Heinsberg / Selfkant / St - Alternative Begräbnisorte im Kreis im Trend

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Alternative Begräbnisorte im Kreis im Trend

Von: agsb/mib
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Ganz natürlich: Um Gräber unter einem Baum müssen sich Angehörige nicht kümmern. Das übernimmt die Natur. Ein Grab in der Naturruhestätte Bergerbos in St. Odiliënberg. Foto: Mirja Ibsen

Heinsberg / Selfkant / St. „Opa, wann stirbst Du?“ Vierjährige stellen solche Fragen. Ganz arglos. Aus Neugier. Opa weiß schließlich alles. Er weiß, warum Flugzeuge weiße Streifen am Himmel ziehen, wie Bienen Honig machen und warum einem nicht schwindelig wird, obwohl sich die Erde die ganze Zeit dreht.

Und so ein Opa müsste ja jetzt auch das mit dem Tod wissen. Und natürlich die Antwort darauf, wohin er dann genau geht und ob man ihn da besuchen kann. Opa schmunzelt bei solchen Gelegenheiten und versteht es geschickt, das Gespräch auf die alten Ägypter, ihre Pyramiden und dann – logisch – auf die Frage zu lenken, ob man auf Nilpferden reiten kann. Das macht ihm mehr Spaß, als sich mit dem Unausweichlichen zu beschäftigen.

Dabei muss das ja gar nicht traurig sein. Auch bei einem Bestattungsvorsorgegespräch wird viel gelacht. Diese Erfahrung hat zumindest Richard Wallraven gemacht, der seit 2011 in Heinsberg ein Bestattungsunternehmen führt. „Die Menschen sind oft sehr erleichtert, wenn sie wissen, dass alles unter Dach und Fach ist“, sagt er. Auch wenn sie erfahren, dass sie Geld für die Bestattung zweckgebunden sparen können, das auch dann nicht angegriffen wird, wenn sie zum Pflegefall werden sollten. Viele würden am liebsten auch schon den genauen Standort für ihr Grab bestimmen. Das geht allerdings in Heinsberg nicht.

Friedhofssatzung erweitert

Was auf einem Friedhof möglich ist und was nicht, das bestimmen die Städte und Gemeinde in ihrer Friedhofssatzung. So wie die Gemeinde Selfkant, die jetzt in ihrer jüngsten Ratssitzung beschlossen hat, auch auf dem Friedhof in Wehr ein Aschestreufeld einzurichten, wie es bereits seit Jahren eines auf dem Friedhof in Schalbruch gibt. Wobei die Gemeinde das Wort „Aschestreufeld“ in „Aschegrabstätte“ geändert hat.

„Das ist an sich eine Wortspielerei“, sagt Frank Bienwald, Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Selfkant. Es geht vor allem darum, deutlich zu machen, dass die Asche nicht einfach auf das Gras gestreut und den Launen des Windes überlassen wird. „Die Grasnarbe wird kurz angehoben, die Asche darunter verstreut und die Grasnarbe wieder zugedeckt“, erklärt Bienwald. In Schalbruch gab es bereits zehn Bestattungen dieser Art. Die Nachfrage steigt.

Die Wiese auf dem Friedhof in Wehr, die für die Aschegrabstätte reserviert ist, liegt in Richtung Waldgebiet. Die Stelle soll noch mit einer Hecke gekennzeichnet werden. Wer dort allerdings verstreut wurde, das bleibt anonym. Grabmale oder Gedenktafeln sind nicht zugelassen, auch Blumen oder Gestecke dürfen auf der vorgegebenen Wiese nicht abgelegt werden.

„Wir haben eine veränderte Bestattungskultur und möchten für die Bürger viele Möglichkeiten der Bestattungen anbieten“, hatte Heinz Stassen von der CDU-Fraktion im zuständigen Ausschuss erklärt. Die Kollegen aus den übrigen Fraktionen (SPD, Grüne/Bündnis 90, FDP, Pro Selfkant) sahen das genauso, auch weil das Verstreuen der Asche das Grundwasser in der Nähe des Bruchs deutlich weniger belastet, als Erdbestattungen.

Ja, die Bestattungskultur hat sich verändert, und zwar bereits in den vergangenen zwanzig Jahren. Das sagt Rudi Dohmen, der 1970 das Bestattungshaus seines Vaters in Dremmen übernommen hat und Sprecher des Bestatterverbandes für den Kreis Heinsberg ist.

Grabpflege heißt das Reizwort. Da die Menschen immer älter werden, werden folglich auch ihre Angehörigen immer älter, und die können sich dann nicht mehr dreißig Jahre lang um ein Grab kümmern. Die jungen Menschen hätten häufig gar keinen Bezug mehr zum Friedhof, sagt Dohmen, der immer öfter auch Wiesenbestattungen organisiert. Dann erinnert nur eine gravierte Platte an den Gestorbenen, die Wiese mäht die Stadt.

Das ist günstig. Denn Geld spielt bei der Trauerarbeit eine große Rolle. Meist fehlt es. Aber nicht nur deshalb wird Rudi Dohmen zunehmend mit Feuerbestattungen beauftragt.

„Viele wählen die Einäscherung als Bestattungsform, weil man mit einer Urne mehr Möglichkeiten hat“, sagt auch Wallraven. Aus der Asche kann man einen Diamanten pressen lassen, eine Messerspitze voll in einem Schmuckstück versiegeln, sie in der Nord- oder Ostsee verstreuen oder sie gar in den Weltraum schicken. Aber „eine solche Anfrage hatte ich noch nicht“, sagt Wallraven und lacht.

Möglich ist vieles, aber nicht alles, vor allem nicht in Deutschland. Denn hier gibt es den so genannten Friedhofszwang. Der Körper oder die gesamte Asche eines Menschen muss in der Regel in einem Sarg oder einer Urne auf einem Friedhof bestattet werden. Manchmal ist es deshalb nötig, die Landesgrenze zu überschreiten, um den Wunsch nach einer anderen Bestattung zu erfüllen.

Um sich unter einem Baum beerdigen zu lassen, muss man nicht über die Grenze gehen. Friedwälder oder Ruheforste gibt es auch in Deutschland. Allerdings ist für die Kreis Heinsberger die Fahrt nach St. Odiliënberg in den Niederlanden definitiv kürzer als die bis in die Eifel oder nach Köln. Wer bei Karken über die Grenze fährt, braucht noch ungefähr zehn Minuten bis zur Naturruhestätte Bergerbos.

Hunde dürfen mit

Hier gelten besondere Regeln. Die Wege und Gräber dürfen zum Beispiel auf gar keinen Fall vom Laub befreit werden. Alles soll der Natur überlassen bleiben. Deshalb entfernt die Verwaltung auch alles Grelle, Glas- und Plastikartige direkt von den Gräbern, informiert eine Holztafel. Hunde dürfen an der Leine mitgeführt werden.

Die Blätter, die dort liegen, wo sie hingehören, nämlich auf dem Boden, rascheln unter den Schuhen. Es gibt Wege, aber die Gräber sind da, wo die Bäume stehen. Mal weisen Grabsteine, mal einfache Holztafeln auf die Gestorbenen hin. Es gibt Urnengräber ebenso wie Erdgräber oder Aschegräber, mal reich geschmückt, mal dezent verziert.

Gelbes Laub sammelt sich auf Bänken aus Wurzelholz und – auf der Schaukel. Denn wenn hier Enkel einen Opa besuchen, können sie sich auch beim Schaukeln oder Pilze sammeln an seine Nilpferde, Pyramiden und andere verrückten Geschichten erinnern.

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