Auftakt des Straßenkarnevals: Möhnen ohne Prinz, aber mit Rammbock

Von: hewi/bast/koe/wo
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Die Stadtoberen wurden in Erkelenz als Möhne verkleidet von den jecken Wievern aus dem Alten Rathaus entführt und in Ketten unter großer Anteilnahme der nur spärlich kostümierten Zuschauer zum Auftakt des Straßenkarnevals pünktlich um 11.11 Uhr auf die Bühne am Markt gebracht. Foto: Koenigs

Heinsberger Land. Alle Jahre wieder... strömen die Jecken in Erkelenz zum Markt, um den Politikern bis Aschermittwoch die Macht aus den Händen zu reißen.

Am Donnerstag rückten die Möhneleut´, diesmal ohne einen Prinzen, direkt mit einem Rammbock vor dem Alten Rathaus an und verkündeten: „Wir übernehmen das Regiment!” Nach wenigen Minuten führten sie den gefangenen Bürgermeister und den Rat ab zur Bühne, wo etliche Jecken darauf warteten, dass der Straßenkarneval offiziell eingeläutet wurde.

Die CDU-Fraktion hatte sich schon vorher ausgeklinkt und präsentierte sich als „Schwarze Stadtgarde” mit einem eigenen Dreigestirn: Anne Dulies als Prinz, Kerstin Schaaf als Jungfrau und Karin Mainka als Bauer. Auch ein eigenes „Mariechen” hatten sie in der Person von Theobert Bläsen dabei.

Bürgermeister Peter Jansen und seine Mitstreiter aus der Verwaltungsspitze hatten sich vorsorglich als „Möhne-Prototypen” in blau und weiß verkleidet. Nachdem die Möhnen ihm den Stadtschlüssel entrissen hatten, wurde Jansen auf einer Waage in Kamelle aufgewogen.

Bei närrischen 111 Kilogramm ging der süße Gegenwert zum fröhlichen Bürgermeister aus. Immerhin schätzte ihn eine der Zuschauerinnen auf stattliche 140 Kilo, was aber sicherlich durch das unvorteilhafte Möhnekostüm zustande kam.

Wie jedes Jahr versammelten sich zahlreiche Jecken vor dem Rathaus in Wegberg. Aber irgendwie war es anders als sonst. Vor dem Eingang prangte ein unübersehbares Schild mit der Aufschrift „Als Frau stand Hedwig ihren Mann, mal seh„n, was der/die Nächste kann”. Zum letzten Mal erklang aus vielen Kehlen der Ruf: „Hedwig, ergib dich!”.

Und dann erschien sie im Tross ihres weiblichen Verwaltungsgefolges in schwarzem Anzug, rotem Hut und weißem T-Shirt, auf dem zu lesen war: „Mein Herz schlägt für Euch!” Präsidentin Sonja Rotter hatten den Wartenden kräftig eingeheizt und erklärt, dass in Wegberg auch ohne Prinzenpaar zünftig gefeiert wird und erhielt schließlich die Stadtschlüssel.

In Ratheim hieß das Motto bei der Rathausstürmung „Frauen an die Macht, der Bernd, der wird jetzt platt gemacht”. Hückelhovens Bürgermeister ließ sich nicht einschüchtern: „Den Spruch kenn ich von zu Haus”. Und außerdem war er auf den Ansturm der Jecken bestens vorbereitet. Kleine Feuerwehrmänner scharten sich um das Stadtoberhaupt und waren bereit, ihren Bürgermeister zu verteidigen.

Dagmar Fister von der RKG All onger eene Hoot begrüßte die Narren auf dem Rathausplatz, insbesondere das Kinderprinzenpaar Vanessa III. und Sebastian III. vom Roathemer Wenk. In Ermangelung eines eigenen Prinzenpaares habe man sich die beiden bei den „Roten” ausgeliehen. Versöhnliche Töne am Anfang sollten den Bürgermeister zur Aufgabe der Macht bewegen.

Er solle einfach mal Urlaub machen, lockte ihn Dagmar Fister. Es entwickelte sich ein munteres Hin und Her -Êund am Ende hatten natürlich die Narren gesiegt.

Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel, als die vereinte Wassenberger Narrenschar sich pünktlich um 15.11 Uhr auf dem Rosstorplatz anschickte, das Alte Rathaus zu erstürmen. Angeführt wurde sie von der KG „Kongo” aus Wassenberg und dem Uschbecker Karnevalsverein (UKV) mit ihren Dreigestirnen sowie der KG „Effelder Kaffeemänn” mit ihrem Prinzenpaar.

Zwanzig Minuten lang duellierte sich Bürgermeister Manfred Winkens wortgewandt. „Rosengarten, Gondelweiher und Pontorsonplatz, die sind für Wassenberg ein großer Schatz”, wehrte er sich gegen die lauten Vorwürfe aus Kongo-Reihen, der Stadt fehle ein Tourismuskonzept. Und kündigte sogar eine Überdachung für den Rosstorplatz an - zum wetterfesten Feiern.

„Effeld ist das Herz der Stadt, immer nur Wassenberg haben wir satt”, mischte sich dann Prinz Gerd I. (Korsten) ins Geschehen ein. Nach 20 Minuten gab Winkens auf. „Die Narren ziehen ins Rathaus ein, wir gehen ins Zelt, das ist doch fein.” Zuvor sangen die Uschbecker noch ihr Jubiläumslied zum 4x11-Jährigen.
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