Ausstellung: Eine 40-jährige Geschichte von Hilfe und Austausch

Von: Anna Petra Thomas
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Kreissparkassen-Filialleiter Martin Liphardt, Bürgermeister Wolfgang Dieder und Lebenshilfe-Geschäftsführer Edgar Johnen (v.r.) informierten sich bei der Ausstellung über das Indien-Hilfswerk anlässlich seines 40-jährigen Bestehens aus erster Hand bei der Vorsitzenden Agnes Frenken (l.). Foto: anna

Heinsberg. Mit einer Ausstellung, die noch bis zum inklusiven Stadtfest vom 9. bis 11. September zu sehen ist, informiert das Indien-Hilfswerk anlässlich seines 40-jährigen Bestehens im Gebäude der Kreissparkasse über seine Arbeit.

Insgesamt 16 Tafeln auf fünf Stellwänden präsentieren mit Texten und Fotos die Geschichte und die aktuellen Projekte des in Horst ansässigen Vereins.

Zur Ausstellungseröffnung begrüßte Filialleiter Martin Liphardt Vertreter des Vereins und ihre Gäste mit Daten und Fakten aus dem Jahr 1976, als das Indien-Hilfswerk gegründet wurde. Den Grundstein dazu hätten ein ehemaliger Schüler von Heribert Kamps und der Inder Shri R.S. Kannan gelegt, der damals ein Praktikum bei der Lebenshilfe in Heinsberg absolviert habe.

Kannans Vision sei es gewesen, die Behindertenarbeit, wie er sie hier kennengelernt habe, in sein Heimatland zu bringen, so Frenken. „Und dafür brauchte er Unterstützung.“

Das Indien-Hilfswerk wurde als Verein gegründet, kleine Basare veranstaltet und Mitglieder geworben, so dass Kannan mit 7000 D-Mark nach Madras, dem heutigen Chennai zurückkehren konnte. Er mietete dort ein Haus und startete sein Projekt mit zunächst drei behinderten Kindern.

Damit war er Vorreiter für die Behindertenarbeit in Indien. „Erstmalig erfuhren betroffene Familien Wertschätzung und Anerkennung für ihre Kinder mit Behinderungen, die bis dahin zur zurückgezogen in ihren Familien versorgt wurden“, berichtete die Vorsitzende.

Aus dem 1977 gegründeten „Life Help Centre For The Handicapped (LHC)“ ist inzwischen ein Zentrum für rund 250 Menschen mit Behinderung vom Kleinkind bis zum Erwachsenen geworden. Dazu gehören zwei Schulen, eine Berufsvorbereitungsgruppe, eine Wasseraufbereitungsanlage, eine orthopädische Abteilung, ein Frühförderzentrum und ein Schwimmbad.

Ermöglicht worden sei diese Entwicklung auch durch eine Kooperation mit AWO International, der Welthungerhilfe und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erklärte Frenken. In einem Schreiben an das LHC habe der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker Anfang der 1990er Jahre das Zentrum als ein Highlight seiner Indienreise bezeichnet.

Im Laufe der Jahre sind für das Indien-Hilfswerk weitere Projekte für Menschen mit Behinderungen und für Menschen, die Not leiden, hinzugekommen. Auf Initiative von Kannans Sohn Blaze trug der Verein nach dem Tsunami 2004 durch den Kauf eines Grundstücks bei zum Aufbau eines weiteren Zentrums mit zwei Schulen, Waisenhäusern und einer medizinischen Ambulanz.

Nach einem Erdbeben entstand 2007 die dritte LHC-Einrichtung in Srinagar, die heute rund 50 Kinder und Jugendliche therapeutisch fördert. Bei einem Besuch im April dieses Jahres sei das Indien-Hilfswerk gebeten worden, sich an der Finanzierung einer Berufsvorbereitungsgruppe zu beteiligen. „Diesem Wunsch zu entsprechen, ist eines unserer nächsten Ziele“, sagte Frenken.

Der Verein unterstützt darüber hinaus den „Ceyrac Trust“, durch den Kinder aus sozial schwachen Familien beim Schulbesuch unterstützt werden. Geholfen hat er auch bei der Einrichtung und bei der Ausbildung von Personal für das „Navjeevan Hospital“, das Tagelöhnern in den Teeplantagen hilft. Jüngstes Projekt ist die „Ashagram“, eine Einrichtung für etwa 60 junge Männer mit mehrfachen Behinderungen.

„Im letzten Jahr konnten wir hier zusätzlich ein Wohnheim für junge behinderte Frauen mit finanzieren, die in einer kleinen Bäckerei zur Selbstversorgung beitragen und ein kleines Einkommen erwirtschaften können“, so Frenken weiter.

„In den vergangenen vier Jahrzehnten hat unser Verein viel bewegt“, blickte sie zurück. Von Anfang an sei der Verein dabei von der Lebenshilfe Heinsberg und auch von der Rurtal-Schule sowohl materiell als auch ideell unterstützt worden. „Hier besteht eine Partnerschaft, die wirklich mit Leben erfüllt ist.“

Ziel sei es immer gewesen, die Projekte auch inhaltlich voranzubringen, betonte Frenken. Zudem würden sie nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern über viele Jahre gefördert. Ihr Dank ging auch an weitere Unterstützer, namentlich an die Frauengemeinschaft in Horst.

Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe, betonte, dass der Blick über den Tellerrand sei genauso wichtig sei wie die lokale Verwurzlung. Das LHC sei dabei ein Element. „Und es gibt einen Aspekt, der mir besonders gut gefällt“, erklärte er. So werde in der Werkstatt der Lebenshilfe ein Geschichtenkoffer konfektioniert, für den der Seidenstoff beim LHC eingekauft werde. „Wir sprechen hier nicht über Umsatzvolumen“, betonte Johnen, „aber über einen Austausch, der zukunftsweisend ist.“

In ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung ging Agnes Frenken auch auf das Vereinslogo des Indien-Hilfswerks ein, das ein Mädchen mit Gehhilfen zeigt. „Es ist entstanden aus dem Foto der kleinen Rajukula, die mit etwa acht Jahren als eines der ersten Kinder im Life Help Centre aufgenommen wurde“, erzählte sie.

Damals habe sich das Mädchen nur kriechend fortbewegen können. Durch Operationen und Therapien habe sie gelernt, aufrecht zu stehen und zu gehen. „Sie besuchte die Schule, hat geheiratet und wurde Mutter.“ Heute arbeite sie als Büroangestellte. „Sie sehen: Zusammen schaffen wir mehr!“

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