Ausstellung: Kräftige Farben und luftige Perspektiven

Von: Dettmar Fischer
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Ungewöhnliche Perspektive: Gereon Heil zeigt im Kunstverein Region Heinsberg seine Ausstellung „Farb-Schatten-Gestalten“. Foto: D. Fischer

Heinsberg. Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch fliegt, hätte er ihm Flügel verliehen. Da Gott dem Menschen aber keine Flügel verliehen hat, sucht der Mensch nach Alternativen. Wenn der Mensch ein Künstler ist, reichen ihm die Flügel der Phantasie, um die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Der Maler Gereon Heil lässt die Betrachter seiner Bilder nun teilhaben, an seiner Sicht der Welt von oben.

„Farb-Schatten-Gestalten“ heißt seine Ausstellung im Kunstverein Region Heinsberg. Der Titel verweist auf zwei weitere wesentliche Merkmale, die die Bilder des in Uetterath lebenden Künstlers neben der „luftigen“ Perspektive unverwechselbar machen: die kräftigen Farben und die Schlagschatten. Wer das Werk des 1957 in Siegen geborenen Malers, der bei Tony Cragg und Bernd Koberling studierte sowie Meisterschüler bei Konrad Klapheck war, verfolgt hat, dem werden seine Dorfbilder schon begegnet sein.

Ganz markant trifft den Betrachter die Perspektive bei dem Bild „Dorf LXXIII“. Was auf den ersten Blick wie ein aus dem Bild heraus zielendes Kanonenrohr erscheint, ist, wenn man mit dem Künstler spricht oder etwas genauer hinschaut, ein Fabrikschornstein – nur eben von oben gemalt.

Wenn man sich einmal der Betrachtungsweise des Künstlers angeschlossen hat, erschließen sich auf den Bildern Farbflächen auf einmal als ziemlich reale „Gestalten“ eines Dorfes, eine Scheune etwa. Die Gestalten erhalten ihre Räumlichkeit durch den extrem eingesetzten Schlagschatten. Gereon Heil: „Meine Bilder sind Vorstellungsbilder, keine Abbilder.“ Ganz eigentümlich ist die Betrachtung der Menschen aus der Vogelperspektive.

Ingrid Trantenroth-Scholz, die die zahlreichen Vernissagebesucher in das Werk des Künstlers einführte, riet: „Schmunzeln ist erlaubt, vielleicht sogar erwünscht.“ „Von oben VII“ ist vielleicht das humorigste Bild der Ausstellung. Da der Titel wenig über die füllige Person auf dem Bild aussagt, zieht man Details zu Rate, um die Gestalt einzuordnen. Tätowierungen auf den Schultern und eine die Leibesfülle kaum bändigende Sportbekleidung lassen an einen Sumoringer denken.

„Von oben VIII“ zeigt einen Jungen, der etwas unter seiner Schuhsohle betrachtet. Neben dem Jungen ist ein bräunlicher Fleck zu sehen. Während Ingrid Trantenroth-Scholz das Dilemma mit den Worten „Darauf kann sich jeder aus eigener Erfahrung seine Geschichte spinnen“ umschrieb, ließ ihr Vereinskollege Michael Dörstelmann bei in Augenscheinnahme des Bildes keine Zweifel aufkommen: „Das ist eindeutig Hundescheiße.“

Gereon Heil hat auch eine sehr schöne Edition zu seiner Ausstellung aufgelegt. Unter dem Titel „Gang“ zeigen diese 20 Arbeiten ein für den Maler typisches Motiv. Zu sehen ist ein Junge, der einen Zebrastreifen überquert, eine gewöhnliche Szene, aber aus einer ungewöhnlichen Perspektive.

Eines der schönsten Bilder der Ausstellung zeigt einen Mann, der einen Baum erklettert. Der Betrachter befindet sich in diesem Moment oberhalb des Kletternden im Geäst. Der Emporsteigende schaut zu ihm auf.

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