Ausstellung im Alten Rathaus: Das Wesentliche erst auf den zweiten Blick

Von: hl
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„Janice Orth(rechts) trifft Hanne Horn“ hieß es auf der Vernissage des Kunstvereins Canthe im Alten Rathaus von Ratheim. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Janice Orth trifft Hanne Horn, so lautet der unspektakuläre Titel einer Ausstellung, die der Kunstverein Canthe im Alten Rathaus in Ratheim präsentierte. In seiner Begrüßung wies der Vorsitzende Dr. Hans Latour darauf hin, dass es sich eigentlich um ein dreifaches Rendezvous handele.

Einmal um die Begegnung der Besucher und mit den Besuchern, zum anderen um das persönliche Zusammentreffen der beiden Künstlerinnen, und drittens um das Zusammentreffen ihrer beider Kunst.

In die Ausstellung ein führte der Aachener Publizist Stefan Skowron. Kenntnisreich und einfühlsam stellte der Kunstkritiker die Werke der Künstlerin Janice Orth aus Erkelenz und der Fotografin und Künstlerin Hanne Horn aus Düsseldorf vor. Die beiden zeigten Malerei, Fotografien, Grafiken und Videos, in deren Mittelpunkt das Thema „Mensch“ steht. Aber sowohl bei Janice Orth als auch bei Hanne Horn werden Menschen nicht einfach so porträtiert, wie man das aus der Malerei und der Fotografie kennt. In unterschiedlicher Weise wird der Mensch so abgebildet, dass es oft eines zwei- oder mehrmaligen Hinsehens bedarf, um hinter dem Vordergründigen das Wesentliche zu erkennen.

Für Skowron spielte es in seiner spannenden Einführung keine Rolle, ob es eine weibliche Sicht der Dinge gebe; entscheidend sei, dass Kunst überzeuge. Und dessen konnten sich die Besucher in den beiden Räumen des Alten Rathauses vergewissern, von denen in einem die Werke Janice Orths und in dem anderen die von Hanne Horn zu sehen waren. Dabei fielen schon beim ersten Betrachten insbesondre die unterschiedlichen Herangehensweisen an das vereinbarte Thema auf.

Bei Janice Orth sind es vor allem die Linien als eine Art Gegenentwurf zur traditionellen Malerei, die der Künstlerin abhanden gekommen war. Stattdessen habe sie, so Skowron, „begonnen, die Linie, eine der Grundfesten der Kunst, so wie es der Punkt und, als Erweiterung, die Fläche auch sind, bewusst hervorgehoben zu formulieren… Die Linie ist im neuen Werk der Malerin Janice Orth ein Vehikel der Sichtbarmachung, ähnlich wie es die Verhüllung bei Christo ist.“ Man könnte noch ergänzen, dass auch die Farbe, als wesentliches Element eines Großteils der Malerei, stark reduziert ist.

Die meist großformatigen Fotografien von Hanne Horn zeigen meist Bilder einer jüngeren Generation mit viel Gespür für Anteilnahme und Aufmerksamkeit für die jeweilige Situation. Diese Konzentration auf den Gegenstand (wenn diese Formulierung bei Menschen überhaupt gestattet ist) wird noch dadurch unterstrichen,

dass keine Farbe vom Wesentlichen ablenkt. Und wenn dieses Schwarzweiß dann doch hin und wieder durch etwa farbige Grafiken oder Zeitungsausschnitte ergänzt wird, werde laut Skowron nach einer Aussage von Hanne Horn, „dem be-sagten Bildgegenstand ein zusätzliches Geheimnis (?) verliehen.

Die Ausstellung im Alten Rathaus ist noch geöffnet am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober, und am Sonntag, 6. Oktober, jeweils von 11 bis 18 Uhr.

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