Baumkataster: Jeder Baum bekommt Gesundheitszeugnis

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
11592282.jpg
Vor Ort werden die Details jedes Baumes in einen Tablet-PC eingefügt. Jan Thomaßen misst den Umfang des Stammes, den Bernhard Heuter direkt in einem Tablet-PC erfasst. Foto: Anna Petra Thomas
11592290.jpg
Jeder Baum erhält im GIS sein eigenes Symbol. Unterschieden wird nach der Art des Baumes und nach seiner Größe.

Heinsberg. Jede Kommune muss ein sogenanntes Liegenschaftskataster haben, das umfassend Auskunft gibt über die einzelnen Grundstücke, hier Flurstücke genannt, über die Gebäude oder Straßen in ihrem Gebiet. Was jedoch weniger bekannt ist: Für die Organisation der Baumkontrolle und der erforderlichen Pflegemaßnahmen bedient sich die Stadt oder Gemeinde jetzt eines sogenannten Baumkatasters, auch die Stadt Heinsberg.

Bernhard Heuter, Leiter des Heinsberger Bauhofs, sieht darin zwei große Vorteile. „Zum einen hat man eine Übersicht über alle Baumarten im Stadtgebiet Heinsberg und die Pflegemaßnahmen können besser geplant werden“, erklärt er. „Bei der Planung und der Durchführung von Baumaßnahmen ist es genauso wichtig, den vorhandenen Baumbestand sowie die Lage von Ver- und Entsorgungsleitungen wie Wasserleitung, Kanal, Strom oder Telekommunikation, vor Ort zu kennen.“

All diese Daten fließen in Heinsberg in ein sogenanntes Geoinformationssystem, kurz GIS genannt, ein. Im GIS der Stadt Heinsberg sind das Liegenschafts- und Kanalkataster sowie Luftbildaufnahmen bereits hinterlegt. Dieses Systems bedient sich Bauhof-Mitarbeiter Jan Thomaßen, der für die Bäume im Stadtgebiet zuständig ist. Er erfasst damit die Daten der vorhandenen Bäume, teilweise im Büro oder mit Hilfe eines Tablet-PCs direkt vor Ort.

6500 Bäume dokumentiert

Seit 2011 befindet sich das Baumkataster der Stadt Heinsberg im Aufbau. Rund 6500 städtische Bäume hat Thomaßen bisher dokumentiert. Ihre Gesamtzahl schätzt er auf rund 40.000. Erfasst werden die Bäume im GIS zunächst anhand der hinterlegten Luftaufnahmen. Später vor Ort werden dann die Details des jeweiligen Baumes dokumentiert: Baumart, Alter, Größe, Kronenbreite, Stammdurchmesser. Über das im Tablet-PC enthaltene GPS-Ortungssystem kann der Standort des Baumes vor Ort ganz genau ermittelt werden.

Jeder Baum erhält eine passende Grafik. Schließlich wird seine Vitalität erfasst, dass heißt, jeder Baum bekommt sein eigenes Gesundheitszeugnis. Mithilfe dieser Bewertung können weitere notwendige Maßnahmen geplant werden. Die vor Ort im Tablet-PC erfassten Daten synchronisiert Thomaßen später im Büro über eine Schnittstelle mit dem vorhandenen GIS. Für die Zukunft ist angedacht, die Daten direkt vor Ort online zu übertragen.

Jeder Baum erhält im GIS sein eigenes Symbol. Unterschieden wird nach der Art des Baumes und nach seiner Größe. Je nach Stammumfang und Größe des Baumes variiert dann auch die Grafik. Hinzu kommt noch eine farbliche Unterscheidung. So wird ein gesunder Baum zum Beispiel hellgrün dargestellt.

Ist die Farbe gelbgrün, deutet dies auf einen leicht geschädigten Baum hin. Wird die Farbe irgendwann rosa, dunkelrosa oder sogar schon rot, bedeutet dies für das Bauhof-Team, dass dieser Baum krank ist, gut beobachtet und eventuell auch entfernt werden muss.

Muss ein Baum gefällt werden, bleibt er als weißer Eintrag im neuen Baumkataster zurück. Bei einer Neupflanzung am gleichen Standort wird eine neue Grafik über die vorhandene gelegt. So können auch später noch Daten über den geschädigten und entfernten Baum abgerufen werden.

Als Beispiel für eine notwendige Fällung zeigt Thomaßen in seinem PC die Karte des Heinsberger Marktplatzes. Alle Laubbaumsymbole sind grün, bis auf die drei oben rechts, unmittelbar vor der Post. Diese sind jetzt weiß, weil sie entfernt wurden.

„Das war notwendig für einen zweiten Rettungsweg für die Feuerwehr mit der Drehleiter“, erklärt er. Und doch tut‘s den beiden weh. „Man bemüht sich halt, jeden Baum im Stadtgebiet Heinsberg zu erhalten. Und eine Stadt ohne Grün ist eine Stadt ohne Leben!“ sagt Heuter. „… oder eine ohne Jahreszeiten“, ergänzt Thomaßen.

In der Vergangenheit seien teilweise Bäume an Standorten gepflanzt worden, die ungeeignet gewesen seien, räumt Heuter ein. Diese hätten sich mittlerweile zu „Problembäumen“ entwickelt. Folge sei, dass der Baum erkranke und langfristig nicht erhalten werden könne.

„Ein Baum braucht seinen Lebens- und Entwicklungsraum“, betont Heuter. Deshalb wird bei Neupflanzungen heute großer Wert auf eine geeignete Verbindung von Standort und Baumart gelegt, „so dass die Bäume sich langfristig gut entwickeln und auch in Zukunft Sauerstoff für Mensch und Tier spenden können“.

Dem Eindruck, dass immer mehr Grün aus dem Stadtgebiet verschwinde, widerspricht Heuter. Es würden kontinuierlich neue Anpflanzungen vorgenommen, betont er. So werden zum Beispiel im Zuge von Baummaßnahmen und Erschließungen immer wieder neue Pflanzungen angelegt.

Warum das Grün aber nach und nach aus den Pflanzbeeten in der Innenstadt verschwindet und durch Steinfüllungen ersetzt wird, kann er auch erklären. „Weil der vorhandene Kirschlorbeer auch trotz regelmäßiger Nachpflanzung immer wieder durch parkende Fahrzeuge beschädigt wurde.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert