Ausgleich für Tagebauschäden und Blick auf die Ewigkeitskosten

Von: hewi
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Ortstermin in der Seilerei. Der Sachverständige Peter Immekus spricht von einem „Totalschaden“. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Holzweiler. Zu ihrem traditionellen „Frühlingserwachen“ hatten die Erkelenzer Grünen nach Holzweiler in die Alte Schule eingeladen. Das Gemeindehaus und den Ort hatten sie bewusst gewählt. Denn Holzweiler wird vom Tagebau verschont bleiben, nicht aber von den Folgen des Tagebaus.

 Seit Jahren habe es in Holzweiler wegen der Option der Umsiedlung einen Investitionsstau gegeben, wie Hans Josef Dederichs betonte. Der Zustand der Alten Schule spreche Bände. Undichte Decken und der vergilbte Charme der 60er zeigten auf, dass dringender Handlungsbedarf bestehe.

Da Dederichs auch Vorsitzender des Bezirksausschusses ist, will er den Punkt auf die nächste Tagesordnung setzen. Der grüne Stadtrat und Landtagskandidat aus Kuckum betonte, es sei ein Erfolg, dass Holzweiler nicht abgebaggert werde. Dem stimmte auch der aus Düren stammende Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer zu. Auch er plädierte für Investitionen und ein Dorfentwicklungskonzept, wie es schon in Venrath/Kaulhausen erarbeitet wird und im Laufe des Jahres auch für Holzweiler folgen soll.

Dass Holzweiler trotz seines Erhalts in Gefahr sei, zeigte der Bergschadens-Sachverständige Peter Immekus am Beispiel des Seilerei-Betriebs Brandenburg, den die Gäste des „Frühlingserwachens“ besuchten. Sie staunten nicht schlecht über Risse in den Wänden, Stützbalken in den Räumen und eine Gebäudeverschiebung, die die Nutzung des Gebäudekomplexes nahezu unmöglich macht. Die Mutter des Eigentümers musste ihre Wohnung im angeschlossenen Wohnhaus schon verlassen, da sie nicht mehr bewohnbar ist.

Messpunkte ansetzen

Die Probleme traten an dem über hundert Jahre alten Gebäudekomplex vor einigen Jahren erstmals auf. Zurückzuführen seien sie auf die Tagebautätigkeit von RWE, betonte der Sachverständige. Das Unternehmen habe sich aber zuerst geweigert, die Schäden vor Ort überhaupt in Augenschein zu nehmen und auf andere Gründe verwiesen, sogar einen alten Brunnenschacht, der sich auf dem Firmengelände befindet. Dies sei Strategie. Denn so lange Holzweiler als Umsiedlungsstandort galt, galt der Ort als „bergschadensfrei“. Schließlich wollte RWE die Umsiedler in spe nicht doppelt entschädigen. Nun habe sich das Blatt gewendet und RWE habe sich nach zähen Verhandlungen bereiterklärt, Messpunkte an der Immobilie anzusetzen, um das Fortschreiten der Zerstörung einschätzen zu können.

Im Gegensatz zu Folgeschäden durch Gasbohrungen („Fracking“) oder Bergbau seien die Geschädigten im Tagebau in der Beweispflicht, kritisierte Krischer. Er plädierte für ein neues Bergrecht und erklärte, dass die Zeit der Braunkohle vorüber sei. Mit Braunkohle lasse sich kein Geld mehr verdienen, betonte er und forderte ein Ausstiegsprogramm aus der Braunkohle. Umso mehr sei es jetzt aber auch wichtig, die Folge- und Ewigkeitskosten im Blick zu behalten. Denn so wie die Seilerei Brandenburg könnten noch andere Häuser in Holzweiler betroffen sein. Hier sei es wichtig, den Tagebaubetreiber frühzeitig in die Haftung zu nehmen.

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