Bedenkliche Entwicklung bereitet Sorgen

Von: Hans Latour
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Eindringlich: Auf der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus sprachen auch die Schüler Pia Glitza und Tim Angelike im Atrium des Hückelhovener Gymnasiums. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Sicher lag es auch am Datum: 70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee nahmen am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Gymnasium Hückelhoven überraschend viele Bürgerinnen und Bürger teil. Rund 100 Zuhörer erlebten eine eindrucksvolle Veranstaltung, die von überwiegend jungen Menschen gestaltet wurde.

In seiner Begrüßung erinnerte Bürgermeister Bernd Jansen an die Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. „Diese erfüllt uns bis heute mit Trauer, Entsetzen und Scham.“ Jansen wies aber auch auf bedenkliche Entwicklungen hin, die trotz stabiler Demokratie und eines funktionierenden Rechtsstaates angesichts der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen alte Vorurteile gegen Fremde wieder aufkochen ließen.

Der Antisemitismus von Neonazis und Islamisten breche immer wieder durch. Und jeder Angriff auf Minderheiten richte sich letztlich gegen uns. Deshalb sei es unser aller Aufgabe, den Anfängen zu wehren. „Denn wir wollen in einer Stadt, in einem Land leben, das allen Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft oder ihrer Konfession, Freiheit und Sicherheit garantiert.“

Und nach einem Dank an die Schülerinnen und Schüler, die bei dieser Gedenkveranstaltung mitwirkten, sagte der Bürgermeister: „Der heutige Gedenktag lässt nur einen Schluss zu: Nie wieder darf es geschehen, dass Menschen anderen Menschen das Recht auf Leben streitig machen.“

Hans-Jürgen Knubben von Pax Christi wies darauf hin, dass in Hückelhoven dieser Gedenktag seit 1997 begangen werde, und er begrüßte besonders die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die ihre Wurzeln in anderen Ländern hätten, sowie die Frauen und Männer muslimischen Glaubens, die das Leben in der Stadt reicher machten.

Da laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung 81 Prozent der Deutschen die Geschichte der Judenverfolgung hinter sich lassen und 58 Prozent einen endgültigen Schlussstrich unter das Kapitel Nationalsozialismus ziehen wollen, sei die Erinnerung an die Opfer besonders wichtig. Knubben wünschte sich, dass möglichst bald in Hückelhoven gemeinsam ein deutliches Zeichen gegen Pegida gesetzt würde.

Persönliche Eindrücke

Schüler der Hauptschule und des Gymnasiums lasen aus Tagebüchern von ehemaligen Gefangenen aus Auschwitz, berichteten von einem Besuch im Camp Vughs bei s’Hertogenbosch und gaben ihre ganz persönlichen Eindrücke wieder, die sie nach einem Besuch im ehemaligen KZ Ausschwitz empfunden hatten.

Und diese Zeugnisse der jungen Leute verband Knubben mit einem Wort des Friedensnobelpreisträgers und Überlebenden von Ausschwitz und Buchenwald Elie Wiesel: „Jeder, der heute einem Zeugen zuhört (und Knubben ergänzte: Jeder, der heute die Orte des Schreckens und der Vernichtung besucht), der wird selbst ein Zeuge sein.“

Als Schlussgedanken las Pfarrerin Susanne Bronner das Gedicht des israelischen Dichters Da Paga, das mit Bleistift geschrieben in einem verplombten Wagen stand: „hier in diesem Transport / bin ich Eva / mit Abel meinem Sohn / wenn ihr meinen großen Sohn seht / Kain Adams Sohn / sagt ihm dass ich“.

Mit drei geistlichen Liedern gab der Chor 77 Raum für Besinnung.

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