Ausstellung über Weltkriegszeit soll „erinnern, mahnen, danken“

Von: Helmut Wichlatz
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Viele Fotos und Berichte von Zeitzeugen hat der Ortsausschuss St. Valentin zusammengetragen und zu einer Ausstellung zusammengefasst mit dem Thema Kriegsende und Neuanfang. Foto: hewi

Erkelenz-Venrath. Am 26. Februar 1945 war der Krieg für die Venrather und Kaulhausener vorbei. Noch in den letzten Tagen vor dem Einmarsch der britischen Soldaten hatten beide Orte durch Artilleriebeschuss erhebliche Schäden erlitten. Als die Einwohner am 10. März aus der Evakuierung wiederkamen, begannen sie sofort mit dem Aufbau.

Eine Ausstellung des Ortsausschusses St. Valentin hat genau diese Zeit des Zusammenbruchs und Wiederaufbaus aufgearbeitet. Zu sehen ist sie in der Venrather Kirche St. Valentin. Am vergangenen Sonntag wurde im Rahmen der Ausstellung auch der 90 Kriegsopfer gedacht, die die beiden Orte zu beklagen hatten.

Einige Schäden des Krieges überdauerten die Zeit bis heute, wie Rainer Merkens erzählt. Es sind Details wie die verbogene Strebe des Eisentores in der Kirche. Oder sehr offensichtliche, wie der Granatsplitter, der dem Jesus der Kreuzigungsgruppe über dem Altar noch in der Schulter steckte. „Als wir die Gruppe aus Immerath übernommen haben, fanden wir den Splitter, der dort seit 70 Jahren steckte“, erinnerte sich Merkens.

Die Zeichen des Krieges sind gegenwärtig. Aus der Erinnerung der Menschen sollen sie trotz des Neuanfangs auch nicht verschwinden. „Erinnern, mahnen und danken“ wolle man mit der Ausstellung, erklärte auch Friederike Grates. Sie hat nicht nur im Ort Interviews geführt und Vereinsarchive durchgeforstet. Auch im Stadtarchiv ist sie fündig geworden.

Aufschlussreich waren Tagebucheintragungen, wie die von Maria Mattelé. Sie hatte die letzten Kriegstage ebenso wie die Plünderungen durch die alliierten Soldaten und die Evakuierung der Bevölkerung beschrieben. Ihre schriftlichen Erinnerungen wurden ebenso wie weitere Informationen in den Vortrag eingebaut, mit dem die Arbeitsgruppe die Ausstellung begleitete. Eine andere Quelle waren die Vereinsunterlagen aus der Zeit. „Das Problem war jedoch, dass in einigen Unterlagen die Zeit des Dritten Reiches einfach entfernt worden war“, erklärte Josef-Peter Gormanns.

Dabei ging es den Machern nicht um eine Aufarbeitung der Nazizeit. „Die kurze Zeit des Endes und des Neuanfangs stand im Fokus unserer Arbeit“, betonte Grates. Ausgelöst wurde die Idee zur Ausstellung vor allem durch ein Foto, das der Venrather Leo Mattelé aus der Kriegsgefangenschaft in den USA mitgebracht hatte. Erschienen war es im August 1945 in dem Magazin „Newsweek“. Es zeigte die Venrather auf dem Weg zur Sammelstelle, als sie den eroberten Ort verlassen mussten. Mattelé erkannte Verwandte und Bekannter wieder, darunter auch seine Mutter.

Nach dem Krieg ging es schnell wieder los mit dem Leben in den beiden Ortschaften. Im Oktober wurde Alois Gormanns zum Bürgermeister gewählt. Die Erstklässler von 1944 wurden nach dem Krieg neu eingeschult, denn sie hatten die Schule nur wenige Wochen von innen gesehen. 1946 wurde schon wieder im Gemeindesaal getanzt und der SV Venrath nahm den Spielbetrieb wieder auf. Die Zeit der Entbehrung war schnell nur noch Erinnerung.

Gespräche mit Zeitzeugen

Diesen Erinnerungen ist das Team in vielen intensiven Gesprächen mit Zeitzeugen nachgegangen. Vielleicht, so erklärten die Heimatforscher, entwächst aus der Arbeit an der Ausstellung ein Gesprächskreis mit Zeitzeugen und interessierten Zuhörern.

Im Vortrag wurden Tagebucheintragungen und Erinnerungen vorgelesen. Anschließend wurden in einer Andacht die Namen aller 90 Kriegsopfer aus Venrath und Kaulhausen verlesen, dazu schlug die Totenglocke von St. Valentin.

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