Hückelhoven-Baal - „Baal hat Mutbürger statt Wutbürger“

„Baal hat Mutbürger statt Wutbürger“

Von: kalauz
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Die „Baaler Bürgerinitiative Anbindung Industriegebiet“ macht auf ihr Anliegen seit einigen Tagen mit etwa 40 Plakaten am Rande der B57 in Baal aufmerksam. Foto: kalauz

Hückelhoven-Baal. Endlich, endlich rückt die Ortsumgehung Ratheim, die auch den Anwohnern der Bundesstraße 117 Entlastung vom Verkehr und dem Lärm bringt, in greifbare Nähe. Das ist nicht zuletzt auch ein Erfolg der Bürgerinitiative, die sich lange für diese Umgehung eingesetzt hat – wie NRW-Verkehrsminister Michael Groschek bei seinem Besuch in Hückelhoven vor wenigen Wochen eingeräumt hat.

Der zeigte sich nämlich vom bürgerschaftlichen Engagement stark beeindruckt: „Statt Wutbürger, die gegen den Bau von Straßen sind, gibt es hier Mutbürger, die sich für die Umgehung einsetzen.“

Dem Beispiel der Ratheimer Mutbürger wollen jetzt Anwohner der B57 in Baal folgen: Dort hat sich eine „Baaler Bürgerinitiative Anbindung Industriegebiet“ gebildet, die den Schwerlastverkehr, der tags und auch nachts von der Autobahnabfahrt in Erkelenz Richtung QVC und Hermes rollt, von der Bundesstraße weg auf einer Umgehung ins Industriegebiet nach Baal lenken will.

„Der Verkehr, der hier von morgens 4 Uhr über die B57 rollt, ist so immens geworden, dass man keine Ruhe mehr findet“, sagt Ulrike Oltmanns. Sie wohnt an der B57 in Baal direkt vor der Bahnüberführung und ist eine der Initiatoren der Bürgerinitiative. „Im Augenblick sind es etwa 70 Baaler Bürger, alle Anwohner der Bundesstraße, die bei uns mitmachen“, sagt Oltmanns.

Seit einigen Tagen hängen an der Mauer vor der Unterführung und an weiteren Stellen an der Bundesstraße Richtung Erkelenz Plakate. „Baaler Bürger-initiative Anbindung Industriegebiet“ und „Wir fordern Verkehrsberuhigung – Jetzt!“ ist darauf zu lesen. Die Initiative ist noch jung, Minister Groschek würde sie noch als „Wutbürger“ bezeichnen.

Der Ruf nach einer Anbindung des Industriegebietes Baal an die Autobahn 46 unter Vermeidung der Ortsdurchfahrt Baal steht so lange im Raum, wie es den Shopping-Fernsehsender QVC mit seinem Distributionscenter in Baal gibt: Seit fast 13 Jahren also.

Damals waren die Verantwortlichen im Hückelhovener Rathaus nach der Schließung der Zeche und dem Platzen der Träume einer Innenstadt als Outlet-Center so begeistert von sich und ihrem Coup, einen Investor an Land gezogen zu haben, der mehr als 200 Millionen Euro in den neuen Standort zu investieren bereit war, dass man sich über die damit verbundene verkehrliche Belastung keine Gedanken machte.

Ein Fehler, wie man relativ schnell einräumte. Und man begann, sich Gedanken zu machen, wie man eine Ortsumgehung für Baal trotz miserabler Platzierungen im Bundeswegenetzplan trotzdem hinkriegen könnte. Es waren ebenso pfiffige, letztendlich aber nicht durchsetzbare, wie auch ziemlich hirnrissige Ideen, bei denen ganze Häuserzeilen abgerissen worden wären, dabei.

Das Bundesverkehrsministerium will in diesem Jahr den neuen Bundesverkehrswegeplan vorlegen. Die Ortsumgehung Baal, B57, wird darin unter der laufenden Nummer 1329 als „zweistreifiger Neubau“ gelistet. Das Projekt rangiert also nicht nur ziemlich unter „ferner liefen“ – es muss überdies erst noch „untersucht“ werden. Ohne das Etikett „Pessimist“ aufgedrückt zu bekommen, muss man sagen: Das dauert...

Mitglieder suchen das Gespräch

„Wir wollen ja gar keine komplette Ortsumgehung, wir wollen nur die Anbindung des Industriegebietes. Wir wollen nur den Schwerlastverkehr raus haben aus dem Ort“, sagt Ulrike Oltmanns. Dafür, das haben sich die Mitglieder der „Baaler Bürgerinitiative Anbindung Industriegebiet“ vorgenommen, wollen sie kämpfen. Und weiter das Gespräch bei den Verantwortlichen im Rathaus in Hückelhoven suchen. Dort hat man – wie schon in der Vergangenheit – durchaus Verständnis für das Anliegen der Baaler Bürger.

Bürgermeister Bernd Jansen unterstreicht in Gesprächen mit den Ministerien immer wieder den Handlungsbedarf für den Bau der B57n. Aber: Die B57 ist eine „Bundes“-Straße – zuständig ist letztendlich Berlin. Und zwischen der Hauptstadt und Baal liegen Welten...

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