Wassenberg-Orsbeck - Ausstellung: Geschichte eindrucksvoll dokumentiert

Ausstellung: Geschichte eindrucksvoll dokumentiert

Von: Johannes Bindels
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Engagiert: Die Ausstellungsmacher Nils Lengersdorf, Birgit Krüger, Michael Becker, Lara Becker, Christoph Steffens zeigten auch das Räderwerk der alten Turmuhr im Turmmuseum. Foto: Johannes Bindels
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Das Räderwerk der alten Turmuhr im Turmmuseum. Foto: Johannes Bindels

Wassenberg-Orsbeck. Mit der Ausstellung „Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg – Orsbeck-Luchtenberg… im Zeichen der Kriege“ wurde nicht nur an das Kriegsende vor 70 Jahren in Texten und Bildern erinnert. Die Museumgruppe Orsbeck-Luchtenberg um die Organisatoren Christoph Steffens, Marion Steffens, Birgit Krüger, Michael Becker, Marina Becker und Ulli Bezjak ließ auch Zeitzeugen zu Wort kommen.

Mit den Lesungen der Kriegserinnerungen des ehemaligen Pfarrers Johannes Gehlen – vorgelesen von Christoph Steffens – und den Nachkriegserlebnissen von Hans Steffens unter Mitwirkung des Kirchenchors St. Martinus ermöglichte die Ausstellung einen vielseitigen Einblick in die Geschichte Orsbeck-Luchtenbergs.

Kooperation mit Schule

„Es ist der Versuch, ein Gedächtnisarchiv zu erstellen“, formulierte Christoph Steffens die Motivation der Museumsgruppe. Vor einem Jahr habe man mit dem Turmmuseum in der Saalkirche begonnen, in der sowohl archäologische Funde aus der Römerzeit als auch Kriegseinwirkungen auf Orsbeck und deren Fundstücke zu sehen sind.

Das Räderwerk einer ehemaligen Turmuhr ist ein Schmuckstück des kleinen Museums. Die Heimatgeschichte auch für die Schüler greifbar zu machen, führte zur Zusammenarbeit mit der Grundschule Orsbeck. Zur Museumsgruppe gehören ebenfalls zehn Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 16 Jahren.

„Die Zeitzeugen des letzten Weltkrieges werden immer weniger“, betonte Steffens, und die schriftlichen Erinnerungen des Pfarrers Gehlen seien so wertvoll, weil sie die Zeit von der Evakuierung bis zur Rückkehr in die Heimat auch als Gegenstand von Aufklärung veranschaulichten.

So lautete ein Auszug aus den Aufzeichnungen des Pfarrers: „Am Freitag, dem Feste der sieben Schmerzen Mariae, begann die Evakuierung der Gemeinde (im September 1944). Vier Tage und Nächte vor der Evakuierung wurden die Bewohner von Orsbeck und Luchtenberg nervlich unter Druck gesetzt (nachts durch Ausschellung), den Sonderzug in Wassenberg zu nutzen. Die Sonderzüge brachten die Evakuierten nach Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Die meisten verließen ihre Heimat am 15. September.“

Kaiserschlacht bei Wassenberg

In Bildern und Texten hatte die Museumsgruppe von der Römerzeit bis zur Rückkehr aus der Evakuierung im September 1945 die Kriegseinflüsse auf den Ort Orsbeck und Luchtenberg dokumentiert. So erfuhren die Besucher anschaulich, dass die Kirche als Wehrkirche schon im 11. Jahrhundert gebaut und mit Schießscharte für Bogenschützen ausgestattet wurde.

In der Kaiserschlacht bei Wassenberg am 27. Juli 1206 waren auch Orsbeck und die Region Wassenberg durch Plünderungen und Brandschatzungen betroffen. Die Kriegseinwirkungen setzten sich durch die Jahrhunderte fort, sei es durch die Folgen des Dritten Geldrischen Krieges um 1543, durch die niederländischen Aufstände im 16. Jahrhundert oder die Kriege im 20. Jahrhundert – Orsbeck kann eindrucksvoll Zeugnis davon ablegen.

Fotos von den Zerstörungen der Kirche in der Nacht vom 17. auf den 18. November 1944, bei der gegen Mitternacht durch ein Artillerietreffer das Gewölbe getroffen wurde, waren ebenso zu sehen wie die Auflistung der gefallenen Soldaten und Zivilisten der Ortschaft Orsbeck.

Geschichte wurde greifbar, als Nils Lengersdorf in der Ausstellung seinen Urgroßvater als einen der gefallenen Soldaten im Foto unter vielen anderen sah.

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