„Aus voller Fahrt – Kevin“ gewinnt beim Schülerfilmfestival NRW

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
4630883.jpg
Kevin Wolters in seinem „ausgezeichneten“ Beitrag. Zunächst war die Idee nur als Theaterstück umgesetzt worden, doch wegen der Nachhaltigkeit sollte später sogar ein Film daraus werden.
4628624.jpg
Simon Lennartz, Schulleiterin Annegret Krewald und Michael Okuhn (von links) präsentieren stolz den preisgekrönten Film. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Der stellvertretende Leiter der Direktion Verkehr, Michael Okuhn, erinnert sich noch gut: „Als ich die Drehbücher der vier Hauptdarsteller gelesen habe, bekam ich Gänsehaut.“ Vielleicht ist es der Jury ja ähnlich gegangen, die jetzt über die Qualität des Vier-Episoden-Films entscheiden musste. In die Endausscheidung des Schülerfilmfestivals NRW hatten es insgesamt 14 Filmbeiträge von zwölf Schulen des Landes geschafft.

Und den ersten Preis räumten Schüler eines kleinen Filmprojekts des Kreisgymnasiums Heinsberg ab. Für den bedrückenden Kurzfilm (eine Episode) „Aus voller Fahrt – Kevin“ erhielten so höchstes Lob und die Möglichkeit zu einem Blick hinter die Kulissen der Filmstudios in Babelsberg. Die Projektgruppe setzte das Thema Geschwindigkeitsrausch am Steuer filmisch um, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu bemühen. Aus zwei verschiedenen Perspektiven der Protagonisten Kevin und Hermann spielten sie die fiktive Verwicklung in einen Verkehrsunfall nach.

Der prämierte Film überzeugte die Jury vor allem durch die präzise Montage, die effektvolle Off-Stimme und die schauspielerische Leistung des Protagonisten. Das Pendant zu diesem Werk – „Aus voller Fahrt – Hermann“ – erhielt überdies eine lobende Erwähnung, über die sich Hermann Ziege besonders freuen durfte.

Entstanden war die Idee schon im Jahr 2009, erklärt Okuhn. Zunächst jedoch lediglich als Theaterprojekt. „Ich habe damals im Herbst bei Frau Krewald Klinken geputzt.“ Hintergrund sei ein immenses Problem mit Unfällen junger Leute im Kreis Heinsberg gewesen. Im Verhältnis zu 47 anderen in NRW habe der Kreis Heinsberg stets die traurigsten Plätze in der Statistik eingenommen. Vielleicht spielte die ländliche Region an sich hier eine Rolle, meint Okuhn. „Die vielen freien Strecken vermitteln den subjektiven Eindruck, sicher zu sein.“

Natürlich sei auch eine gewisse Mobilität auf dem Land unabdingbar, dazu kämen natürlich generell bei den jungen Menschen mangelnde Erfahrung, verbunden mit der Fehleinschätzung eigener Fähigkeiten und sich verändernde hormonelle Dispositionen im Heranwachsendenalter. Ob diese Aufzählung jedoch umfassend die Ursachen beschreibt, vermag der Polizist nicht zu sagen: „Wenn wir es genau wüssten, wären wir glücklich, weil wir da den Hebel ansetzen könnten.“

Mit dem Vorschlag zu einer alternativen Verkehrsaufklärung in Form eines Theaterstücks brauchte Okuhn bei der Leiterin des Kreisgymnasiums, Annegret Krewald, denn auch auch keine dicken Bretter zu bohren. „Man muss mit den Jugendlichen etwas gemeinsam machen. Es reicht nicht, dass Erwachsene Vernunft predigen, das funktioniert nicht“, meint sie. Junge Leute sollten das Thema rund um die Gefahren im Straßenverkehr selbst an junge Leute kommunizieren.

Mit Norbert Paffen im Bereich Theater und Felix Partenzi im Bereich Film hatten die Schüler, die am Projekt teilnahmen, dann auch gleich die richtigen Mentoren. Im Vorfeld gab es zu dem mehrere Veranstaltungen, in denen die Darsteller an das Thema herangeführt wurden. So lernten sie eine Mutter kennen, die ihre Tochter durch einen Unfall verloren hatte, sprachen mit einem Notfallseelsorger oder einem Notarzt. Auch ein gleichaltriges Mädchen, das um seinen Freund trauerte, der bei einem Unfall ums Leben gekommen war, berührte sie sehr.

„Ich konnte mich gut mit meiner Rolle identifizieren“, erzählt der Gewinner des Filmpreises, Kevin Wolters. „Da ich das Stück beziehungsweise das Drehbuch geschrieben und mich selbst gespielt habe, konnte ich die Handlungen meiner Rolle durchaus nachvollziehen.“ Im Film gehe es um den Wunsch, auf der Landstraße beim schnellen Fahren Dampf abzulassen. „Dabei soll es noch nicht einmal ums Rasen gehen“, sagt Kevin. „Doch durch Traktoren, Radfahrer und langsame Autofahrer läuft man schnell Gefahr, ungeduldig zu werden. Dazu kommt ein Tag, an dem einfach alles schief geht.“ Die Zuschauer, „Jugendliche unseren Alters“, sollten sich in der Rolle wiedererkennen können. Die Hauptaussage: Unfälle haben nicht immer nur die Anderen. Wer einen schlechten Tag hatte, will vielleicht einfach Luft ablassen und überschätzt sich. Und nicht immer geht das gut.

Nur noch einer der Filmschaffenden besucht derzeit das Kreisgymnasium, die Übrigen haben ihr Abi bereits in der Tasche. Simon Lennartz hatte bei den Dreharbeiten an der Kamera gearbeitet und den Film am Computer geschnitten. „Ich fand es sehr gut, dass er einen Monolog der Darsteller zeigte, das war einfach noch drastischer, als wenn man einfach eine Dokumentation gedreht hätte“, glaubt er.

Und wie hat sich Kevin gefühlt, als er von seinem ersten Preis erfuhr? „Ich habe nicht im Geringsten damit gerechnet, weshalb ich, als der Anruf kam, alles für einen schlechten Witz gehalten habe. Erst beim zweiten Anruf habe ich realisiert, dass ich gewonnen habe. Es hat circa zwei Tage gedauert, bis ich anfing, stolz darauf zu sein, bei einer Auswahl aus ganz NRW den ersten Platz belegt zu haben. Als ich die Begründung der Jury las, wurde mir erst richtig bewusst, was wir alle geleistet hatten. Heute bin ich froh, bei diesem Projekt mitgemacht zu haben und dass es anscheinend gut gelungen ist. Dass ich Gewinner eines Filmfestivals bin, genieße ich aber eher im Stillen, nicht viele wissen bis jetzt Bescheid.“

Na, das wird sich nun sicher ändern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert