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Alte Bomben und Granaten: Der Tod lauert immer noch im Erdreich

Von: Rainer Herwartz
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In der Baggerschaufel liegt eine britische Fliegerbombe. Unzählige dieser Art sind am 16. November 1944 auf Heinsberg niedergegangen. Foto: dpa
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Ist der Zünder erst einmal fachmännisch entfernt, ist die Gefahr gebannt. Foto: dpa
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Josef Cüppers ist bei der Stadt Heinsberg unter anderem zuständig für den Feuer- und Katastrophenschutz. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Beinahe 70 Jahre ist er her, der wohl traurigste Tag in der Geschichte Heinsbergs. Damals, am 16. November 1944, legte ein britischer Bombenregen die heutige Kreisstadt in Schutt und Asche. 54 Menschen starben im Heinsberger Bombenhagel. Und noch heute lauern im Erdreich des Stadtgebietes Tod bringende Überbleibsel des Krieges.

Allein zwischen den Jahren 2010 und 2013 registrierte das Ordnungsamt 25 sogenannte Zufallsfunde von Sprenggranaten und Munition. Vor allem für die älteren Mitbürger dürften gerade die Ereignisse in Euskirchen, bei denen ein Baggerführer durch eine nicht entdeckte Luftmine all die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch sein Leben lassen musste, bedrückende Erinnerungen wachrufen.

„Der Schutz der Bevölkerung vor Gefahren, die von Kampfmitteln ausgehen, ist eine Aufgabe der Gefahrenabwehr, die den örtlichen Ordnungsbehörden obliegt“, erläutert Josef Cüppers, als Verwaltungsfachwirt unter anderem zuständig für Feuer- und Katastrophenschutz in Heinsberg. „Da der Umgang mit Kampfmitteln besondere Kenntnisse und Fähigkeiten voraussetzt, unterhält das Land Nordrhein- Westfalen einen staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienst bei den Bezirksregierungen in Arnsberg und Düsseldorf.“ Für die Heinsberger Region sei die Außenstelle in Kerpen zuständig.

Und die sitzt bei weit mehr Planungen mit im Boot, als viele Bürger ahnen. „Bevor Tiefbaumaßnahmen, auch in Zusammenhang mit der Erstellung eines Wohnhauses erfolgen können, muss zunächst der Kampfmittelbeseitigungsdienst über die örtliche Ordnungsbehörde eingeschaltet werden“, sagt Cüppers. „Die Experten werden dann im Rahmen einer Luftbildauswertung alliierte Fotoaufnahmen der zu bebauenden Fläche überprüfen. Es geht dabei um das Erkennen von Bomben- und Granateinschlägen, die aufgrund fehlender Trichterbildung offensichtlich nicht zu Detonationen führten. Erkennbar sind sie auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen meist als helle Flecken.“ Oftmals allerdings seien auch in den Bombentrichtern Munitionsreste nach dem Krieg vergraben worden, was letztlich wieder zu einer Folgegefährdung führen könne und auch die Suche nicht gerade erleichtere, meint Cüppers. Gleiches gelte übrigens für Schützen- oder Laufgräben, in denen so manches brisante Relikt zur vermeintlich letzten Ruhe gebettet worden sei.

In den vergangenen drei Jahren wurden allein etwa 40 Absuchanfragen an das Ordnungsamt gerichtet, „wobei man sehr häufig fündig wurde“. Auch etwa zehn Großflächenabsuchungen durch den Kampfmittebeseitigungsdienst standen an. Zum Beispiel im Zuge der Erneuerung der Bahnstrecke Heinsberg–Lindern oder beim Bau von Umgehungsstraßen. Bei den Fundstücken handelte es sich ausnahmslos um Granaten oder Munition.

Nicht immer jedoch hätte diese gefahrlos abtransportiert werden können, erklärt der Verwaltungsmann. In etwa 30 Fällen habe eine kontrollierte Sprengung in der Feldgemarkung oder an geschützten Stellen vorgenommen werden müssen.

Cüppers warnt in diesem Zusammenhang davor, die Gefahr, die auch heute noch von den Blindgängern ausgehe, zu bagatellisieren. „Manche sehen trotz verrosteter Hülle von Innen noch so aus, als kämen sie gerade aus der Produktion. Das zeigt, dass man diese Funde auf keinen Fall unterschätzen darf.“

Die letzte große Bombe sei im Mai 2006 in Heinsberg gefunden worden, erinnert sich Cüppers. Bei Bauarbeiten auf einem Grundstück an der Geilenkirchener Straße entdeckten die Arbeiter ein fünf Zentner schweres Exemplar. Großflächig sei damals zur Entschärfung der Fundort abgesperrt worden. Die Anwohner wurden aus ihren Häusern evakuiert oder mussten die Kellerräume aufsuchen. Zum Glück sei jedoch alles glatt gegangen.

Ein paar Jahre zuvor habe er da, so Cüppers, noch ein weit mulmigeres Gefühl gehabt. Auf einem Hinterhof im Stadtgebiet legte ein Bagger eine hochgefährliche Phosphorbombe frei. Das besonders Fatale: Die Außenhaut war bereits gerissen, es herrschte Bullenhitze bei strahlendem Sonnenschein und der Phosphor drang bereits in das Erdreich. Jeden Augenblick habe es zur Katastrophe kommen können. Schnell seien die Flüssigkeit mit Sand zugedeckt und Sonnensegel aufgestellt worden. Dennoch, so Cüppers, habe er den Platz in der Grube an diesem Tag nicht mit dem Bombenentschärfer tauschen wollen.

Da erzählt sich die amüsante Geschichte vom vermeintlichen Bombenfund im Lago Laprello doch gleich viel munterer. Dort nämlich, einige Jahre vor der Umgestaltung zum Erholungsgebiet, glaubten Taucher, gleich mehrere gefährliche Bomben am Seeboden entdeckt zu haben. Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften waren Polizei, Feuerwehr und Kampfmittebeseitigungsdienst dem Gewässer zu Leibe gerückt. Die Sprengstofftaucher seien sogar in solch schwere Schutzanzüge gestiegen, dass sie sich auf dem Grund des Sees nur gehend hätten fortbewegen können. Dass der ganze Aufwand nur für ein paar mit Flüssigkeit gefüllte Colaflaschen betrieben werden sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Trotz dieser „Pleite“ sollten sich die Bürger aber nicht scheuen, das Ordnungsamt oder die Polizei zu informieren, wenn sie eine verdächtige Entdeckung machen. Besser ein Fehlalarm, als eine unterschätze Gefahr, meint Cüppers. „Wer Kampfmittel entdeckt oder in Besitz hat, ist zudem gesetzlich verpflichtet, dies unverzüglich der nächsten örtlichen Ordnungs- oder Polizeibehörde anzuzeigen“, sagt er.

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