Autor Mario Giordano: Das Krimischreiben ist wie Mathematik

Von: Anna Petra Thomas
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Erfolgsautor Ralf Giordano und seine „Tante Poldi“ waren in der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede zu Gast. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Eins vorweg: Eine Tante Poldi, wie sie Mario Giordano in seinem neuen, gerade erschienen Buch „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ beschreibt, gibt es in seinem Leben wirklich. Auch das verriet der Autor den Zuhörern, die zur Lesung in die Heinsberger Buchhandlung Gollenstede gekommen waren.

Ein Krimi, wie es sein Vatikan-Thriller „Apocalypsis“ oder seine Tatort-Drehbücher sind, ist das Werk über Tante Poldi ebenso, aber wie sich schon in den ersten vorgelesenen Zeilen zeigte, eines von der eher amüsanten Variante.

Zieht die Münchenerin doch an ihrem sechzigsten Geburtstag hinaus nach Sizilien. Sie will sich dort einfach nur noch zu Tode saufen und dabei aufs Meer schauen. Ihr Rezept: „Zum Wachwerden einen Prosecco. Dann einen Espresso mit Schuss. Um elf das erste Weizen. Und dann in Etappen so weiter…“

Doch alles kommt anders, denn einer Tante wie der Poldi kommt einfach immer etwas dazwischen. Hier ist es gleich ein Toter, ein Mord. Keiner hat etwas gesehen, und daher nimmt die Poldi das gleich mal in die Hand.

Bayerische Aussprache

Eine Lesung mit dem Autor, selbst Münchener mit italienischen Wurzeln, wird schon dadurch zum Genuss, dass er seiner „Tante Poldi“ beim Vorlesen die typisch bayerische Aussprache verleiht. Bildreich zudem die Sprache rundherum. Da werden „Kommissar Zufall“ und gar der Tod lebendig, allerdings nur im Traum, wie der Leser später erfährt.

„Und Sie kriegen jetzt noch den Bonus-Track“, sagte Giordano am Ende, nahm noch nicht veröffentlichte Manuskriptseiten zur Hand und las schon mal vor aus Teil zwei seines aktuellen Bestsellers mit Tante Poldi auf Sizilien. Mittlerweile hat sie den Mord aufgeklärt und lokale Berühmtheit erlangt. Unter dem Motto „Bayern in der Ferne“ gibt sie dem Augsburger Heimatkurier ein Interview, natürlich wieder einmal auf die amüsante Art. Natürlich wird sie auch im zweiten Buch wieder den ein oder anderen berühmten Popstar treffen. „Und wenn mir die Luft nicht ausgeht, gibt es auch noch Teil drei“, versprach Giordano.

Krimischreiben sei wie Mathematik, erklärte er. „Sie kennen die Lösung. Jetzt müssen Sie nur noch auf die Gleichung kommen.“

Eine Menge Disziplin

Eigentlich würde er am liebsten immer nur an einem Projekt arbeiten, aber dann komme doch mal wieder ein Tatort-Drehbuch dazwischen. „Ich versuche, die jeweiligen Zeitblöcke aber so groß wie möglich zu halten.“ Das erfordere eine Menge Disziplin und eine gute Zeiteinteilung. Vier Monate habe er für den ersten Fall mit Tante Poldi gebraucht.

Und wie findet er seine Gleichung? Er arbeite mit großen Tafeln, sogenannten Whiteboards, verriet Giordano. „Die Visualisierung hilft mir.“ Vermutlich werde es auch eine Verfilmung geben. „Ich muss mir überlegen, ob ich auch das Drehbuch schreibe“, erklärte er abschließend. „Das ist kein Zuckerschlecken, weil man zu nah dran ist. Mein Kontrollzwang schreit zwar danach, aber dann verzögert sich die nächste Poldi!“

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