Auch ohne Sehkraft: Ein Herz für Tschernobyl-Kinder

Von: Markus Bienwald
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Karl-Heinz Welter, Betreuerin Nina Koposkoba, Maria Sylvia Welter-Ortmanns und der stellvertretende Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins, Wilfried Butzheim (hinten, v.l.), nehmen die Kinder Veronika, Deria und Bagdana (vorne,v.l.) in Empfang. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Eine schöne Zeit beim Sommerfest des Blinden- und Sehbehindertenvereins in der Nikolaus-Becker-Stube zu verbringen, das gefällt Maria Sylvia Welter-Ortmanns. Doch Maria, wie sie hier alle nur nennen, hat ihr Herz nicht nur dem Vereinsleben geöffnet. Sie kümmert sich auch seit beinahe 20 Jahren um Kinder, die von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl noch immer betroffen sind.

„1996 habe ich damit angefangen“, blickt sie zurück. Damals wurden ihre eigenen Kinder „etwas flügger“, wie sie lächelnd sagt, und da hat sie das erste Kind aus der Gegend um Tschernobyl bei sich aufgenommen.

Dort kam es am 26. April 1986 zu einer verheerenden Explosion in Block vier des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypiat. „Die Menschen dort leiden bis heute an den Folgen der Reaktor-Katastrophe“, weiß sie. Und sie weiß auch ganz genau, wie gut sich das hiesige Klima, die unbelastete Luft, das saubere Wasser und vor allem auch die gesunden Nahrungsmittel auf den Organismus der jungen Menschen auswirken. „Nach nur vier Wochen in Deutschland verbessern sich die Blutwerte schon sehr deutlich“, freut sich Maria Welter-Ortmanns.

Vier Wochen und 20 Jahre sind aber nur zwei wichtige Zeiträume im Leben von Welter-Ortmanns. Denn seit drei Jahren ist die ursprünglich als Sehende zum Verein gestoßene Selfkänterin blind. Nach einer OP war ihr Augenlicht erloschen, das Feuer der Hilfe für die Kinder aus dem Osten Europas brannte aber lichterloh. Natürlich hätte sie sagen können, dass ihre Behinderung es ihr nicht mehr ermöglicht, die Kinder aufzunehmen. Doch es ging weiter mit der Hilfe. „Bis zu acht Kinder haben wir jedes Jahr zu Gast“, sagt Welter-Ortmanns, „dazu waren wir schon sechs Mal bei den Kindern zu Besuch“.

Die nächste Fahrt ist für den Oktober geplant, dann soll es eine größere Lebensmittel-Hilfsaktion werden, bei der sie natürlich dabei ist. Die Kontakte, die über die Begleiterin Nina Koposkoba gehalten werden, haben inzwischen zu einem sehr familiären Verhältnis zwischen dem Westen Deutschlands und den Menschen in den betroffenen Gebieten geführt. „Wir unterhalten uns per Skype, und auch, wenn ich sie nicht sehen kann, ist es doch schön, die Stimmen der Menschen zu hören“, berichtet sie.

Natürlich sei es noch einfacher gewesen, als sie noch sehend war, sagt sie auch. Aber die Hilfe so einfach einzustellen, das kam für die sympathische Frau nicht in Frage. Und sie freut sich, dass sie den Kindern Veronika, Deria und Bagdana wieder ein Stück deutscher Gastfreundschaft zeigen kann. Dass der Gegenbesuch kommt, dafür ist übrigens gesorgt.

Auf jeden Fall hatten sie mit den weiteren rund 50 Gästen beim Sommerfest so richtig viel Spaß und genossen die leckeren Speisen und die Gemütlichkeit unter freiem Himmel.

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