Als Netzer und Herzog an die Rur kamen

Von: Helmut Wichlatz
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Rückblick auf vergangene Zeiten: die Weekend-Club-Mitglieder (v.l.) Harald Ross, Willi Spichartz, Jochen Kofferath und Friedhelm Specks. Foto: Helmut Wichlatz

Hückelhoven. Auf ein halbes Jahrhundert blickt der Weekend-Club zurück. Älteren Hückelhovenern wird der Name noch ein Begriff sein. Denn in den 1960er Jahren kannte ihn jeder, der sich für alternative Kultur und Musik interessierte.

Hinter dem Namen verbargen sich elf Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren, die sich nicht weniger auf die Fahnen geschrieben hatten als ein eigenes und vielseitiges Kulturprogramm. „Wir haben natürlich auch davon geträumt, die Rolling Stones nach Hückelhoven zu holen“, erinnert sich Harald Ross. Die haben sie zwar nicht an die Rur holen können, aber klangvolle Namen wie die Jazzlegende Chris Barber, Insterburg und Co., Reinhard Mey oder das Golden-Gate-Quartett.

700 Besucher bei Clubabenden

Auf jeden Fall dabei war die Hausband der Nachwuchs-Kulturschaffenden, die „Newcomers“. Sie rekrutierte sich aus Schülern des damaligen Jungengymnasiums in Erkelenz und hatte sich auf das Covern von Beat- und Blueshits spezialisiert. Bei der ersten Veranstaltung im Saal Darius hätten einige der Organisatoren aus Altersgründen gar nicht dabei sein dürfen, verrät Willi Spichartz schmunzelnd.

Andere Geschichten, die sie lieber nicht erzählen würden und es dann doch tun, handeln von unwissentlichen Unterschriften ahnungsloser Eltern unter Ausfallbürgschaften in für damalige Verhältnisse astronomischen Höhen oder von der anfangs ablehnenden Haltung des Hückelhovener Stadtrates.

Trotzdem ließen sie sich nicht beeindrucken und ernteten schließlich auch ihr Lob. Die Erkelenzer Volkszeitung bescheinigte den Jugendlichen damals, sie hätten Hückelhoven „aus dem Dornröschenschlaf geweckt“.

So verschlafen war Hückelhoven zu der Zeit nicht, erinnern sich die Club-Veteranen beim gemütlichen Bier. Vielmehr brummte es an der Rur auch ohne Stadtmotto, dafür aus vielen Bars und Tanzschuppen, in denen ausgiebig gefeiert wurde. Doch so wie heute die Ballermann-Partys nicht jeden Geschmack treffen, gab es auch damals junge Leute mit anderen Interessen.

Und die kamen zur ersten Veranstaltung aus der ganzen Region nach Hückelhoven. Beatmusik war in Zeiten schmachtender Schlager über brennend heißen Wüstensand ein eher seltenes Vergnügen. Trotzdem waren die Jungs dann doch erstaunt, als mehr als 500 Besucher in den Saal drängten. Bis zu 700 Besucher waren bei den folgenden Clubabenden keine Seltenheit.

Bald reichte Musik nicht mehr aus, und so wurde 1969 Fußballlegende Günter Netzer zur Live-Talkshow eingeladen. Der damals noch weitestgehend unbekannte Filmemacher Werner Herzog präsentierte 1970 seinen umstrittenen Kurzfilm „Die Katze“, und im Rahmen einer Kunstaktion wurde der Saal Darius von später durchaus bekannten Künstlern wie Ivan Belanger in Klopapier eingehüllt.

Regionale Szene aufgebaut

Die Zusammenarbeit mit der Stadt wurde besser, der Weekend Club gehörte zu den Mitinitiatoren des Stadtmusikfestes. „Für die Eltern wurde auch mal der Don-Kosaken-Chor geholt“, sagt Friedhelm Specks, der auch vor einem halben Jahrhundert dabei war.

Als die Jungs zu Männern wurden und beruflich in die Welt hinauszogen, hörten die Veranstaltungen auf. Der Club bleibt sich aber bis heute treu und trifft sich immer noch. Rückblickend ist Spichartz schon ein wenig stolz. „Der Erfolg des Clubs hat anderen Jugendlichen Mut gemacht“, ist er sich sicher. „Es entstand eine regelrechte regionale Szene.“

Mit Blick auf die heutige Kulturlandschaft sind sie optimistisch. Denn zwischen City-Events, „Canthe“ und „con brio“ gebe es noch genügend Lücken, die gefüllt werden könnten.

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