Bahntrasse: Bürgerinitiative will neue Impulse geben

Von: Helmut Wichlatz
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Werden hier noch einmal Züge rollen? Die Natur holt sich jedenfalls die Bahntrasse auch nahe der Jülicher- und Roermonder Straße Stück für Stück zurück. Foto: Stefan Klassen

Hückelhoven. Büsche und Sträucher wuchern von beiden Seiten, zwischen den Schottersteinen sprießen Grashalme und kleine Bäumchen, Müll liegt überall herum. Das war zu Zeiten der Zeche Sophia-Jacoba anders.

Güterzüge mit Waggons voller Steinkohle rollten über die – längst demontierten – Schienen, sie brachten das Schwarze Gold ins Land und den Wohlstand in die Stadt. Ob auf der ehemaligen Bahntrasse in Hückelhoven irgendwann noch einmal eine Bahn fahren wird, ist völlig unklar. Sicher ist: Die Bürgerinitiative IG Ratheimer Bahn lässt nicht locker. Sie fordert von der Politik, Alternativen für den Bau einer Umgehungsstraße zu berücksichtigen, um die Bahntrasse nicht zu gefährden.

Der Bau- und Umweltausschuss hatte nun den jüngsten Antrag der Initiative auf der Tagesordnung, beschäftigte sich aber nicht mit Details. Eine Beantwortung des Antrags sei „entbehrlich“, begründete die Stadtverwaltung, da sich seit der letzten Beschäftigung mit dem Thema im Juli 2013 „keine neuen Gesichtspunkte und Ergebnisse“ ergeben hätten. Erwartungsgemäß sprach sich der Ausschuss ohne Diskussion bei zwei Gegenstimmen gegen eine Beschäftigung mit dem Antrag aus und empfahl dem Rat, es ebenso zu handhaben.

Immerhin hatte Antragsteller Michael Bienick bei der Sitzung im Rathaus Gelegenheit, die Position der Bürgerinitiative zu erläutern. Ziel der IG sei es, das Potenzial der Bahnstrecke zu nutzen. Dabei sei man sich der „Flächennutzungskonkurrenz“ für die stillgelegte Trasse durchaus bewusst. Denn: Über die Trasse soll auch – wenn die Stadt mit ihrer Klage gegen das Eisenbahn-Bundesamt Erfolg hätte – die Ortsumgehung L117n verlaufen, die zu einer Verkehrsentlastung in Ratheim und Millich führen soll. Auch für dieses Ziel gibt es eine Bürgerinitiative, die sich im Herbst gegründet hatte.

Dieses Vorgehen der Stadt Hückelhoven birgt nach Ansicht der Bahnbefürworter ein Konfliktpotenzial, das aufgelöst werden müsse. Ziel sei es, eine „eisenbahnrechtlich gewidmete“ Bahnstrecke von Baal nach Ratheim zu erhalten. Man identifiziere sich aber auch „ohne Vorbehalt“ mit der notwendigen Entlastung der Ortsdurchfahrten Ratheim und Millich, hieß es in dem Antrag. Beide Maßnahmen seien möglich, die Entlastung der Ortsdurchfahrt sogar „kurz- bis mittelfristig“. Dafür müssten nur vorhandene Straßenpotenziale genutzt werden. Auch die Initiative „L117n sofort“ hatte eine solche Lösung unter Einbeziehung der vorhandenen Straßen ins Spiel gebracht.

In dem Antrag beziehen sich die Bahnbefürworter auch auf einen einstimmigen Ratsbeschluss vom 24. April 2013 über eine schnellstmögliche Reaktivierung der Bahnstrecke Baal-Ratheim. Indes: Nach Meinung der Stadt gibt es derzeit keine Alternative zur Klage gegen den Bund wegen der Nutzung der Trasse. Doch sowohl die Bürgerinitiative als auch die Fraktion der Linken sehen durch den Rechtsstreit die Realisierung einer Ortsumgehung gefährdet.

Michael Bienick betont, dass seiner Bürgerinitiative sowohl die Realisierung der Bahnlinie als auch der L 117n wichtig ist und verweist auf das Konzept der „Nordosttangente“. Dieses hatte man erarbeiten lassen und der Stadt vorgestellt, um „den Konflikt zu entzerren und nicht weiter gegeneinander zu arbeiten“. Nun sei es an der Zeit, dass sich die Stadt auch mit dieser Alternativvariante zur Trasse entlang der Bahnstrecke beschäftige.

So fordert die Bürgerinitiative einen Kostenvergleich der „Nordosttangente“ mit der bisherigen Planung im Rahmen der L 117n. Angesichts der knapper werdenden öffentlichen Mittel auch im Bereich Bau und Straßen sei durch die klagebedingte Verzögerung die Realisierung der Umgehung an sich gefährdet. Die Reaktivierung der Bahnstrecke Ratheim-Baal würde von der Nordosttangente wiederum nicht beeinträchtigt, argumentiert Bienick.

Die Kosten analysieren

Um das Thema weiterhin in Bewegung zu halten und auch die ebenso notwendige Umgehung zu realisieren, müsse nach Ansicht der Initiative zuerst einmal die Klage vor dem Verwaltungsgericht in Aachen zurückgezogen und eine Kostenanalyse der Optionen gemacht werden.

Bienick zeigt sich nach der Fachausschusssitzung enttäuscht: „Der Rat hat eine Chance verpasst, sich mit dem erklärten Willen der Bürger zu beschäftigen und vielleicht neue Impulse in der Sache zu erhalten.“ Die Bürgerinitiative sei aber auch so weiterhin gesprächsbereit.

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