Amateurfunk: Verbindung ohne Satelliten und Provider

Von: hewi
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Hückelhoven/Wegberg. Wieder hieß es am Schacht 4 und 6 „Delta Lima“, „Delta Charly“ oder „Tango Alpha Foxtrott“: Selbst Laien wissen sofort, dass es sich dabei um Ausdrücke aus dem Amateurfunk handelt. Die wenigsten wissen, was sie bedeuten.

Dabei wäre es durchaus sinnvoll, sich beim Thema Amateurfunk auszukennen. Denn Funken kann man auch, wenn zum Beispiel bei Katastrophen alle Telefonnetze zusammengebrochen sind. Nachdem ein Orkan New Orleans verwüstet hatte, waren es Amateurfunker, die zuerst kommunizieren und Hilfe organisieren konnten.

Rund 80.000 Funker im Land

Die Amateurfunker in Deutschland sind im „Deutschen Amateur-Radio-Club“ (DARC) organisiert. Denn ohne Organisation und Regeln geht es natürlich nicht. Wer ohne Lizenz funkt, macht sich strafbar. Bevor man in den Äther lauschen und sprechen kann, muss man eine Funkausbildung absolvieren und bei der Bundesnetzagentur eine Prüfung ablegen. Erst dann bekommt man seine persönliche Kennung und kann losfunken.

Viele Funkamateure gibt es in Deutschland nicht. Rund 80.000 registrierte Funker gehen dem kommunikativen und durchaus völkerverständigenden Hobby nach. Knapp 50 haben sich im Weberger Ortsverband „G38“ zusammengeschlossen. G steht für „Golf“ und bezeichnet einen Funkdistrikt, der von Aachen bis in die Eifel reicht. Weitere DARC-Ortsverbände findet man im Selfkant und in Geilenkirchen. Das nahe Mönchengladbach hat ein „R“ für „Romeo“ in seiner Funkkennung.

Mit selbst erzeugtem Strom und drei Stationen nahmen einige der Wegberger Funker am bundesweiten „Aktivitätstag Amateurfunk und Bergbau“ teil. Die Aktion wurde von Amateurfunkern in der ehemaligen Bergbaustadt Marl ins Leben gerufen und soll neben dem Funkhobby auch dazu dienen, die alten Zechenstandorte wieder zu „aktivieren“.

„Delta Lima steht für Deutschland“, erläuterte der Vorsitzende Hubert Henseler (DH1DH). „Das individuelle Rufzeichen bekommt man zugeteilt, wenn man die Prüfung abgelegt hat.“ Und mit dem ist man dann weltweit für Funker auf den für sie freigegebenen Frequenzen erreichbar. Worüber man dann redet, sollte man sich gut überlegen, denn die Kommunikation ist auch für Dritte hörbar. „Wir haben die Übereinkunft, dass weder über Religion noch Politik gesprochen wird“, betonte Henseler.

Der Reiz liege darin, dass man ohne Provider und Satelliten weltweit mit Gleichgesinnten in Verbindung treten kann, betonte auch Wolfgang Schrey (DL1 KWS). Wie weit man kommt, hängt auch vom Wetter ab. Denn die Funkwellen müssen erst einmal bis in die Ionosphäre aufsteigen, von wo aus sie zurückstrahlen zur Erde. Dabei könne es auch passieren, dass man sein eigenes Funksignal gesendet bekommt, das dann einmal um die ganze Welt gegangen ist und einen „quasi von hinten“ selbst trifft.

Amateurfunker kommen aus allen Berufsgruppen, leider aber nicht aus allen Altersgruppen. Junge Funker wie die 23-jährige Pfadfinderin Lisa Bischoffs (DB4LB) sind eher die Seltenheit. „Pfadfindertum und Amateurfunk passen gut zusammen“, findet sie. In regelmäßigen Aktionen treten die Pfadfinder weltweit per Funk in Kontakt und tauschen sich aus.

Der Aktivierungstag aktivierte auch Besucher wie den Hückelhovener Bürgermeister Bernd Jansen. Er zeigte sich vor allem von den Möglichkeiten der direkten Völkerverständigung begeistert und lobte die Arbeit der Funkamateure.

Sieger steht noch nicht fest

Als „Delta November 3 Hotel Kilo Lima“ konnte man auch unter Anleitung selbst in den Äther eintauchen und mit anderen Amateurfunkern Kontakt aufnehmen. Zum Beispiel mit Peter aus Heidenheim. Und schon war wieder ein Kontakt zustande gekommen, den man dokumentieren und den Organisatoren des Aktivierungstags zusenden kann.

Im vorigen Jahr konnten sich die Wegberger gegen ihre bundesweite Konkurrenz durchsetzen und den ersten Platz erzielen. Ob es auch diesmal gereicht hat, werden sie in drei bis vier Wochen wissen, wenn die Kontaktprotokolle ausgewertet sind.

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