Auf Stippvisite bei Oma im Altenheim

Von: kalauz
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Kein Bild mit Seltenheitswert: Kinder der Kindervilla in Brachelen sind jede Woche zu Besuch bei den Senioren im Haus Berg in Brachelen. Foto: kalauz

Hückelhoven-Brachelen. Es wird viel geredet über die Alterung unserer Gesellschaft: Immer weniger junge Menschen haben die Rentenlast der alten Menschen zu tragen. Gerade jetzt bei der aktuellen Diskussion um die Rente mit 63 ist das Thema wieder in aller Munde.

Sicher auch, weil die Frage, ob das „gerecht“ ist, schnell zu der Möglichkeit nach aufkommenden sozialen Spannungen in unserer Gesellschaft führt. Im Kreis Heinsberg hat man auch deshalb eine „Stabsstelle Demografie“ eingerichtet – ein Begriff, der eher militärisch klingt und dem Problem eine strategische Bedeutung zumisst.

Es gibt freilich auch schon kleine, fast zaghafte Schritte, die – um im Begrifflichen zu bleiben – als eine „Deeskalationsstrategie“ gewertet werden können. Für Entspannung im aufkommenden Generationenkonflikt sorgen in Brachelen ganz konkret die Kinder der Kindervilla. Eine „Abordnung“ von ihnen nämlich macht sich an jedem Donnerstag auf und besucht Senioren im Altenwohnheim Haus Berg.

Toleranz festigen

Hella Heuter-Heitzer ist die Leiterin der Kindervilla in Brachelen und sagt, warum sie diese regelmäßigen Stippvisiten als Teil des pädagogischen Konzeptes ihres Zweigruppen-Kindergartens versteht: „Oma und Opa sind heute nicht mehr wie früher ganz normaler Bestandteil der Familie, nicht mehr in den Alltag der Familie integriert.

Die Besuche im Altenwohnheim sind wichtig für die sozial-emotionale Förderung der Kinder, sie fördern das Verständnis der Kinder für das Leben derjenigen, die gesellschaftlich nicht mehr aktiv mitwirken, die aber gleichwohl ein wesentlicher Bestandteil dieser Gesellschaft sind“. Akzeptanz, sagt sie, sei ein wichtiger Erziehungsstil. Die Wertschätzung des Alters trage dazu bei, Verständnis zu fördern und Toleranz zu festigen.

Von einer „Win-Win-Situation“ spricht Yvonne Criens. Sie ist Koordinatorin des Sozialen Dienstes der St.-Gereon-Seniorendienste und Initiatorin des Projektes „Generationen verbinden“. Von den Besuchen der Kinder profitieren also beide Seiten, die Kinder wie die Senioren? „Ja, unbedingt“, sagt sie bestimmt.

„Die Kluft zwischen den Generationen wird immer größer. Familienmitglieder sehen sich nur sehr unregelmäßig. Oft wohnen sie weit voneinander entfernt, so dass nur Feiertagsbesuche die Regel sind“, sagt sie. Und fügt hinzu: „ Wenn ich von Kluft spreche, sehe ich dies nicht nur in Bezug auf die örtliche Entfernung, sondern auch in dem, was die sozial-emotionale Bindung zu einander betrifft. Wir möchten Generationen wieder zusammenbringen.“

Kluft verkleinern

Wenn die Kinder aus dem Kindergarten in das Altenwohnheim kommen, betreten sie eine andere Welt. „Aber die Barrieren fallen schnell“, sagt Hella Heuter-Heitzer. Die Kleinen lernen von den Alten alte Lieder kennen („Neulich haben sie ,Alle Vögel sind schon da‘ als Kanon einprobiert“); es werden Modenschauen geplant, bei denen man sehen kann, wie sich die Menschen früher gekleidet haben und was sie heute anziehen; man kocht und geht dafür zusammen regionale Produkte einkaufen; man spricht darüber, was Altsein und alt werden bedeutet; die Senioren erzählen oder lesen den Kindern Geschichten vor.

„Das alles sind Dinge, die die Wertschätzung der Kleinen vor den Senioren und vor dem Alter steigern“, sagt die Kindergartenleiterin. „Das Miteinander wird so selbstverständlich, dass daraus ein Füreinander wächst“, ergänzt Yvonne Criens.

Im Rahmen ihres Projektes „Generationen verbinden“ besuchen nicht nur die Kinder der „Kindervilla“ die Bewohner im Haus Berg regelmäßig: Zweimal im Jahr sind auch die Schüler der Grundschule Brachelen im Altenheim zu Gast, der Kindergarten St. Gereon kommt alle drei Monate ins Heim. „All das sind Bausteine in unserer Strategie, um die größer werdende Kluft zwischen den Generationen ein wenig zu verkleinern“, sagt Yvonne Criens.

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