Archäologische Spurensuche an der B221n

Von: Johannes Bindels
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Fotomodell der steinigen Art: Ausgrabungsleiter Johannes Englert vom Amt für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland hat zur Exkursionswanderung des Heimatrings Myhl-Altmyhl ein archäologisches Fundstück, einen Steinaxt-Splitter, mitgebracht. Foto: Bindels
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Viele Neugierige wollten erfahren, was die Archäologen gefunden haben bei den Grabungen im Zuge des Neubaus der B221n bei Wassenberg Myhl. Foto: Bindels

Wassenberg-Myhl. Rund 50 Interessierte hatten sich zur Exkursionswanderung mit Johannes Englert vom Amt für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland (LVR) und dem Heimatring Myhl-Altmyhl mit Herbert Theißen eingefunden. Exkursionsziele waren archäologische Ausgrabungsfundorte im Umfeld und im Besonderen der Streckenführung B 221n, der neuen Umgehungsstraße Wassenbergs.

Erster Haltepunkt war die Ausschachtung für einen Brückenpfeiler der neuen Umgehungsstraße am Ende des Sendewegs. Hier wurde exemplarisch anhand der verschiedenen Bodenschichten sichtbar, wie bei archäologischen Untersuchungen ein Bodendenkmal erschlossen wird.

Johannes Englert erläuterte das Vorgehen der Archäologen anhand gebräuchlicher Fachbegriffe. Zunächst werde der Mutterboden abgetragen. Darunter befinde sich der Mischboden, der Fundstücke beinhalten könne, der jedoch durch Bearbeitung, Abschwemmung, angewehter Boden oberhalb der Zielschichten liegen könnte.

Graben bis zur Kulturschicht

Die Kulturschicht ist das Ziel der Ausgrabung. Sie kann einen großen Teil der Funde enthalten, die für die Bestimmung der jeweiligen geschichtlichen und durch Menschen beeinflussten Kulturperioden wichtig sind. Ist der sogenannte anstehende Boden erreicht, das ist natürlicher Boden wie Fels, der nicht durch Menschenhand beeinflusst wurde, dann werde nicht tiefer gegraben, betonte Englert.

Fundstücke und Fundorte würden sowohl farblich mit dafür bestimmten Farben auf einer Karte in der Fläche wie im Profilschnitt festgehalten.

Bevor ein Grabungsfeld durch Ausgrabungen erschlossen wird, werden schon vorhandene Fundinformationen mit zu Rate gezogen. Der gesamte Streckenverlauf könne nicht insgesamt untersucht werden. So entscheiden die zuständigen Ausgrabungsleiter an verschiedenen Stellen Stichproben zu machen.

Eine der Grabungen im Streckenverlauf der B221n zwischen Myhl und Gerderath mit der Bezeichnung NW 2016/1043 habe keinerlei Funde ergeben und sei mit einer Negativmeldung versehen worden. Der Bereich sei damit abgearbeitet und es lägen keine Vorbehalte gegen das Bauprojekt seitens der Bodendenkmalpflege mehr vor.

Anders seien die Erkenntnisse im Bereich des Grabungsfeldes zwischen Myhl und Altmyhl in Richtung Orsbeck gewesen, erläuterte Englert. Im Frühjahr 2017 sei in einer Breite von 50 Metern und einer Länge von rund 200 Metern ein Bereich des zukünftigen Streckenverlaufs untersucht worden. Dort seien unter der Bezeichnung NW 2017/1000 und NW 2017/1012 Siedlungsreste aus der jüngeren Bronzezeit entdeckt worden. Aufgrund früherer Fundorte aus den 1960er Jahren, in denen ein fränkisch-römisches Gräberfeld zugeordnet worden sei, wurden diese Erkenntnisse durch die neuesten Untersuchungen nicht bestätigt. Es konnten keine Belege aus diesem Zeitalter nachgewiesen werden.

Anhand der Kartierungen konnten die Exkursionsteilnehmer Fundstückverzeichnungen nachvollziehen. Highlight war ein geschliffenes Stück einer Steinaxt, welches Englert zur Anschauung mitgebracht hatte und das auf neolithische Besiedlung durch Menschen im Bereich Myhl-Altmyhl hinweise.

Zu den Merkmalen einer neolithischen Besiedlung gehöre der Hausbau, die Viehzucht, die Landwirtschaft und Keramikherstellung. Insgesamt Belege für die Sesshaftigkeit der Menschen in der Jungsteinzeit rund 8000 Jahre vor Christus. Die Fundstücke der Bronzezeit, die rund 2000 Jahre vor Christus begann, seien viel jüngeren Datums, betonte Englert.

Ergiebiger sei jedoch ein Grabungsfeld gewesen, das im Zuge des Baus der L 117n bei Faulendriesch erschlossen wurde. Dort sei ein Gräberfeld aus der Eisenzeit entdeckt worden, zeitlich um 750 Jahre vor Christus zugeordnet.

Wie sorgfältig die archäologischen Untersuchungen durchgeführt worden waren, konnten die Teilnehmer nicht nur an den kartierten Verzeichnissen nachvollziehen. Vom Grabungsfeld und seinen Profilen war nichts mehr zu entdecken. Auch dieser Bereich sei abgearbeitet und gegen die Bebauung beständen keinerlei Vorbehalte mehr, informierte Johannes Englert auf Nachfrage aus dem Teilnehmerkreis.

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