mit . . .“ in der Buchhandlung Gollenstede über sich, aber auch über viele andere „Machtmenschen“, mit denen sie gesprochen hat und die sie in ihrem Buch porträtiert.

Dazu gehören bekannte Namen wie Hartmut Mehdorn, Ole von Beust, Ron Sommer, Andrea Ypsilanti, Roland Koch, Sven Hannawald oder Gesine Schwan.

Der Begriff an sich rufe sehr negative Assoziationen hervor. „Macht für sich zu reklamieren, ist ein vergifteter Orden“, sagte Kraus. „Macht ist etwas, das sich nicht anfühlt. Macht gilt der Funktion, nicht dem Menschen.“

Die Menschen in ihrem Buch hätten ganz unterschiedliche Antriebsfaktoren auf ihrem Weg nach oben gehabt, viele eine besondere Begabung, alle das Bedürfnis nach Anerkennung. Und alle seien bereit gewesen, dafür einen hohen Preis zu zahlen, durch geschundene Körper oder den Verzicht auf Privatleben.

Und nach der Macht? Da hat Kraus bei den Protagonisten ihres Buches drei unterschiedliche Szenarien beobachtet: den Kampfgeist des einen und die Agonie des anderen, dazwischen denjenigen, der die Realitäten ganz einfach ignoriert hat. Die meisten der von ihr porträtierten Menschen hätten ihren Fahrer vermisst, erzählte sie. „Ich hatte nie einen. Ich fahre gerne Fahrrad.“

Ja sie erzählte – viel, nicht ohne Punkt und Komma, aber sehr direkt und damit eindrucksvoll, ohne „Ähs“ und Umschweife ihre eigene Geschichte und die der anderen Menschen in ihrem Buch. Auch ihre Emotionen nach ihrem Machtverlust räumte sie ein. Darüber hinweg half ihr das Buchprojekt.

„Wenn ich mir heute noch etwas übelnehme, dann ist es, Erfolge nicht ausreichend gefeiert zu haben“, blickte sie zurück auf die Hektik ihres Jobs beim HSV. „Das ist ein ganz spezielles Geschäft, nur vergleichbar mit der Politik, und mit der nur in Krisenzeiten.“ Sie selbst habe sich darin regelrecht getrieben gefühlt. „Ich hatte keine Zeit mehr, mich mal neben mich zu stellen.“

Kritik übte sie an der Stigmatisierung von Ex-Macht-Menschen, deren Karrieren immer nur vom Ende her beurteilt würden. Was ein solcher Mensch in seinem Leben insgesamt geleistet habe, zähle dann nicht mehr. Dabei seien gerade Menschen, die Niederlagen erfahren hätten und mit diesen umzugehen wüssten, zu neuen Führungsaufgaben befähigt.

Nicht minder kritisch sah sie aber auch den von ihr beobachteten Umgang mit Macht. Entscheidungen würden da oft nach Vermittelbarkeit getroffen und nicht nach inhaltlichen Überzeugungen. Äußerlichkeiten seien wichtiger als Substanz.

Sie selbst fühle sich heute „ganz hervorragend“, so Kraus im Gespräch. „Ich bin ganz glücklich, diesen Schubs bekommen zu haben, um mich selbst ganz anders entdecken zu können.“ Es gebe für sie gerade nichts Schöneres, als mit ihrem Buch durch die Gegend zu reisen und über die Protagonisten darin zu erzählen. „Sie sind doch Stellvertreter für uns alle.“ Und sie wolle auf jeden Fall ein zweites Buch schreiben. Über den Inhalt verriet sie aber noch nichts.

Rainer Herwartz bescheinigte sie nach einer Gesprächsrunde mit dem Publikum, ganz vorne gelegen zu haben „bei den schönsten aller Schlussworte“. Zitiert hatte er den Musiker Jimi Hendrix: „Wenn die Macht der Liebe über die Liebe zur Macht siegt, wird die Welt Frieden finden.“

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