Kreis Heinsberg - Agrarreform: Kleinere Höfe kommen jetzt groß raus

Agrarreform: Kleinere Höfe kommen jetzt groß raus

Von: Rainer Herwartz
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Durch die neuen Förderrichtlinien, die jetzt durch die Agrarminister der Bundesländer beschlossen wurden, sollen vor allem kleinere Familienbetriebe eine besondere Berücksichtigung finden. Foto: stock/people
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Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, sieht nicht nur Vorteile der Reform.

Kreis Heinsberg. Planungssicherheit bis 2020, mehr Geld für Kleinbetriebe, Junglandwirte und Grünland – das sind vielleicht die gravierendsten Ergebnisse des Kompromisses, zu dem sich jetzt die deutschen Agrarminister durchringen konnten.

Die EU-Agrarreform hatte viele Hürden zu überwinden, auch in Deutschland. Nachdem sich bei der Agrarministerkonferenz in Würzburg die Landwirtschaftsminister der Länder nicht zu einer gemeinsamen Linie durchringen konnten, bangte die Agrarwelt nun in München erneut um eine Einigung zur zukünftigen Förderpolitik in Deutschland. Jetzt jedoch liegen die Karten auf dem Tisch.

„Nordrhein-Westfalen ist, was die Umverteilung der Fördermittel angeht, auf die vorletzte Position gerutscht. Bislang lagen wir immer im Mittelfeld,“ erklärt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Bernhard Conzen, auf Nachfrage. Derzeit, so erläutert er die Zahlen, erhalte ein Landwirt in NRW 365 Euro pro Hektar, abzüglich einer so genannten Modulation von zehn Prozent, die für bestimmte Umweltmaßnahmen genutzt werden müssten. Zukünftig würden nur noch 300 Euro pro Hektar fließen, von denen allerdings satte 30 Prozent in Umweltmaßnahmen flössen. „Dem Umweltgedanken soll auf diese Weise Rechnung getragen werden.“

Was auf den ersten Blick nach einem eindeutigen Nachteil für die Landwirte aussieht, stellt sich in der Region jedoch meist anders dar. „Bei uns liegt die Durchschnittsgröße der Höfe bei nur etwa 50 Hektar.“ Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn nach neuer Regelung wird es für die ersten 30 Hektar eines Betriebs künftig 50 Euro pro Hektar mehr geben und für die nächsten 16 Hektar immer noch 30 Euro mehr. „Das bedeutet, dass ein Großteil der Landwirte im Kreis davon profitiert. Diese Regel gleicht den Nachteil bei der Umverteilung vom Gesamtbudget etwas aus“, meint Conzen.

In der ersten Säule, einer Basisprämie ohne Gestaltungsspielraum, erfolgt ab 2015 nach dem Beschluss der Minister eine Umverteilung von Mitteln in Höhe von 4,5 Prozent in die zweite Säule. Diese Mittel sind zweckgebunden für eine nachhaltige Landwirtschaft, insbesondere für Grünlandstandorte, Raufutterfresser, für flächenbezogene Agrarumweltmaßnahmen, die Stärkung von besonders tiergerechter Haltung sowie für den ökologischen Landbau.

Junglandwirte erhalten eine zusätzliche Förderung von rund 50 Euro pro Hektar für fünf Jahre. Diese soll die Hofnachfolge sichern. Auch soll eine Kleinerzeugerregelung eingeführt werden. Die Förderhöhe je Betrieb ist auf 1250 Euro begrenzt.

Mit dem so gestalteten Ministerbeschluss „können wir zunächst leben“, gibt sich der Vorsitzende der Heinsberger Kreisbauernschaft weitgehend zufrieden. Allerdings nicht, ohne auf einen Pferdefuß hinzuweisen: „Schlimmer ist für uns die Greening-Komponente, wonach fünf Prozent der Flächen ökologisch genutzt werden müssen. Das heißt, sie können nicht als Produktionsgrundlage verwendet werden.“

Für den Landwirt unterm Strich ein Verlustgeschäft. „Wir plädieren für ein intelligentes System, das beides, also Landwirtschaft und Umweltgedanken, miteinander verbindet.“ Auch hier haben die Landwirte konkrete Vorschläge, doch dazu werden sich vielleicht erst wieder die zuständigen Ministerien an einen Tisch setzen müssen.

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