Erkelenz - Bau der Möhnen: Eine Erkelenzer Tradition auf der Kippe

Bau der Möhnen: Eine Erkelenzer Tradition auf der Kippe

Von: Helmut Wichlatz
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Die letzte komplett von Schülern gebaute Möhne: Sie soll der Baugruppe als Vorlage für neue karnevalistische Figuren dienen. Das unterstützt auch Bürgermeister Peter Jansen (2.v.l.). Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz. Die Möhnen gehören zum Erkelenzer Karneval wie Altweiber und der Rosenmontagszug. Und das seit bald 90 Jahren. 1976 organisierten die „Möhneväter“ Eugen Luther und Heinz Goertz den Bau der ersten Möhnen, wie man sie heute in der fünften Jahreszeit ab Anfang Januar in den Bäumen, auf Balkonen und sonst wo im Erkelenzer Straßenbild zu sehen bekommt.

Eine amtliche Möhne besteht aus einem Torso aus Kaninchendraht und ist bekleidet mit bunten Mülltüten und einer Gesichtsmaske. Die Bildhauerin Ursula Klügel setzte der Tradition der Möhnen 1981 mit ihrer Statue der „Tanzenden Möhn“, die heute in der Fußgängerzone steht, ein Denkmal. Auch im aktiven Karneval hielten die Möhnen wieder Einzug, nachdem sich die Möhneleut vor zehn Jahren als Gruppe in der EKG gründete und sich aktiv in den Karneval einmischte.

Nun werden die Möhnen schon arg beansprucht, wenn sie in der ebenso ungemütlich kalten wie närrischen Jahreszeit bei Wind und Wetter in den Bäumen sitzen. Daher betrage die durchschnittliche Lebensdauer einer Möhne rund zwei Jahre oder Sessionen, wie man als versierter Karnevalist sagt. Bürgermeister Peter Jansen und die Möhneleut wollen diese Tradition gerne erhalten. Dabei stand sie auf der Kippe. Sonderschulleiterin Liselotte Jopen von den Möhneleut spricht gar vom „Möhnetod im Abfallcontainer“ und einem damit verbundenen Aussterben der närrischen Figuren, wenn kein Nachschub mehr da ist.

Bislang hatten Schüler der Pestalozzischule in einer Schülerfirma nach dem „Originalrezept“ jedes Jahr die benötigten Möhnen hergestellt. Doch dann wurden sie Opfer der Inklusion und der Fusion von Förderschule und Gemeinschaftshauptschule. Denn dort sei kein Platz für die Schülerfirma. Um drohende Engpässe zu verhindern, haben nun die Möhneleut mit der Produktion der benötigten Nachschub-Möhnen begonnen.

Und der ist enorm. Rund 70 Vorbestellungen gehen jedes Jahr vor Beginn der Session ein, davon allein rund 30 von der Stadt. Bis aus Draht und Mülltüten eine Möhne wird, vergehen bis zu fünf Stunden. Der Endpreis ab 30 Euro für eine normale Möhne decke gerade einmal die Materialkosten, betonte Uschi Skibba von den Möhneleut. Sonderanfertigungen wie eine Borussia-Möhne oder eine männliche Möhne kosten natürlich extra.

Mittlerweile trifft sich die Möhnebaugruppe mittwochs ab 19 Uhr in den ehemaligen Räumen der Schülerfirma in der Pestalozzischule. Dabei können sie noch auf die Mitarbeit der Schüler setzen. Die liefern nämlich von der Peter-Jordan-Schule aus die benötigten Drahtkörper. Als Symbol für den Neuanfang überreichte Jopen den Möhneleut im Rahmen des Pressegesprächs auch die letzte von Schülerhand gefertigte Möhne, damit sie wissen, wie die Puppen auszusehen haben.

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