Bankraubserie geklärt: Täter sitzt in U-Haft

Von: Rainer Herwartz
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Endlich Ruhe: Nachdem die Raif
Endlich Ruhe: Nachdem die Raiffeisenbank-Geschäftsstelle in Selfkant Tüddern mehrfach durch Bruno W. heimgesucht wurde, herrscht nun bei der Belegschaft Erleichterung. Foto: Georg Schmitz

Kreis Heinsberg. Manchmal ergibt sich die Wandlung von einem unbeschriebenen Blatt hin zu einem dicken Fisch schneller als erwartet. Bei Bruno W. aus Würselen ist das gewiss der Fall.

Als bei ihm am Donnerstagabend, gegen 18.30 Uhr, in einem Würselener Möbeldiscounter die Handschellen klickten, verhafteten die Spezialeinsatzkräfte niemand Geringeren als den Mehrfachbankräuber, der schon seit Monaten die Polizei im Kreis Heinsberg in Atem hält.

Erst am Donnerstagvormittag, um 9 Uhr, hatte er zum wiederholten Male die Filiale der Raiffeisenbank in Selfkant-Tüddern überfallen. Die Ermittlungen nach dem im belgischen Maaseik lebenden Mann gestalteten sich nicht zuletzt so langwierig, weil er vor seinen illegalen „Bankbesuchen” nie polizeilich in Erscheinung getreten war, wie Hauptkommissar Wilfried Peters von der Kreispolizeibehörde bestätigt.

Schon nach seinem Überfall auf die Raiffeisenbank-Filiale in Gangelt-Birgden am 25. August war Bruno W. durch die Spurenlage als Täter identifiziert worden. Doch obwohl die Behörden nur einen Tag später gegen ihn einen europäischen Haftbefehl erwirkten, konnte er zunächst nicht festgenommen werden. „Man wusste, wer er war und wo er wohnt, aber er befand sich auf Reisen”, erläutert Peters das Problem.

Die Bankraubserie begann am 19. August 2010 mit einem Überfall auf die Zweigstelle der Kreissparkasse in Tüddern. Eben diese Bank wurde dann wiederum am 28. März dieses Jahres überfallen. Weitere Überfälle oder Versuche ereigneten sich am 29. März auf die Zweigstelle der Raiffeisenbank Heinsberg in Tüddern, am 13. A-pril auf die gleiche Zweigstelle, am 18. April auf die Raiffeisenbank-Zweigstelle in Gangelt sowie am 25. August auf die Raiffeisenbank-Zweigstelle in Gangelt-Birgden.

Bei den mit Donnerstag sechs vollendeten und einem versuchten Banküberfall, die Bruno W. bei seiner Vernehmung im Kriminalkommissariat 21 der Polizei Heinsberg bereits zugab, hatte sich schnell ein Tatmuster herauskristallisiert. Der Täter legte stets einen handgeschriebenen Zettel vor, in dem er drohte, dass er im Besitz einer Waffe sei und eine Zeitbombe bei sich trage. In zwei Fällen legte er sogar von ihm gebastelte Bombenattrappen vor, die er am Tatort zurückließ. Bei dem Überfall vom 29. März auf die Raiba-Filiale in Tüddern löste ein so genannter Security-Pack aus, der das Gesamte Beutegeld einfärbte und unbrauchbar machte. Daraufhin entsorge Bruno W. das Geld kurzerhand in der Maas.

Letztlich wurde dem arbeitslosen 45-Jährigen sein luxuriöser Lebenswandel zum Verhängnis. Selbigen versuchte er nämlich durch die Banküberfälle zu finanzieren. Unter anderem reiste er in die Karibik, leistete sich ein Audi-Cabrio und kaufte sich diverse Luxusartikel. Als er schließlich am Donnerstagabend, nur wenige Stunden nach seiner letzten Tat, bei dem Discounter in Würselen aus der Beute eine Anzahlung auf eine bestellte Nobelküche leisten wollte, war es um ihn geschehen.

Wie genau die Polizei allerdings seinen Standort ausfindig gemacht hatte, darüber hüllt sie sich in Schweigen. Schließlich wolle man die Karten für andere Kriminelle ja nicht offen auf den Tisch legen, meint Peters. Dass der 45-jährige keinesfalls harmlos war, ergab auch die Durchsuchung seiner Wohnung durch belgische Polizeibeamte. Hier wurde unter anderem die Schusswaffe gefunden, die er bei allen Taten verwendet hatte.

Nicht nur bei den Ermittlungsbehörden herrscht daher Erleichterung. „Alle sind sehr froh und hoffen, dass in den Berufsalltag jetzt wieder Normalität einziehen kann”, erklärt Roland Meintz als Pressesprecher der Raiffeisenbank, der Bank, die am meisten unter Bruno W. hatte leiden müssen. „Es wäre doch ein mulmiges Gefühl, ihn noch weiter auf freiem Fuß zu wissen. Die Mitarbeiter konnten ja damit rechnen, vielleicht das nächste Opfer eines Überfalls zu werden.” Der Vorstand habe sich bei den betroffenen Mitarbeitern für das umsichtige Verhalten während der Überfälle bedankt und sie ausdrücklich gelobt.

Es habe sich wieder einmal gezeigt, so Meintz, dass sich Banküberfälle am Ende nicht lohnten, da die Aufklärungsquote sehr hoch sei. „Außerdem werden in den Geschäftsstellen keine hohen Bargeldbeträge mehr gehortet, weil diese in unregelmäßigen Abständen abgeholt werden.”
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