Wassenberg - Angelika Pasch erzählt in der Bücherkiste freche Märchen

Angelika Pasch erzählt in der Bücherkiste freche Märchen

Von: Johannes Bindels
Letzte Aktualisierung:
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Autorin Angelika Pasch (l.) fesselt erzählend ihr Publikum mit Märchen über Liebe, Leid, List und Lust.

Wassenberg. Die Bücherkiste Wassenberg ist bekannt für ihre beliebten Lesungen mit regionalen und überregionalen Autoren. Beim „Märchenabend für Erwachsene“ stand Angelika Pasch mit ihrer Erzählkultur im Mittelpunkt eines Abends, zu dem das Team der Bücherkiste in die Aula der GGS Burgschule eingeladen hatte.

Angelika Pasch, Mitglied der Mönchengladbacher Künstlervereinigung „Der Blaue Rheydter“, präsentierte inhaltlich freche Märchen, frei erzählt – und zwar „so frei, wie ein Schauspieler sein Solostück“. So wurde es in der Einladung angekündigt.

250 Märchenbücher

„In meinem früheren Leben war ich mal Grundschullehrerin“, stellte die Erzählerin Pasch sich dem Publikum vor. Ihre Märchenprogramme stelle sie seit mehr als zehn Jahren aus ihrem reichen Fundus von mehr als 250 gesammelten Märchenbüchern aus allen Teilen der Welt zusammen. Um Liebe und Leid, Lust und List, um kluge Frauen und listige Weiber geht es da.

„Wie die Schlankheit des Schilfrohrs, die Leichtigkeit des Blattes, die spielerische Heiterkeit der Sonnenstrahlen, aber auch wie die Härte des Diamanten, das Geschwätz der Elstern, die Falschheit der Kraniche sowie die Klugheit einer Schlange oder das Störrische eines Esels“, begann in der Sprache der Märchen die Charakterisierung des Frauenbilds und der Einstieg in die erste Erzählung. Ein solches Geschöpf habe Gott geschaffen und dem Mann zur Seite gestellt.

Aber es raube eben auch dem Mann die Zeit, ließ dieser seinen Gott wissen, auch wenn ein Leben ohne die Frau für den Mann nur öde sei. Hin- und hergerissen zwischen Qual und Genuss sei er. „Ich kann nicht mit der Frau, aber auch nicht ohne sie leben“, war des Mannes Erkenntnis. Und so fragte denn Gott auch die Frau, was sie denn könne. „Ich kann mit ihm leben und auch ohne ihn“, ließ Angelika Pasch die Frau antworten und beendete so pointiert ihr erstes Märchen. Eine Schlussfolgerung, der das überwiegend weibliche Publikum lächelnd und zustimmend folgte.

Elf weitere Märchen und Erzählungen aus Italien, Griechenland, Arabien, Marokko, Syrien und Dänemark folgten frei erzählt und gestenreich von Angelika Pasch dargestellt.

Kampf der Geschlechter

Immer waren es Geschichten um den Kampf der Geschlechter. Nicht selten, dass in den patriarchalischen Kulturen der Märchenwelt, in denen der Mann dominant und oft wenig einfühlsam seinen Freiheiten frönte, die Frau nur durch List und Klugheit ihre eigenen kleinen Freiheiten – auch die sexuellen – sich erschleichen und ihr Leben zu sichern wusste.

In der kreativen Märchenwelt lässt sich denn auch eine schnelle Lösung herbeizaubern. Lügen durch eine Wasserquelle zu entlarven, das Altern in eine neue Jugend umzukehren oder nur von Luft zu leben, gelingt nur im Märchen. Dennoch macht das wohl gerade den Reiz der Märchen auch für Erwachsene noch aus, sich in die Welt der leichten Problemlösungen entführen zu lassen.

Die Zuhörer ließen sich fesseln von der engagierten Erzählerin, auch wenn der schwierige Part, die Märchensprache mit der freien Erzählweise zu verbinden, nicht immer reibungslos und ohne Brüche vonstatten ging. Das Wagnis der etwas anderen Literaturpräsentation gelang jedoch, weil es eben kein braver „Es war einmal“-Abend war.

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