Ausländeranteil in der JVA hat sich verdoppelt

Von: Rainer Herwartz
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Das Übergangsmanagement der JVA Heinsberg von der Haft in die Freiheit ist vorbildlich. Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz und ihr Stellvertreter Franz-Josef Bischofs setzen dabei auch auf ein breitgefächertes Ausbildungsangebot in den Werkstätten. Foto: Rainer Herwartz
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Ausbilder Heinz-Peter Fuchs vom Kolping-Bildungswerk zeigt den Häftlingen hier, wie man eine Küche tapeziert und gestaltet.

Heinsberg. Mit rund 400 Insassen ist die Justizvollzugsanstalt für jugendliche, männliche Straftäter in Heinsberg derzeit nur zu 70 Prozent ausgelastet. Dies sei allerdings „ein Problem“, das derzeit bundesweit wohl alle Jugendstrafanstalten treffe, sagt Anstaltsleiterin Ingrid Lambertz.

Ein konkreter Grund für die augenscheinlich ja eher positive Entwicklung ließe sich da nur schwer ausmachen. Die Erfahrung vergangener Jahre zeige jedoch, dass sich die Belegungsquote in einem ständigen Auf und Ab befinde. Wenn man auf die Untersuchungshäftlinge blickt, könnte sich hier schon die Trendwende abzeichnen, denn der U-Haft-Bereich ist mit 120 jungen Männern komplett ausgelastet.

„Der Flüchtlingsstrom machte sich auch bei uns bemerkbar“, sagt stellvertretender Anstaltsleiter Franz-Josef Bischofs. „Er hat unseren Ausländeranteil auf 45 Prozent angehoben. Das bedeutet eine Verdoppelung innerhalb von etwa zwei Jahren.“ Tunesier, Marokkaner und Algerier stellten den Hauptanteil, erklärt Lambertz. Als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt erlebte, quoll der U-Haft-Bereich in Heinsberg geradezu über.

„Vor zwei Jahren hatten wir zu viele U-Häftlinge, weil auch manche straffällige Flüchtlinge ohne festen Wohnsitz schneller durch das Gericht inhaftiert werden“, weiß Bischofs. „Es sind meist jugendliche Intensivstraftäter, die bei uns in die U-Haft kommen.“ In der Regel seien diese schon vor der Strafmündigkeit einschlägig aufgefallen, „und wenn sie dann die Altersgrenze erreicht haben, schlägt die Polizei zu“, ergänzt Lambertz. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die 14-, 15- und 16-Jährigen in der Zahl zunehmen.“ Eine anscheinend nicht immer leicht zu handhabendes Klientel.

„Diese jungen Leute sind oft besonders respektlos.“ Nicht selten münde das in heftige Beschimpfungen oder das Bespucken von Vollzugsbeamten. „Es braucht dann schon einige Zeit, bis wir sie eingefangen haben“, beschreibt Bischofs die Situation. „Die meisten kommen von der Straße, Klauen gehört für sie zum Alltag,“ sagt Lambertz. Das seien oft regelrechte Überlebensstrategien, die die jungen Männer über Jahre auf ihrem Weg aus den Heimatländern nach Deutschland entwickelt hätten. „Der größte Teil der Delikte, für die sich die jungen Männer zu verantworten haben, sind daher Vermögensdelikte von Diebstahl bis Raub. Der Einbruchstourismus spielt auch eine Rolle.“

Letztlich sei es in der Haftanstalt weder für diese Insassen noch für das Personal eine leichte Situation, erläutert Lambertz. „Sie verstehen uns nicht, wir verstehen sie nicht. Da gibt es Konflikte aus lauter Nicht-Verstehen.“ Doch genau in diesem Punkt setzt die JVA an. Fünf Sprachkurse mit insgesamt 50 Plätzen würden den ausländischen Häftlingen angeboten. Dazu gebe es regelmäßige Dolmetscher-Sprechstunden und überdies werde ein syrischer Integrationshelfer beschäftigt, da die meisten der Jugendlichen Arabisch sprächen.

Haushaltsmittel des Landes NRW hätten in dem Zusammenhang sehr geholfen. „Es erleichterte das Miteinander im Gefängnis schon sehr“, meint Lambertz. In Ethik-Kursen würden den Jungmännern, die ja alle aus einem völlig anderen Kulturkreis stammten, auch die Regeln des Zusammenlebens und die Stellung der Frau in Deutschland verdeutlicht. „Das Gros der Leute nimmt das auch sehr dankbar an“, glaubt Bischofs.

Erst kürzlich konnte Ingrid Lambertz über 30 Kollegen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Jugendstrafanstaltsleiter und besonderen Vollstreckungsleiter aus ganz Deutschland begrüßen. Dabei habe sich gezeigt, dass das Übergangsmanagement von der Haft in die Freiheit in Heinsberg besonders gut zu funktionieren scheint. „Es hat sich erwiesen, dass dadurch die Rückfallquote von etwa 50 bis 60 Prozent auf knapp 30 Prozent gesunken ist.“ Das breit gefächerte Ausbildungsangebot verfehle da seine Wirkung sicher auch nicht.

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