Arbeitstreffen: Blick auf Stärken und Schwächen richten

Von: Helmut Wichlatz
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Perspektiven, Probleme, Potenziale: In einigen Jahren liegt Venrath am Tagebaurand. Wie kann sich der Ort wappnen? Foto: Stefan Klassen
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Themen suchen, Chancen finden: Prof. Rolf Westerheide holte im Publikum Stimmen ein. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Venrath/Kaulhausen. Die Zukunftswerkstatt für die Orte Venrath und Kaulhausen hat begonnen. In einem ersten Arbeitstreffen kamen die Bewohner zusammen, um mit Uli Wildschütz vom Aachener Büro RaumPlan und dem Universitätsprofessor Rolf Westerheide ihren Orten auf den Zahn zu fühlen und Potenziale zu finden.

Das „Dorfinnenentwicklungskonzept“, wie der etwas sperrige Name lautet, wird im Rahmen des Landesprogramms „Ländlicher Raum“ gefördert. Am Ende soll ein Maßnahmenplan stehen, der die infrastrukturelle Situation in den beiden Orten am Tagebaurand so verändert, dass sie eine Zukunft haben. Dazu gehören Maßnahmen der Landschaftsgestaltung ebenso wie zur Förderung der Gemeinschaft vor Ort, des Bauens, Wohnens und Arbeitens am Tagebaurand.

Beide Ortschaften seien von den Auswirkungen des heranrückenden Tagebaus direkt betroffen. Die Maßnahmen sollten schon greifen und wirken, bevor der Bagger vor den Orten steht, betonte Westerheide beim Auftakt der Veranstaltung in der Gaststätte Bruns.

Für interessierte Beobachter, die einen der Planungsworkshops der Umsiedler aus Keyenberg und den anderen Orten besucht hatten, gab es zuerst nichts Neues. Denn am Anfang standen die Analyse der Stärken und Schwächen und die Suche nach dem, was erhalten bleiben sollte, und dem, was sich ändern sollte.

Neu war allerdings, dass bei den beiden Orten die Planung und auch die Maßnahmen nicht zum Umzug des Ortes führen. Neu war, dass der Planer Selbstkritik übte. „Wir haben gedacht, wir würden so etwas ähnliches wie ein Dorf hinbekommen“, erklärte er mit Blick auf die letzten bevorstehenden Umsiedlungen in Erkelenz. „Das haben wir nicht geschafft. Dörfer kann man nicht neu planen.“

Sein Kollege Wildschütz wies darauf hin, dass es trotzdem neue Strukturen gebe. Nachbarschaften zu anderen Dörfern fielen ebenso weg wie gewohnte Wegeführungen rund um die Ortschaften. „2030 ist der Bagger da, der See aber noch nicht voll“, erklärte er.

Daher müsse jedem klar sein, dass die Planungen und Konzepte eine lange Laufzeit haben müssten. Am Ende der Zukunftswerkstatt sollen viele Sachthemen in das Handlungskonzept integriert sein. Dieses Konzept sei die Basis für eine weitere Förderung durch die Landesregierung. Ein Augenmerk müsse auch auf der Landschaft zwischen den Ortschaften liegen, denn es „fällt viel Landschaft weg“.

Anschließend machte sich Westerheide mit dem Mikrofon auf den Weg ins Publikum, um bei fast jedem eine Stellungnahme einzusammeln. Schnell war das Eis gebrochen und die Teilnehmer redeten Klartext. Über zu kurze Öffnungszeiten des Bäckers, verödende Dorfplätze und abwandernde Jugendliche, die lieber die Feste in anderen Ortschaften besuchten. Aber auch die Vorteile kamen zur Sprache, die es zu stärken gelte.

Peter-Josef Gormanns vom Planungsteam der Dorfgemeinschaft wies darauf hin, dass nicht das Tagebauloch die primäre Sorge sei, sondern die Zeit bis dahin. „Wir müssen die Dörfer in die Lage versetzen, so lange durchzuhalten“, erklärte er.

Der Technische Beigeordnete der Stadt Erkelenz, Ansgar Lurweg, verwies darauf, dass der Restsee auch eine Chance für die Region sei, die ein Alleinstellungsmerkmal brauche. Auch er hob den langfristigen Charakter der Maßnahmen hervor: „Hecken, die jetzt gepflanzt werden, bilden in 15 Jahren eine Landschaftsstruktur.“

Die Ideen und Anregungen wurden auf großen Tafeln gesammelt und werden von den Städteplanern ausgewertet und zugeordnet. Vor dem nächsten Treffen der Zukunftswerkstatt im Januar soll es noch einmal eine ausgiebige Besichtigung in beiden Ortschaften geben.

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