Ausstellung: Heimatverein blickt auf Glücksfall zurück

Von: Johannes Bindels
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Johan Gielen und Sepp Becker erläutern die Bedeutung der Seidenweberei in Wassenberg mit ihrem markantem Baustil. Foto: Johannes Bindels

Wassenberg. Die Ausstellungen des Heimatvereins Wassenberg im Bergfried sind ein Publikumsmagnet, nicht zuletzt aufgrund der hohen Qualität der Präsentation und informativen Inhalte. Mit der Eröffnung der Ausstellung „Krahnen & Gobbers – Geschichte der Wassenberger Seidenweberei“ ist dies dem Heimatverein Wassenberg wiederum gelungen.

Vor geladenen Gästen aus Politik und Gesellschaft führten der Vorsitzende Sepp Becker und die Initiatoren und Organisatoren der Ausstellung, Johan Gielen und Bernd Serode, in ein wichtiges Thema der Heimat- und Industriegeschichte der Stadt Wassenberg ein.

„Mit der Flucht von Vertriebenen in der Reformationszeit kam das Weberhandwerk nach Wassenberg“, skizzierte Sepp Becker die Anfänge der Textilverarbeitung in Wassenberg. Die Hausweber seien in Wassenberg ein wichtiges Standbein der Existenzsicherung gewesen, die die Fabriken vor allem in Krefeld und Mönchengladbach belieferten und ihnen zuarbeiteten. Neben der zugesicherten Steuerfreiheit seien wohl auch gerade die Hausweber als billige Arbeitskräfte für die Errichtung der Seidenweberei „Krahnen & Gobbers“ ausschlaggebend gewesen, ließ Becker das Publikum wissen. 1893 wurde die untere Fabrik errichtet, zehn Jahre später die Erweiterung in der Oberstadt in Angriff genommen. Ein Lastenaufzug habe beide Betriebsteile miteinander verbunden.

„Die Ansiedlung dieser Textilindustrie ist für Wassenberg ein Glücksfall gewesen“, betonte Becker. Denn in der Folge sei die neue Post wie auch die notwendige Bahnlinie gebaut worden, wenn für letztere auch die Zeche und das Sandwerk als weitere Industrien ursächlich gewesen seien. Im Zuge dieser Stadtentwicklung sei auch der Heimatverein Wassenberg gegründet worden. Die Schließung des oberen Werkes erfolgte schon 1927. Der Baustil mit Türmchen habe das Stadtbild mitgestaltet.

„Als ich vor einigen Jahren in Wassenberg mich ansiedelte, fielen mir die vielen Villen auf. Ich dachte mir, dass es hier eine Zeit gegeben haben musste, wo dafür das Geld verdient worden ist. Dem wollte ich auf die Spur kommen“, gibt Johan Gielen, Initiator und Mitorganisator der Ausstellung und Mitglied des Heimatvereins, als Motivation zur Recherche für die Geschichte der Wassenberger Seidenweberei Krahnen & Gobbers an.

Mehr als ein Jahr haben Recherche und Vorbereitung gedauert. Die Suche in Archiven, beim Katasteramt, und der Kontakt zum Stammhaus von Krahnen & Gobbers (Krago GmbH) in Krefeld bildeten den Fundus für die großformatigen Fotodrucke der Ausstellung. Der Druckerfachmann hatte alle Fotodokumente digitalisiert und ausgedruckt.

Bürgermeister Manfred Winkens zeigte sich bei seinem Grußwort erfreut über die Resonanz und die „tollen Bilddokumente“. Die Bevölkerung sei sehr mit der Seidentextilindustrie verwurzelt gewesen.

Die Ausstellung erstreckt sich über drei Etagen im Bergfried und erschließt den Besuchern in einer spiralförmigen Zeitreise von der Gründung über die technischen Einrichtungen bis hin zum Zerfall durch die Bergschäden die Bedeutung der Seidenweberfabrik für Wassenberg.

Bis zum Jahresende zu sehen

Am Sonntag, 13. September, dem Tag des offenen Denkmals wird die Führung durch die Ausstellung „Krahnen & Gobbers“ im Bergfried wiederholt. Die Ausstellung wird bis zum Jahresende zu sehen sein.

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