Baux-Chronik: Ein Stück Erkelenzer Stadtgeschichte

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
12364416.jpg
300 Seiten starke Baux-Chronik übersetzt: Willi Wortmann und Günther Merkens (links, rechts) vom Heimatverein mit dem Übersetzer Professor Hiram Kümper (Mitte). Foto: Wichlatz

Erkelenz. Professor Hiram Kümper übersetzt die 300 Seiten umfassende Baux-Chronik. Sie ist der einzige Beleg für die Gründung und vorab zu bestellen.

„Mit der Baux-Chronik lagerte Jahrhunderte lang ein Juwel im Erkelenzer Stadtarchiv“, ist sich der Vorsitzende des Heimatvereins, Günther Merkens, sicher. Im Herbst wird der Heimatverein das Buch in übersetzter und kommentierter Form Pünktlich zur Feier des 1050. Stadtgeburtstages herausbringen. Die im 16. Jahrhundert begonnene Chronik trägt den Namen des Chronisten und zeitweiligen Bürgermeister von Erkelenz, Mathias Baux. Mit ihm und seinem Werk hat sich Professor Hiram Kümper von der Uni Mannheim in den vergangenen beiden Jahren beschäftigt und das knapp 300 Seiten umfassende Werk neu übersetzt und kommentiert.

Von 1541 bis 1568 führte der geborene Mennekrather Baux die Chronik. Nach seinem Tod wurden noch bis ins 17. Jahrhundert hinein Beiträge getätigt, bevor das Werk im Archiv verschwand. Zum Glück, denn so blieb es in seinem damaligen Zustand erhalten.

Besondere Bedeutung

Zwar habe es schon früher Versuche gegeben, die Chronik zumindest in Teilen in die heutige Sprache zu übersetzen, erläuterte Merkens bei der Präsentation des fast abgeschlossenen Projektes im Rathaus. Die Versuche seien aber alle mehr oder weniger gescheitert. Das mag an der eigenwilligen Schriftsprache liegen, der sich Baux bedient hat. „Teilweise fällt Baux mitten im Satz vom Erkelenzer Dialekt ins Lateinische“, erklärte Kümper. Hinzu komme, dass der besagte Erkelenzer Dialekt zu dieser Zeit ebenso vom Kölnischen wie vom Niederländischen beeinflusst war. „Vergleichbare Dialekte oder Schreibweisen gibt es nicht“, ist sich der Sprachwissenschaftler und Historiker sicher. Seine Aufgabe der Übersetzung machte dieser Umstand aber sicher nicht einfacher.

Für Erkelenz ist die Chronik von besonderer Bedeutung, weil sie als einziger Beleg für die Verleihung der Stadtrechte durch den Herzog von Jülich im Jahre 1326 herhalten kann. Weder im Jülicher Archiv noch in anderen Archiven ist der Vorgang dokumentiert. In der rund 200 Jahre späteren Chronik des Mathias Baux sind dem Thema gerade einmal vier Zeilen gewidmet.

Über die Stadtgrenzen hinaus kann die Chronik aber auch an Bedeutung gewinnen, erklärte Kümper. Sie stelle eine bislang noch nicht ausgewertete Quelle für Erforschung der geldrischen Landesgeschichte dar. Bislang war erst einer der bisherigen Forscher auf dieses Thema eingegangen. Allerdings berge gerade dieser Teil einige Fehler, betonte der Erkelenzer Grafiker Willi Wortmann, der die gestalterische Umsetzung des Projektes betreut. So seien viele der Wappen, die Baux in seiner Chronik gesammelt hat, eher seiner Fantasie als der Realität entsprungen. Auch seine chronologische Darstellung des landesgeschichtlichen Teils sei fehlerhaft. Trotzdem eigne sie sich für die Erforschung, da auch diese Fehler Einblicke gewährten in die zugrunde liegen Denkmuster.

Worüber berichtet Baux? Da sind alltägliche Aufzeichnungen über das Leben in Erkelenz ebenso wie Berichte von Dürreperioden und Erdbeben. Über den Autor ist bis auf einige Eckdaten wenig bekannt. Allerdings soll er als junger Mann in Köln studiert haben, bevor er nach Erkelenz zurückkehrte und die Stelle eines „Secretarius“ annahm. Zeitweise hatte er wohl auch die Stelle des Bürgermeisters inne, betonte Kümper.

Pünktlich zur 1050-Jahrfeier

Ihm scheint der fantasiebegabte Erkelenzer schon ein wenig ans Herz gewachsen zu sein. Denn nach der Beendigung des Chronik-Projektes will er sich anderen interessanten Dokumenten aus der Zeit widmen: Rechnungen. „Sie geben sehr genau Auskunft über das Leben in der Zeit“, erklärte er. „Wenn es ums Geld ging, waren die Leute zu allen Zeiten sehr genau und haben Dinge schriftlich festgehalten, die heute durchaus von Bedeutung sein können.“

Voraussichtlich wird die zweibändige Übersetzung der Chronik pünktlich zur Feier des 1050. Geburtstages der Stadt im September fertig sein. Die Kosten des Projektes belaufen sich auf rund 40 000 Euro. Diese werden zur Hälfte von Sponsoren aus Erkelenz gestemmt. Die Uni Mannheim hat ebenfalls 8000 Euro zugeschossen, um das Projekt zu realisieren. Zur Schließung der letzten Lücke von rund 10 000 Euro soll das Buch schon vor seinem Erscheinen vergünstigt verkauft werden. Anstelle des Preises von 25 Euro bekommen Interessenten ihre Reservierung schon im Vorfeld für 20 Euro. Dieser „Frühbucherrabatt“ gilt für Bestellungen bis zum ersten September.

Großen Beifall findet die Arbeit des Heimatvereins und des Mannheimer Wissenschaftlers natürlich bei der Stadt. Bürgermeister Peter Jansen betonte, dass mit dieser unverfälschten Aufarbeitung der Chronik ein „Stück Stadtgeschichte für die Nachwelt erhalten“ bleibe. Dies sei im Sinne des Verfassers Mathias Baux, der seinerseits die mündlichen Überlieferungen seiner Heimat so gut wie möglich festgehalten und aufgezeichnet habe. Anhand der Chronik zeige sich, dass Erkelenz „ein historisch gewachsene Stadt“ sei.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert