Ausgebrannt: Pfarrer geben Ämter auf

Von: kalauz
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Pfarrer
Gottfried Maria Graaff hat den Bischof in Aachen darum gebeten, ihn zum ersten Advent von den Aufgaben als Pfarradministrator, Pfarrvikar und Vorsitzenden des Kirchengemeindeverbandes Hückelhoven zu entbinden. Foto: Kalauz

Hückelhoven. Die mehr als 22.000 Katholiken im Stadtgebiet von Hückelhoven stehen mit Beginn des neuen Jahres ohne einen regulären Geistlichen da: Gottfried Maria Graaff hat den Bischof in Aachen darum gebeten, ihn zum ersten Advent von den Aufgaben als Pfarradministrator, Pfarrvikar und Vorsitzenden des Kirchengemeindeverbandes Hückelhoven zu entbinden.

Zum 1. Januar 2015 wird auch José Kallupilankal auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben als Pfarrer, Pfarrvikar und Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven entbunden.

In den Gottesdiensten in St. Gereon Brachelen, St. Stephanus Kleingladbach, St. Leonhard Hilfarth, St. Dionysius Doveren, St. Lambertus und Barbara Hückelhoven, St. Josef Altmyhl, St. Bonifatius Schaufenberg, Herz-Jesu Rurich, St. Johannes d. Täufer Ratheim und St. Brigida Baal werden die Gläubigen heute und morgen darüber offiziell unterrichtet. Als Geistlicher für die Katholiken im gesamten Stadtgebiet Hückelhoven steht dann lediglich Pater Anton Steinberger von der Ordensgemeinschaft der Salesianer als Pfarrvikar am Altar.

Der Bitte zugestimmt

Sowohl Gottfried Maria Graaff, der seine Funktionen als Pfarrer in Gangelt und als Regionaldekan weiterhin ausüben wird, als auch Pfarrer José Kallupilankal geben „gesundheitliche Gründe“ für ihre Entscheidung an. „Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Graaff. „Aber die Fülle der Aufgaben hat uns beiden gesundheitlich so zugesetzt, dass wir uns zu diesem Schritt genötigt gefühlt haben.“ Zwei Krankenhausaufenthalte bei ihm und bei seinem Kollegen Kallupilankal seien letztendlich ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen.

„Fast zeitgleich haben wir beide völlig unabhängig voneinander das Gespräch mit unserem Personalchef, Domkapitular Heiner Schmitz, gesucht und ihm diese Bitte unterbreitet“, betont Gottfried Maria Graaff im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieser Bitte habe Bischof Heinrich Mussinghoff „sofort zugestimmt“.

„Ich war anfangs für Brachelen und Rurich zuständig“, sagt José Kallupilankal, der im Mai 1999 seiner Dienst als Pfarrer dort antrat. „Dann kam Hilfarth dazu, dann Baal und dann noch Doveren. Und überdies seit einem Jahr auch die Leitung der GdG Hückelhoven. Das war einfach zu viel.“ Eine ähnlich Anhäufung von Aufgaben im Laufe der Jahre beschreibt auch Regionaldekan Graaff: Er sei inzwischen in „über 20 Gremien und Räten fest verankert, und zwar meist als Leiter“. Der Schwerpunkt seiner Aufgaben als Geistlicher liege inzwischen eindeutig in der Administration, also in der Verwaltungsarbeit. „Ja, ich habe die zusätzliche Dreifachbelastung als Pfarradministrator, Pfarrvikar und Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Hückelhoven unterschätzt. Oder andersrum: Ich habe meine Kräfte überschätzt“, sagt Graaff, der im kommenden Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Von den 71 Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) im Bistum Aachen sind mit Hückelhoven nun fünf ohne leitenden Pfarrer. „Fusionen“, sagt der Regionaldekan, „sind unausweichlich. Wir müssen die Strukturen noch weiter anpassen.“

Wie wird es weitergehen in den Pfarren der GdG Hückelhoven? „Die in Aachen nehmen das zur Kenntnis, viel mehr macht der Bischof doch nicht. Der schickt uns einen von den Priestern, die er in Kolumbien ausbildet. Der kommt dann hierher, wo ihn kein Mensch versteht“, sagt einer, der in der GdG Hückelhoven aktiv ist, aber lieber nicht genannt werden möchte.

Natürlich kursieren auch Namen: Klaus Jansen, bis vor kurzem Pfarrer in Ratheim, wird dabei genannt. Nach seiner Genesung könnte er eine neue Aufgabe suchen; er wohnt in Ratheim. Oder Georg Neumann: Von dem Doverener weiß man, dass es ihn zurück zieht aus dem Bistum Würzburg nach Hückelhoven. „Ja“, sagt Regionaldekan Graaff, „das sind durchaus zwei Optionen“.

Und er fügt hinzu: „Es sieht nicht danach aus, dass wir untergehen. Aber wir müssen neue Strukturen finden.“

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