Auf Tour mit Bernd Krückel durch seinen Wahlkreis

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
14526281.jpg
Wahlplakat von Bernd Krückel am Ortsausgang seines Heimatdorfs Waldenrath. Foto: Jan Mönch
14525923.jpg
Im Fokus: Bernd Krückel (2.v.l.) mit seinem Parteifreund Wilfried Oellers aus dem Bundestag, Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek, NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) und dem Bundestagsabgeordneten Norbert Spinrath (SPD, v.l.).

Kreis Heinsberg. Die Bundesstraße 56n wird an einem Frühlingstag eröffnet, der sich anfühlt wie ein Tag im Herbst. Trotzdem ist die Brücke voll mit Menschen, die gekommen sind, um sich unter grauem Himmel über den frischen Asphalt zu freuen. Das Projekt war seit Jahrzehnten im Gespräch, dass die Eröffnung ausgerechnet anderthalb Wochen vor der Landtagswahl stattfindet, ist bestimmt reiner Zufall.

Es werden zahlreiche Scheren an die Politprominenz ausgegeben, die das Band nicht nur zerteilt, sondern regelrecht in Stücke schneidet. Ein Teil des Bandes hält Bernd Krückel in der Hand, der kommende Woche zum vierten Mal für die CDU in den Landtag einziehen will.

Bei den drei vergangenen Wahlen setzte er sich in der Direktwahl unter anderem gegen Ursula Meurer durch, dieses Mal heißt sein Konkurrent von der SPD Christoph Grundmann. Wenige bezweifeln, dass Krückel wieder obsiegen wird. Er selbst drückt es etwas vornehmer aus: „Ich bin zuversichtlich.“ Bei den Zweitstimmen sieht er seine Partei hingegen in einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“.

Es versteht sich von selbst, dass Bernd Krückels Terminkalender dieser Tage voll ist, Politiker können sich vor Einladungen von Unternehmern, Vereinen und Interessengemeinschaften kaum retten. Am Morgen dieses Herbsttages mitten im Frühling war Krückel schon beim Verein gegen Armut und Arbeitslosigkeit in Oberbruch, Amos e.V., der letzte Termin am Abend wird eine Bürgerversammlung in Birgden sein.

Nicht verpasst werden darf natürlich der Termin an der B56n, der ja geradezu historisch ist, Planung und Umsetzung des Projekts haben eine gewaltige Zeitspanne in Anspruch genommen. Richtig konkret wurde es zur Jahrtausendwende, Bernd Krückel war damals noch weit vom Landtag entfernt. Seit langem in der CDU engagiert, hatte er schon einige innerparteiliche Niederlagen einstecken müssen. Mit seinen Bewerbungen um den Heinsberger Stadtverbandsvorsitz und die Kreistagsreserveliste scheiterte er, auch aus seiner angestrebten Landtagskandidatur 2000 wurde nichts. Vor den Wahlen 2005 entschied die CDU dann: Bernd Krückel soll ran. Er holte auf Anhieb 60,2 Prozent der Stimmen. Es klappte doch noch mit der Berufspolitik.

Seitdem hat sich viel geändert, auch im ländlichen Raum sind Wahlen für die CDU nicht mehr die Selbstläufer, die sie einmal waren. In Geilenkirchen demütigte sie zuletzt ein Einzelbewerber im Rentenalter bei der Bürgermeisterwahl. Und Bernd Krückel? Der gewann zwar auch die Landtagswahlen 2010 und 2012 noch immer deutlich, aber eben weit weniger deutlich als 2005. 46,3 Prozent der Wähler gaben ihm 2012 noch die Erststimme.

Aus der Ruhe bringt ihn das nicht. „Das Ergebnis beim ersten Mal hatte ich vielleicht nach oben hin nicht verdient. Das vom letzten Mal nach unten hin nicht“, sagt Krückel, 52 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder, mit augenzwinkernder Gelassenheit. 50 Prozent der Stimmen plus eine wären sein Wunschergebnis für kommende Woche.

Wahlergebnisse von über 60 Prozent werden nicht nur in CDU-nahen Regionen seltener. Die SPD sieht sich im traditionell roten Ruhrgebiet mit demselben Phänomen konfrontiert. Die Frage, über die sich nun trefflich streiten ließe, ist die, ob das an der Politik liegt oder am Wähler. Eine Veränderung jedenfalls glaubt Bernd Krückel erkannt zu haben: „Die Leute verzeihen weniger als früher“, sagt er. Gehe ihnen etwas gegen den Strich, sei bei manchem die Wahlentscheidung sogleich gefallen. Er schlägt den Bogen zurück zur B56n: „Da wurden die Leute immer mitgenommen. Deshalb ist auch nicht geklagt worden, auch nicht von den Landwirten.“

Genau die protestieren bei der Eröffnung mit einem Spruchband. Nicht gegen die Straße, sondern für einen Wildschutzzaun entlang derselben. „Die haben doch Recht“, sagt Krückel, während ihm der Wind durchs Haar pfeift. „Ich habe die Landwirte sogar ermuntert, zur Eröffnung zu kommen.“ Dass bei einem 90-Millionen-Euro-Projekt am Ende ein paar Tausender für den Zaun fehlen, das könne nicht sein.

Mit Geld kennt Krückel sich als Diplom-Kaufmann aus, er sei der einzige Steuerberater im Landtag, sagt er. Ehrenamtlich engagiert er sich hingegen auf dem Gebiet der Pflege, weshalb es auch kein Zufall ist, dass sein nächster Termin fast in Sichtweite zur B56n stattfindet: im Haus Waldenrath, einem als gemeinnützige GmbH betriebenen Alten- und Pflegeheim. Mit dabei sind nun sein Landtagskollege Bernhard Tenhumberg, Landtagskandidat Thomas Schnelle aus dem Nachbarwahlkreis Heinsberg II und Bundestagsabgeordneter Wilfried Oellers (alle CDU), der spontan von der B56n mit rübergekommen ist. So viele Politiker, ein ziemlich guter Tag für das Heim. Es gibt Spargel mit Schinken und Kartöffelchen.

Für Bernd Krückel ist es ein Heimspiel, er ist in Waldenrath aufgewachsen, und als er seine Parteifreunde mit der Heimleitung bekannt macht, verfällt er in den Dialekt mit leichtem niederländischen Einschlag, den man in Selfkantnähe häufig hört. „Ich wohne gegenüber“, sagt er zu Bernhard Tenhumberg, und spricht „gegenüber“ aus wie „gegenüberch“.

Noch interessanter ist, dass Bernd Krückel öfters auch gar nichts sagt, was vielen Politikern bekanntlich schwerfällt. Stattdessen hört er sich an, was Geschäftsführer Volker Kratz und Pflegedienstleiterin Ursula Vollenbroich-Vogt zu erzählen haben. „Man ist gut damit beraten, nicht so zu tun, als ob man von allem Ahnung hätte“, sagt Krückel später im Gespräch mit unserer Zeitung. Er hat zwar seinen ersten Schülerjob im Haus Waldenrath gehabt und ist Ordensmitglied der Caritasschwestern vom Heiligen Josef, die seit einigen Jahren auch weltliche Mitglieder aufnehmen. „Aber gegenüber Fachleuten kommt man inhaltlich natürlich schnell an seine persönlichen Grenzen.“

Dass er gerne Berufspolitiker werden wollte, wusste Bernd Krückel übrigens schon als sehr junger Mann. Mit 18 nahm er an dem Planspiel Jugend und Parlament teil, danach sei ihm klar gewesen, dass er in den Bundestag will, erinnert er sich. Nun ist es eben Düsseldorf geworden. 2013 habe er noch einmal über Berlin nachgedacht, sich aber dagegen entschieden. „Ich hatte im Landtag mittlerweile meine Themen und Gebiete“, sagt Krückel. Düsseldorf und Berlin gefallen ihm übrigens gleichermaßen eher wenig. Die „hauptstädtische Arroganz“, sagt Krückel, „ist mir zuwider“. Welche Großstadt darf es denn sein? „Also wenn, dann München.“ Auch das klingt nicht nach echter Begeisterung, sondern eher nach einem, der sich auch nach vielen Jahren in der Landespolitik auf dem Land am wohlsten fühlt.

Dazu passt auch Krückels Antwort auf die letzte Frage, was denn die Landespolitik ausmache. „Vieles von dem, was wir machen, kommt auch in den Kommunen an.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert