Altkleider: Kommerzielle Verwerter drängen auf den Markt

Von: Norbert F. Schuldei
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Die Stadt Erkelenz achtet darauf, dass auf öffentlichem Grund und Boden nur Container mit Erlaubnis des Ordnungsamtes aufgestellt werden. Ob das bei diesem in Mennekrath so ist, wird derzeit geprüft. Foto: N. Schuldei

Heinsberg/Erkelenz. Was passiert eigentlich mit den abgelegten Kleidern, die für einen guten Zweck gespendet werden? Wer darf auf öffentlichem Grund Altkleider-Sammelcontainer aufstellen? Wenn neben den bekannten Containern vom DRK oder von der AWO Sammelbehälter aufgestellt oder ausgeteilt werden, sind es meist solche der Textilverbund AG Frankfurt.

Nicht ohne Grund, denn mit dem, was hierzulande als Abgetragenes weggelegt wird, kann man noch immer ein gutes Geschäft machen. Die gesammelten Altkleiderspenden gehen nämlich nicht direkt in die Katastrophengebiete der Welt – der größte Teil der gespendeten Bekleidung wird weiterverkauft – zum Kilopreis an Vertragspartner, ein geringer Teil der Kleidung wird direkt in Deutschland an Bedürftige ausgegeben.

31 Kleidercontainer stehen im Erkelenzer Stadtgebiet völlig legal mit der Genehmigung des Ordnungsamtes der Stadt auf öffentlichem Grund und Boden. 21 davon werden vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) oder der Arbeiterwohlfahrt (AWO), also gemeinnützigen Umorganisationen, geleert, zehn sind von der Stadt offiziell an gewerbliche Unternehmen vergeben worden. Soweit, so gut.

Aber: „Besonders in den vergangenen Wochen sind eine ganze Reihe von nicht genehmigten Kleidercontainern aufgetaucht“, sagt Dr. Heiner Gotzen. Der Beigeordnete hebt dabei die Schultern: „Wir können das nicht ändern, die stehen auf privatem Grund“. Sollten die allerdings rechtswidrig auf öffentlichem Grund auftauchen, versichert Gotzen, „dann verfolgen wir das“.

Während im Hückelhovener Stadtgebiet nur ganz wenige Altkleiderbehälter (Beigeordneter Helmut Holländer: „Die kann man an einer Hand abzählen“) auf städtischen Boden stehen, sind es in Heinsberg immerhin 65. „Wir haben das bei uns gedrittelt“, sagt Franz-Josef Maibach, Leiter des Bauverwaltungsamtes. Ein Drittel DRK, ein Drittel AWO ein Drittel private Einsammler.

„Der Bedarf an Altkleidercontainern im Stadtgebiet ist damit gedeckt“, glaubt Franz-Josef Maibach. Mit dem kommerziellen Altkleidersammler hat die Stadt vor zwei Jahren einen Vertrag ausgehandelt: „Es ist ein guter Vertrag, er bringt der Stadt jährlich 10.000 Euro“, sagt Maibach. Der Vertrag sei unbefristet, könne aber „jederzeit gekündigt werden“.

Gut möglich, dass man diese Option bald zieht: Die Stadt Aachen beispielsweise erwägt, die Konzessionen für die Altkleidercontainer künftig europaweit auszuschreiben. Hintergrund: Ein gewerblicher Altkleider-Verwerter lockt mit einer hohen fünfstelligen Summe, wenn er dort die Gratis-Altkleidersammlung übernehmen darf.

Ob die Altkleidercontainer auch für die Stadt Heinsberg zu einer lukrativen Einnahmequelle werden können? „Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt“, sagt Maibach. Im Prinzip aber wolle man „die caritativen Einsammler nicht verdrängen und an der Drittelung festhalten“.

Die Stadt Erkelenz hat ganz bewusst auf einen solchen Vertrag, der natürlich Geld in die Stadtkasse bringt, verzichtet. Dr. Gotzen erklärt warum: „Wenn wir mit den kommerziellen Sammlern einen Vertrag abschließen, dann müssten wir das auch mit den caritativen Verbänden tun. Das wollen wir aber nicht, denn dann müssten auch die bezahlen.“

Das DRK unterhält an der Feuerwache in Erkelenz eine eigene Kleiderstube, in der die getragenen Kleidungsstücke abgegeben, gereinigt und dann an Bedürftige verteilt werden. „Im Jahr 2011 haben wir rund 15.000 Kleidungsstücke an etwa 4000 Menschen ausgegeben“, sagt Andreas Schülbe vom Kreisverband des DRK. Im gesamten Kreisgebiet hat das DRK 85 Altkleidercontainer stehen. „Das Sammelergebnis wird von Jahr zu Jahr weniger“, sagt Schülbe. Ja, das habe schon direkt mit den kommerziellen Sammlern zu tun.

Andreas Wagner vom Kreisverband Heinsberg der AWO betont, dass sein Verband durch die Altkleidersammlung „in der Tat Arbeitsplätze für Menschen finanziert, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance mehr hätten“. Das Sammeln von Altkleidern „macht uns nicht reich, aber es hilft“, sagt Wagner. „Es ist ein Tröpfchen, das uns in schweren Zeiten sehr gut tut.“

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