Angeklagte streitet Mordanschläge weiterhin ab

Von: Heike Ahlen
Letzte Aktualisierung:

Mönchengladbach/Hückelhoven. Drei Mordanschläge soll ein 62-Jähriger, der an Demenz leidet, überlebt haben. Ausgeführt durch seine Ehefrau und deren Freundin, mit der sie eine Beziehung hatte. Nachdem dieses Verhältnis in die Brüche gegangen war, hatte sich die Freundin im Herbst 2011 an die Polizei gewandt.

Da die Geschichte aber klingt, als stamme sie aus einem billigen Romanheftchen, entschlossen sich die Ermittler, die beschuldigte Ehefrau zunächst zu überwachen – und nicht sofort zu verhaften. Die Festnahme erfolgte erst fast ein Jahr später.

In einigen von der Polizei abgehörten Telefonaten hatte sie über ihren Ehemann geschimpft. Im Gerichtssaal stellte sie ihre Beziehung zu dem 62-Jährigen aber als äußerst liebevoll da und beteuerte ein ums andere Mal, sie habe ihn sehr geliebt.

Die Freundin, die das Verfahren in Gang gebracht hatte, sitzt mit auf der Anklagebank. Sie ist 1967 in der ehemaligen DDR geboren, nach eigenen Aussagen von der Mutter vernachlässigt worden und im Alter von drei Jahren zunächst zu ihrer Oma und später in ein Heim gekommen.

Irgendwann – nach einer gescheiterten Ehe – habe sie die alten Jugendamtsunterlagen einsehen können und erst den Grund erfahren, warum sie in einem Heim aufwachsen musste. Das habe eine Borderline-Störung ausgelöst, die auch behandelt worden sei. Ihre erste Beziehung zu einer Frau habe sie dann mit einer Krankenschwester in der Therapie-Klinik gehabt.

Nachdem die beendet gewesen sei, habe sie über das Internet die Ehefrau des 62-Jährigen kennen gelernt. Man habe sich verliebt. Auch die Ehefrau berichtete vor Gericht von einer nicht einfachen Kindheit und Jugendzeit.

Sie habe auch als „Animierdame“ gearbeitet. Erst auf Nachfrage des Richters räumte sie ein, dass man ihre Tätigkeit wohl auch als die einer Prostituierten beschreiben könne. Durch ihre damalige Chefin habe sie Kontakt zu dem Mann bekommen, den sie dann auch geheiratet habe.

Dass sie danach von 2007 an dreimal versucht haben soll, ihn umzubringen, streitet sie vor Gericht ab.

Bei einer ersten Tat soll sie ihn vor einer Gaststätte in Hückelhoven mit einem Stein niedergeschlagen und liegen gelassen haben. Der Mann überlebte den Anschlag, identifizierte ihn wohl auch nicht als solchen und kehrte heim.

Beim zweiten Mal sollen die Frauen gewollt haben, dass er eine Kellertreppe hinunterstürzt. Zu diesem Zweck sollen sie diese mit Öl eingestrichen und Matchbox-Autos darauf platziert haben. Außerdem sollen sie die Glühbirne im Keller herausgedreht haben. Der Mann stürzte aber nicht in die Tiefe.

Beim dritten Mal sollen die Frauen eine Flasche Batida de Coco mit Schlaftabletten versetzt haben. Dass die Flasche gekauft worden sei, räumt die Ehefrau auch ein, nur habe man sie nicht vergiftet. Nach dem „Genuss“ des Inhalts hatte der Mann bis zum folgenden Mittag geschlafen, war dann aber aufgewacht.

Die mitangeklagte Freundin hat noch nicht zu den Vorwürfen ausgesagt. Das könnte am nächsten Prozesstag passieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert