Autor bringt Weisheiten und Geschichten aus dem Alltag mit

Von: Anna Petra-Thomas
Letzte Aktualisierung:
6899629.jpg
Vor allem zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken brachte Autor Peter Josef Dickers seine Zuhörer bei seiner Lesung auf Einladung der Bücherkiste in Wassenberg. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. „Wenn Sie uns besuchen wollen, drücken Sie die Zwei, wenn Sie eine Frage haben, drücken Sie die Drei, wenn Sie uns etwas mitteilen wollen…“ Peter Josef Dickers hat gleich die Lacher auf seiner Seite, als er auf Einladung der Wassenberger Bücherkiste in der kleinen Turnhalle der Grundschule damit beginnt, seine kleinen Alltagsgeschichten vorzulesen.

Sie stammen aus seinem Buch „Meine Zeit. Deine Zeit. Wann bin ich dran, Herr Doktor?“ Er wolle doch keine Zahlen lernen und keine Tasten drücken, sondern telefonieren, entrüstet er sich und fügt trocken hinzu: „Früher war immer einer am Apparat, wenn man jemanden sprechen wollte.“

Themenwechsel: Dickers taucht ein in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der er eingeschult wurde. „Zwei Jahre dauerte mein erstes Schuljahr“, berichtet er und erinnert sich an das weiße Handtuch, das seine Mutter hisste, bevor die Josef-Goebbels-Straße sich wieder in eine Oststraße wandelte. Sein schulisches Wissen habe die Kriegszeit nicht vergrößert, doch „nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, zitiert Dickers den Nero-Erzieher Seneca.

Dass er mit all seinen Geschichten, in denen er viel von sich selbst preisgibt, Lebensweisheiten vermitteln will, wird immer wieder deutlich. Und oft schaut er zwischen seinen kurzen Lesestücken in nachdenkliche Gesichter. Das richtige Sparen, zwischen Geiz und Verschwendung, lebt ihm seine Mutter vor.

Dass das Glück nicht nur auf der Straße, sondern in der Wohnung zu finden ist, die man prägt und die einen selbst prägt, lernt er bei seiner Frau. Dass man in der Türkei, dem „Kaffee-und-Brötchen-Land“, nicht nur viele Landsleute trifft, sondern auch wahre „Seelen von Menschen“, erfährt er, als ihm ein alter Mann seine letzten selbstgezogenen türkischen Paprika schenkt und er ihn später am Gemüsestand auf dem Markt wiedertrifft. Klassisch sind Anekdoten über das Warten auf den Arzt.

Und wieder ein abrupter Themenwechsel: Jugendkrawalle in Paris, Einwandererghettos, Trabantenstädte, der Einsatz von Dampfstrahlern, die die Stadt vom „Gesindel“ befreien sollen. „Wer hat diese Jugendlichen jemals geliebt?“, fragt Dickers. „Wer hat sich Zeit genommen, ihnen getraut oder vertraut? Wer hat sie verwöhnt, sich überhaupt an sie gewöhnt?“ Er weiß, wovon er spricht, hat er doch im Schuldienst selbst ein Leben lang junge Menschen auch aus schwierigen Verhältnissen begleitet.

Er lässt die Lesung ausklingen mit besinnlichen Geschichten, gedenkt seiner 95-jährigen Schwiegermutter, die ihr karges Leben angenommen und etwas daraus gemacht hat. Aber auch hier präsentiert er wieder Nachdenkliches. Als Höhepunkt der überwiegend humoristischen Lesung entpuppten sich dann zum Schluss noch zwei Geschichten über den missverstandenen Wunschzettel einer Zehnjährigen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert