Alle Bandidos sollten auf freien Fuß

Von: Wolfgang Schumacher
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Bandidos
Sieben Rocker der berüchtigten „Bandidos” stehen vor Gericht. Foto: dmp

Aachen/Geilenkirchen. Es sollte der große Tag des Hauptbelastungszeugen Michael O. (30) werden. Doch bereits bevor auch nur ansatzweise die Personalien jenes Türstehers, der von den sieben Angeklagten Bandidos-Mitgliedern massiv bedroht worden sein soll, von der 1. Großen Strafkammer aufgenommen werden konnten, nahm das seit dem ersten Verhandlungstag übliche prozessuale Scharmützel seinen Lauf.

Diverse Anträge der Verteidiger im sogenannten Türsteher-Prozess zielten erneut auf Akteneinsicht in ein Kölner Verfahren, um nach Ansicht der Anwälte Aufschluss über die Glaubwürdigkeit des Zeugen O. zu bekommen. Oberstaatsanwältin Jutta Breuer lehnte die Beweisanträge ab, was Anwalt Peter Nickel seinerseits zu einem Ablehnungsantrag gegen die Oberstaatsanwältin selbst nutzte.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann war am Prozesstag davor bereits wegen der Besorgnis der Befangenheit abgelehnt worden. Alle verfügbaren juristischen Register kamen bislang in dem Prozess zum Einsatz. Es geht um den mutmaßlichen Versuch der wegen räuberischer Erpressung angeklagten Bandidos-Mitglieder vom August letzten Jahres, das Türsteher-Geschäft in den Discos der Region zu übernehmen. Erster Schritt sollte eine nächtliche Aktion vor einem Club in Geilenkirchen sein.

Anscheinend wussten die aufmüpfigen Bandidos damals nicht, dass jener Türsteher den Hells Angels aus dem Kölner Raum mehr als nahe stand. Denn Michael O. informierte noch nachts seine Kumpel aus der Hells-Angel-Szene, die allerdings erst kamen, als die Bandidos in jener lauen Sommernacht bereits wieder weg waren. Doch Hauptbelastungszeuge O. soll laut einer Telefonüberwachung damals sogar Mitglied des Supporter Clubs „Red Army Cologne 81” sein, die Zahlen „8” und „1” stehen für den Standort der Anfangsbuchstaben H und A, also Hells Angels, im Alphabet.

Für die Verteidiger ist seine Aussage bei der Polizei gefärbt und nicht objektiv. Als nun O, am Donnerstag auf Geheiß seines Anwalts Björn Hühne die Aussage vor Gericht verweigerte, forderten die Verteidiger der Bandidos unisono, die Untersuchungshaft gegen ihre Mandanten wegen mangelnden Tatverdachts aufzuheben. Es gebe jetzt nur noch untaugliche „Sekundärbeweise”, hieß es. Eine Entscheidung ergeht am Dienstag, 14 Uhr.
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