Alte Schätzchen benötigen eine kundige Hand

Von: Anna Petra Thomas
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Das Treffen der Trecker- und Oldtimerfreunde wir jedes Jahr zu einem regelrechten Familienereignis. Nachwuchssorgen plagen die Veranstalter nicht. Foto: Anna Petra Thomas
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Beim Versuch, seine alte Militärmaschine in Gang zu bringen, hörten Franz Orths und sein Großneffe Justus viele gut gemeinte Ratschläge. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Waldenrath. „Nur noch einmal treten!“ Wieder nix. Verzweifelt steht Franz Orths, pensionierter Bäckermeister von Waldenrath, neben seiner belgischen Militärmaschine, Baujahr 1945. Sie will nicht anspringen. Dabei hätte er so gerne am Korso teilgenommen, in dem die alten Traktoren und alles andere noch motorisiert Fahrbare von anno dazumal durch die Landschaft tuckern, bis zum Bahnhof in Schierwaldenrath und wieder zurück auf die Wiesen zwischen Waldenrath und Straeten.

Hierher hat der Heimatverein Waldenrath am Wochenende eingeladen zu seinem fünften Traktor- und Oldtimertreffen. Von wegen Wochenende: Die ersten seien schon am Donnerstag angekommen, erzählt Ludwig Stumm, im Heimatverein einer der Initiatoren und Organisatoren des Treffens, das mittlerweile alle zwei Jahre in Waldenrath stattfindet und sich ungebrochener Beliebtheit erfreut. Bei anderen Veranstaltungen dieser Art seien die Besucherzahlen dagegen rückläufig, weiß er.

Nicht so in Waldenrath. Auch am Samstagmittag zur besten Korso-Zeit tuckern hier in allen möglichen Tonlagen immer noch Freunde alter Gefährte heran, um einfach dabei zu sein, die Luft der guten alten Zeit zu schnuppern, nicht nur die der Landwirtschaft. Denn neben vielen alten Traktoren, mehr als 150 sind es in diesem Jahr, können Freunde historischer Fahrzeuge hier sogar einen alten Mähdrescher entdecken, dazu eine ganze Reihe Lkw-Denkmäler und Motorrad-Schätzchen. Rund 20 davon gehören Franz Orths, der immer noch damit beschäftigt ist, seine alte Militärmaschine ans Laufen zu bringen. „Ich kann machen was ich will, es klappt nix heute!“, entfährt es ihm.

Dabei ist er mit dieser Maschine noch selbst hierher gefahren. Die anderen hat er alle auf einem Hänger auf die Wiese transportiert. Mittlerweile haben sich eine ganze Reihe guter Ratgeber an seiner Maschine eingefunden. „Die Kombizange, wo han ich die?“, fragt er seinen Großneffen Justus, der ihm treu zur Seite steht. „Man wird langsam nervös, wenn das nicht klappt“, gesteht der Motorradliebhaber dann wieder in perfektem Hochdeutsch seinem Publikum. „Vielleicht ein Strohhalm mit einem Tropfen Sprit“, lautet einer der von dort gut gemeinten Vorschläge. „Das ist eine meiner größten Enttäuschungen, dass die alle nicht anspringen“, sagt Orths und vermutet, dass wohl das Unwetter des Vormittags, das viel Wasser auf seine alten Schätzchen prasseln ließ, schuld ist an seinem ganz persönlichen Fiasko.

Derweil läuft der Korso weiter und immer noch reisen neue Teilnehmer an. Anmelden und ab zum Korso oder auf eine der vier Wiesen im Karree. Wer sein „Häuschen“ hinter sich herzieht und über Nacht bleiben will, muss es gleich rechts auf der ersten Wiese abstellen. Der Trend zum selbst ausgebauten Bauwagen scheint da offenbar ungebrochen, echte Wohnwagen sind nur ganz wenige auszumachen.

Gleich links steht alles, was unter die Überschrift „Sonderfahrzeuge“ passt. Der alte Mähdrescher hat hier seinen Platz, aber auch ein kleines rotes Feuerwehrauto, das schon im Museum war und jetzt wieder rollt. Sogar ein alter amerikanischer Wohnwagen namens „Airstream“ glänzt hier silbern in der Sonne.

Fein aufgereiht nach Marken

Die Wiese davor links haben die Traktoren in Beschlag genommen, fein aufgereiht nach Marken und so auch nach Farben. Gleich vorne rechts steht alles in Grün, Traktoren der Traditionsmarke Deutz. „Damit haben wir früher die Kartoffeln ausgemacht“, erzählt einer der Besucher. „Sehen Sie den schmalen Radstand?“, deutet Stumm auf das Gefährt gleich daneben. „Dieser Traktor konnte auch im Weinberg fahren“, weiß er zu berichten.

Auf der Wiese daneben mit den Motorrädern von Franz Orths schließlich stehen auch die Lastwagen. Imposant erhebt sich da neben den ganzen Oldtimern ein ganz neuer Lkw, den ein Geilenkirchener Händler einfach dazwischen gestellt hat – schon der rein optische Vergleich ist beeindruckend.

Auf dieser Wiese ist schließlich auch fürs leibliche Wohl von Teilnehmern und Besuchern gesorgt. Und hier werden allabendlich für alle Teilnehmer auch die berühmten Spiegeleier gebraten – auch schon eine Tradition des Waldenrather Traktor- und Oldtimertreffens.

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