Aufsteller in der City als Unsinn bezeichnet

Von: Rainer Herwartz
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Die Aufsteller in der Heinsberger Hochstraße sind dem Unternehmensberater Arnd Roszinsky-Terjung ein Dorn im Auge. Foto: Rainer Herwartz
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Die Aufsteller in der Heinsberger Hochstraße sind dem Unternehmensberater Arnd Roszinsky-Terjung ein Dorn im Auge. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Innovative Produktentwicklungen, die in einem zum Teil mörderischen Wettkampf stehen, geändertes Käuferverhalten, neue Trends und neue Märkte stellen den Einzelhandel in den Städten vor große Herausforderungen. Wer in diesem Wettlauf um die Gunst der Kunden bestehen will, darf die Zeichen der Zeit nicht verschlafen.

 Das haben auch die Einzelhändler in Heinsberg erkannt und stellten sich jetzt selbst die Frage: Sind wir fit für die Konsumenten von heute? Der Unternehmensberater Arnd Roszinsky-Terjung, der sich auf Einladung des Gewerbe- und Verkehrsvereins in der Kreisstadt umsah, sollte die Antwort geben. In der Stadthalle präsentierte er jetzt den Mitgliedern des G & V seine Erkenntnisse.

Im Hinblick auf die Vielfalt des Angebotes sei Heinsberg durchaus in einer beneidenswerten Lage, erklärte Roszinsky-Terjung im Gespräch mit unserer Zeitung. Das hätten ihm auch die Passanten bestätigt, die er bei seinem Besuch im Februar befragte. „Es sah nach einem sonnigen Tag aus, aber ich wurde von einer eisigen Kälte überrascht“, erinnert er sich. Letzteres bezog sich selbstredend ausschließlich auf die Witterungsverhältnisse.

Was bringt Sie nach Heinsberg? Wo kommen Sie her? Wohin fahren Sie sonst noch zum Einkaufen? Welche Unterschiede haben Sie festgestellt? Besonders ergiebig sei die Befragung nicht gewesen, sagt der Unternehmensberater. Unterm Strich habe sich herausgestellt, dass die meisten Kunden aus der näheren Umgebung stammten und im Großen und Ganzen mit dem Angebot in der City zufrieden waren.

Der studierte Soziologe und Germanist, der seit mittlerweile 30 Jahren vor allem für Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum tätig ist, hat bei den Geschäften in der Innenstadt dennoch „starke Unterschiede in der Qualität des optischen Auftritts“ festgestellt. „Anziehungs- und Aufenthaltsqualität ist bei den Filialisten schon auf hohem Niveau. Der Nachholbedarf besteht darin, dass sich manche Händler, was die Seh- und Kaufgewohnheiten angeht, noch nicht so auf die Kunden von heute eingestellt haben.“ In den Köpfen müsse sich die Erkenntnis breitmachen, dass Läden keine bloßen Warenlager mehr sein dürften, sondern einen hohen visuellen Reiz benötigten. „Kunden möchten Neues kennen lernen, sich aber nicht an den Sortimenten abmühen.“ Es reiche einfach nicht mehr, möglichst viel Ware in die Regale zu stopfen, so dass sich die Kunden kaum noch trauten, ein Teil herauszuziehen, vor lauter Angst, dass der ganze Stapel auf den Boden falle.

Design und Haptik seien hier Schlüsselbegriffe, die berücksichtigt werden müssten. Schließlich sei der eigentliche Bedarf an vielen Dingen ja oft schon befriedigt. „Es geht daher vor allem um eine emotionale Bereicherung, die die Menschen suchen.“ Da könne es auch schon einmal von Vorteil sein, die Produktanzahl lieber zu reduzieren. „Mehr Auswahl und mehr Durcheinander bedeuten Stress fürs Hirn, eine verschenkte Chance für den Händler.“ In diesem Bereich gebe es auf der Hochstraße „eine harte Diskrepanz“, erklärt der 63-Jährige. „Diese Heterogenität wird aber zum Problem für alle.“

Roszinsky-Terjung spricht in dem Zusammenhang von einer Anspruchsrevolution, die durch das Internet ausgelöst worden sei. Der Informationsvorsprung der Händler sei geschrumpft. Deshalb müssten die Stärken der Händlerschaft vor Ort in den Mittelpunkt gerückt werden. Produkterlebnis und Stimulanzeffekte seien nur hier gegeben. Der Erfolg von großen Einkaufszentren beruhe letztlich auf dem Wechselspiel von Vielfalt, verlässlichen Überraschungen, Gastronomie und spektakulärer Architektur. „Viele Kunden haben daher gewisse Standards im Kopf“, glaubt Roszinsky-Terjung.

Die vielen Plastikständer auf der Hochstraße sind ihm geradezu ein Dorn im Auge. „Sie sind wahrnehmungspsychologisch völliger Unsinn, weil die Leute nicht in die Stadt kommen, um Schilder zu lesen, sondern um Produkte zu entdecken. Das ist die Aufgabe der Schaufenster und Eingangspassagen. Wenn es hier mangelt, kann man das nicht mit einem Aufsteller therapieren.“ Es gehe darum, dass die Geschäfte klare Botschaften senden. „Es gibt Läden in Heinsberg, die sind gar nicht identifizierbar im Hinblick auf ihre Leistung. Hier fragt sich der Kunde, was bieten sie mir eigentlich?“

Die Größte Chance sieht der Unternehmensberater für die Heinsberger Innenstadt in einem möglichen Rundlauf zwischen Hochstraße, Apfelstraße und Liecker Straße. „Es ist ein Arrangement, um das man Heinsberg beneiden kann.“ Und da bezieht der Experte ausdrücklich die oft monierte Parksituation mit ein. Denn, egal wie nun der Bezahlmodus hier aussehe, in anderen Städten sei eine solche Konstellation mit den Stellplätzen gleich nebenan überhaupt nicht gegeben.

Und wie haben es die Heinsberger Einzelhändler aufgenommen, dass ihnen ein Experte den Spiegel vorhält, der auch die Schwachstellen aufzeigt? Gewerbevereinsvorsitzender Peter Gering berichtet am Ende nur von „einer positiven Resonanz“. Nun bleibt abzuwarten, ob in absehbarer Zeit erste Veränderungen sichtbar werden.

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