Ausstellung zum Thema „Köpfe“ im Alten Rathaus in Ratheim

Von: hl
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Großartig: „Köpfe des Deutschen Impressionismus“ hieß eine Ausstellung des Kunstvereins Canthe im Alten Rathaus. Auch Dr. Christine Vogt, die einleitende Worte sprach,Canthe Vorsitzender Dr. Hans Latour (r.) und Musiker Dr. Burghart Ollertz zeigten sich begeistert. Foto: Koenigs

Hückelhoven. „Dass es so etwas auf dem platten Land gibt; großartig; hervorragend“ – das waren nur einige Kommentare zur Ausstellung „Köpfe des deutschen Expressionismus“ bei der Vernissage im Alten Rathaus in Ratheim. Der Kunstverein Canthe hatte eingeladen – und viele, viele waren gekommen.

Unter anderen kamen Altbürgermeister Leo Römer und Dr. Richard Nouvertné, der Vorsitzende der Kunststiftung der Kreissparkasse Heinsberg, welche die Canthe bei vielen Aktionen finanziell unterstützt hat. Dass diese Ausstellung überhaupt zustande kam, war einem privaten Sammler zu verdanken.

In seiner Begrüßung zitierte der Canthe-Vorsitzende Dr. Hans Latour einige Sprichwörter und Redensarten rund um den Kopf, worin sich in ihren zahllosen Formulierungen die Bedeutung dieses Körperteiles manifestiere. Dr. Burkhart Ollertz leitete die Ausstellung mit außergewöhnlicher meditativer Musik ein, die auf original japanischer Bambusflötenliteratur fußt. Die moderne Komposition verlangte allerdings den an europäische Musik gewohnten Ohren einiges an konzentrierter Umstellung ab.

Im freien halbstündigen Vortrag führte Dr. Christine Vogt, die Leiterin der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen, mit ebenso großem Sachverstand wie auch mit sehr viel Engagement in die Ausstellung ein.

Sie begann mit dem Kopf von Barlachs schwebendem Engel aus dem Dom von Güstrow und zeigte dabei die wechselvolle Geschichte dieses Kunstwerkes auf, das bei den Nazis, wie die meisten Werke zum Beispiel der Brücke-Künstler, zur so genannten entarteten Kunst – heute eigentlich ein Ehrentitel – zählte. Als Ehrenmal für die Opfer des 1. Weltkrieges hat Barlach 1927 diese Skulptur geschaffen und ihr das Gesicht von Käthe Kollwitz gegeben.

Die Kunst des deutschen Expressionismus speiste sich nach Vogt aus vielen Quellen. Einmal kam darin die Aufbruchstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Ausdruck. Zum anderen wollten die expressionistischen Künstler ein eigenständiges Zeichen setzen gegen den Impressionismus der Franzosen.

Und der Unterschied zwischen den beiden Kunstrichtungen liege vor allem darin, dass die Deutschen sich bewusst absetzten von einer eher gefälligen Malerei mit ihrer möglichst getreuen Wirklichkeitswiedergabe zu einer existenziellen Beschreibung seelisch-psychologischer Momente. Dabei standen die Künstler wie Barlach, Kirchner, Dix, Nolde, Schmidt-Rottluff, von denen vor allem Werke in Ratheim zu sehen waren, nicht nur in einer europäischen Tradition; sie bezogen ihre Vorbilder auch aus Primitivkulturen wie etwa aus Afrika.

Und noch etwas unterschied die expressionistischen Künstler von ihren „Kollegen“ aus der Vergangenheit, wie Vogt weiter ausführte: Sie beschäftigten sich mit normalen Menschen und ihren Schicksalen. Es standen nicht mehr die Großen der Geschichte oder herausragende Schönheiten im Mittelpunkt ihrer Arbeiten, sondern eben einfache, normale Menschen, zum Teil auch gescheiterte Existenzen.

Und diesen Unterschied verdeutlichte die Referentin an den ausgestellten Werken, wobei sie auch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der einzelnen Künstler herausarbeitete.

Allen gemeinsam ist, dass sie sich auf das Wesentliche bei einem Menschen konzentrieren und traditionelle Perspektiven und das Akademische in der Kunst aufgeben.

Nach der Einführung gab es lang anhaltenden Beifall für die Referentin. Die Besucher im Alten Rathaus waren begeistert, einmal von der rhetorischen Meisterleistung und zum anderen von neuen Seh- und Verstehensweisen zum deutschen Expressionismus, der als Vorläufer der klassischen Moderne gelten kann.

Die Ausstellung hatte nur einen Nachteil: Sie war leider nur zwei Tage lang zu sehen.

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